In Gelben Karten der Bürger an die Stadt geht es häufig um Müll und Grünanlagen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Stuttgarter können sich mittels Gelber Karten bei der Stadt beschweren und Anregungen geben. Doch das System ist überlastet. Die Verwaltung muss gegensteuern.

Stuttgart - Die Gelbe Karte der Stadt Stuttgart ist eine Erfolgsgeschichte. Anders als im Fußball ist sie nicht nur als Verwarnung gedacht: Neben Beschwerden können Bürger damit auch Ideen, Lob, Anregungen und alles andere los werden, was ihnen unter den Nägeln brennt. Ein Steilpass für alle, die mehr Bürgerbeteiligung fordern. Und das nicht erst seit gestern, sondern bereits seit 20 Jahren.

Loben muss man dabei ausdrücklich die Mitarbeiter der Stadt. Denn wenn eine Antwort kommt, ist sie individuell und kompetent. Selbst wenn sie nicht wie erhofft ausfällt, darf sich der Fragende doch ernst genommen fühlen. Wenn er denn zeitnah eine Antwort bekommt.

Einige Ämter sind überlastet

Denn inzwischen holt die Stadt der Fluch der guten Tat ein. Die Stuttgarter machen reichlich von der Möglichkeit Gebrauch, die Ämter mit Fragen zu ­löchern. Waren es in den Anfangsjahren noch lediglich einige Hundert Gelbe Karten, ist die Zahl zuletzt auf fast 9000 angestiegen. Einige Bereiche der Verwaltung werden geradezu geflutet – und kommen mit der Beantwortung nicht mehr hinterher. Das ist auch eine Folge des Personalmangels, der in vielen ­Ämtern ohnehin schon herrscht.

Klar ist: Der Weg, die Bürger auf diese unkomplizierte Weise einzubeziehen, ist vorbildlich. Dazu gehört aber auch, dass die technischen Kanäle funktionieren – und vor allem, dass die Betroffenen in angemessener Zeit Antworten erhalten. Sonst schleicht sich nämlich beim einen oder anderen das Gefühl ein, dass die Reden von der Bürgerbeteiligung nichts als schöne Worte sind, denen keine Taten folgen. Deshalb muss die Verwaltung darauf achten, dass die Anfragen nicht zu oft ungewollt in die Verlängerung gehen. Sonst gibt’s am Ende womöglich noch die Rote Karte – von Mitarbeitern wie Bürgern gleichermaßen.

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juergen.bock@stuttgarter-nachrichten.de

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