Die Bruderhausdiakonie gibt das Projekt „Wohnen im Neuffener Tal“ auf. Elf Menschen mit geistiger Behinderung müssen bis Ende Juni aus ihrem vertrauten Zuhause ausziehen. Wie es nun weitergeht.
Menschen mit Behinderung möchten in vertrauter Umgebung in der Nähe von Freunden oder Familie leben. Die elf Bewohner des Projektes „Wohnen im Neuffener Tal“ (WiNT) müssen aber bald Abschied nehmen von ihrem gewohnten Zuhause: Die Bruderhausdiakonie gibt das Wohnprojekt in der Reutlinger Straße zum 30. Juni auf. „Die lang andauernde, strukturell schwierige Personalsituation hat uns dazu veranlasst, die Wohnplätze aus Neuffen zu verlagern“, teilt Ute Schwarzkopf-Binder, die Leiterin der Bruderhausdiakonie Region Stuttgart, mit.
Der Schritt sei nötig, heißt es
Es sei keine einfache Entscheidung gewesen, betont sie. Diese sei aber notwendig, da es immer schwieriger geworden sei, Personal zu rekrutieren. Sieben Fachkräfte mit unterschiedlichen Stellenanteilen kümmern sich nach Angaben der gemeinnützigen, christlich-diakonischen Stiftung um die „WiNT“-Bewohner, abhängig von der Belegung der Wohngruppe werden weitere Betreuungskräfte eingesetzt. Doch Mitarbeitende zu gewinnen, sei „mit die größte Herausforderung in der Arbeit, insbesondere für Tätigkeiten in Kommunen im ländlichen Raum“, sagt Ute Schwarzkopf-Binder. „Wir bedauern diesen Schritt, zugleich müssen wir ihn machen, um junge wie auch ältere Menschen mit Assistenz- und Pflegebedarf auch zukünftig gut versorgt zu wissen“, fügt sie hinzu.
Das Wohnhaus in Neuffen mit zwölf Plätzen ist 2012 eröffnet worden. Es wurde vorrangig geschaffen für Menschen mit Assistenz- und Pflegebedarf aus dem Landkreis Esslingen. In drei hellen Wohnungen leben Menschen mit geistiger Behinderung. Trotz ihres Handicaps sollen sie ihren Alltag möglichst eigenständig gestalten können, dabei erhalten sie professionelle Unterstützung je nach persönlichen Bedürfnissen und Behinderungsgrad. Teilhabe an der Gemeinschaft, hat das Konzept zum Ziel.
Das neue Haus ist schon bekannt
Die gute Nachricht ist: „Wir können allen aktuell elf Bewohnerinnen und Bewohnern einen neuen Wohnplatz zur Verfügung stellen“, sagt Ute Schwarzkopf-Binder. Fünf von ihnen stammen aus dem Kreis Esslingen, ihnen wird ein Wohnplatz in Wendlingen angeboten. Dort hat die Bruderhausdiakonie im vergangenen Jahr ein neues Unterstützungszentrum in Betrieb genommen – mit Wohn- und Tagesstrukturmöglichkeiten mitten in der Stadt. Es bietet 23 Menschen mit Behinderung Platz in drei Wohngemeinschaften und fünf Einzelapartments. Die Bewohner des „WiNT“ würden das Haus in der Albstraße bereits kennen: Der Regionalleiterin zufolge haben die Neuffener schon im vergangenen Jahr zeitweise im Unterstützungszentrum in Wendlingen gewohnt – „mit positiver Resonanz“. Auch damals war Personalmangel der Grund für die vorübergehende Unterbringung in Wendlingen.
Den anderen sieben Bewohnern kann die Bruderhausdiakonie ein Wohnprojekt in der Region Reutlingen anbieten. Mit den Betroffenen, den Angehörigen und gesetzlichen Betreuern stehe man wegen des Umzugs in Kontakt, sagt Ute Schwarzkopf-Binder. „Wir werden in persönlichen Gesprächen gemeinsam den Übergang gut planen.“ Nach Angaben der Stiftung ist vorgesehen, dass alle Bewohner des „WiNT“ an einem Tag in ihre neuen Unterkünfte umziehen. Das soll bis Ende Juni erfolgen.
Auch für die Mitarbeiter in Neuffen gibt es laut der Regionalleiterin eine Zukunft: „Wir bieten ihnen Arbeitsplätze im Unterstützungszentrum in Wendlingen an.“ Was aus dem Gebäude in der Reutlinger Straße wird, ist indes noch offen. Über eine Nachnutzung der Immobilie, die der Bruderhausdiakonie gehört, müsse innerhalb der Stiftung beraten werden, heißt es. Man sei „derzeit noch in entsprechenden Überlegungen“.