Ein Brand, der durch ein Ladegerät eines Akku-Saugers ausgelöst wurde, hat vor wenigen Tagen im Backnanger Teilort Maubach eine Wohnung zerstört. Fachleute warnen nicht vor dem Umgang mit Akkus, raten aber in bestimmten Fällen zu besonderer Vorsicht.
Erneut hat ein Akku-Staubsauger ein verheerendes Feuer verursacht und dabei eine Familie obdachlos gemacht. Nur durch das schnelle und beherzte Eingreifen eines Nachbarn konnte dieser Tage im Backnanger Ortsteil Maubach Schlimmeres verhindert werden. Und bei einem Brand im April, ebenfalls in Backnang, waren wegen eines explodierten Staubsauger-Akkus in einer Kellerwohnung vier Menschen leicht verletzt worden.
Das wirft bei vielen Nutzern die Frage nach der Sicherheit dieser Haushaltsgeräte auf. Aktuell führt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua) in ihrer Datenbank für „Gefährliche Produkte in Deutschland“ mehrere Akku-Sauger auf, die von ihren Herstellern zurückgerufen werden, weil sie überhitzen können.
Rückruflisten nicht vollständig
Die Bundesanstalt veröffentlicht in dieser Datenbank ihr bekannt gewordene Produktrückrufe, Produktwarnungen, Untersagungsverfügungen und sonstige Informationen zu gefährlichen Einzelprodukten. Dabei könne es sich jedoch „um prinzipiell baugleiche Geräte, jedoch mit unterschiedlichen Labeln beziehungsweise Marken- und Produktbezeichnungen, handeln“, teilt eine Sprecherin mit. Einen Anspruch auf Vollständigkeit hat diese Liste allerdings nicht. Und aufgelistet seien auch nur „die von den zuständigen deutschen Marktüberwachungsbehörden gemeldeten technischen Produkte, die auf dem deutschen Markt aufgefunden beziehungsweise in Deutschland hergestellt wurden und ein Risiko für die Sicherheit und die Gesundheit der Benutzer aufweisen“.
Dies bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass jedes Produkt, das nicht auf dieser Liste erscheint, sicher ist. Es ist immer ratsam, beim Kauf von technischen Produkten auf Qualität, bekannte Zertifizierungen und Herstellerhinweise zu achten. Zwar kommt es immer wieder auch bei Akku-Staubsaugern zu Rückrufaktionen durch die Hersteller, doch sei die Gefahr nicht höher einzuschätzen als beim Einsatz vieler anderer Geräte, die einen LI-Akku benötigen, heißt es vonseiten der Verbraucherschützer.
Konkret liegen der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg über die Liste der Baua hinaus keine Zahlen über Rückrufaktionen von Akku-Staubsaugern vor, teilt Matthias Bauer mit. Auch Rückmeldungen von Verbrauchern zu exakt diesem Thema gebe es nur selten. „Wir sind auf Hinweise von Verbrauchern angewiesen, und im Verbraucherdialog kommen Akku-Staubsauger nur sehr wenig zur Sprache“, sagt Bauer. „Wir sehen diese Problematik zwar, erleben sie aber auch nur als Blitzlichtfälle aus der Presse.“ LI-Akkus in Kleingeräten könnten ganz allgemein betrachtet durchaus problematisch sein, ergänzt Bauer. Besonders da sie in immer mehr Kleingeräten verbaut würden, auch da, wo man sie zunächst vielleicht gar nicht erwarte, beispielsweise in Spielgeräten, Computermäusen oder Tastaturen.
Mit der Anzahl der verwendeten Lithium-Akkus steige auch die Zahl der damit verbundenen Brände, wie Ina Schmiedeberg vom Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung in Kiel erklärt. Akkus seien in der Brandursachenermittlung noch vor einigen Jahren kaum ein Thema gewesen, hätten sich jedoch mittlerweile als typische Schadensursache etabliert.
LI-Akkus hätten unbestritten zahlreiche Vorteile: Unter anderem liefern sie viel und relativ lange Energie auf kleinem Raum, haben keinen Memory-Effekt und sind in der Regel technisch wirklich gut. Schmiedeberg: „Sie haben nur den einen Nachteil, dass sie bei einem Defekt explosiv reagieren können.“ Gehen die LI-Akkus kaputt, dann könnten sie ihre gespeicherte Energie schlagartig freigeben; je nach Ladezustand reicht das von einer kleinen Rauchfahne beim fast leeren Akku bis zu einer regelrechten Explosion, wenn der Akku voll ist: „Dann haben Sie eine kleine Rakete im Raum.“ Fachleute sprechen dann vom sogenannten „Durchgehen“ des Akkus. „Wenn das passiert, ist es hinterher gar nicht mehr so einfach, zu sagen, was die eigentlichen Gründe für den Defekt waren.“ Nicht immer müssten es fehlerhafte Produktserien sein. „Es kann in jedem einzelnen Akku ein Fehler auftreten, wie auch in vielen anderen technischen Geräten“, sagt Ina Schmiedeberg.
Sachgerechte Handhabung ist das A und O
Bei sachgerechter Handhabung gehe von LI-Akkus kein außergewöhnliches Brandrisiko aus; die Technik ist in dieser Hinsicht alltagstauglich. Bei technischen Mängeln oder unsachgemäßer Handhabung könnten jedoch Defekte auftreten, in deren Folge der Lithium-Ionen-Akku seine gespeicherte Energie schlagartig unkontrolliert abgibt. Ein häufiger Grund für falschen Umgang sei, dass nicht die vorgesehenen Ladegeräte verwendet würden: „Verwenden Sie ausschließlich Ladegeräte, die vom Hersteller für den Akku oder, bei fest verbauten Akkus, für das jeweilige Gerät vorgesehen sind“, empfiehlt Schmiedeberg. Es sei beispielsweise schon vorgekommen, dass Akkus von E-Fahrrädern gebrannt haben, weil Familienmitglieder die Ladegeräte verwechselt hätten. Auch bei Notebooks sei diese Gefahr gegeben. „Halten Sie sich an Herstellerangaben, falls ein bestimmtes Ladegerät vorgeschrieben ist.“
Auch Stöße können Schaden anrichten. Fällt etwa ein Smartphone auf den Boden, sollte man das Gerät genauer unter die Lupe nehmen: Hat es eine Delle, bläht sich die Batterie auf? Auch ein schneller Temperaturanstieg des Gerätes beim Laden oder ein plötzlich leer werdender Akku sind Anzeichen für eine Beschädigung. „Wenn mir mein Handy runterfällt, achte ich bei den folgenden Ladevorgängen genau darauf, ob es vielleicht überhitzt“, sagt Schmiedeberg.
Es gilt die Schokoladen-Regel
Apropos Temperatur. Akkus sollte man vor extremen Temperaturen schützen, sie beispielsweise nicht der prallen Sonne oder frostigen Kälte aussetzen. „Es gilt die Schokoladen-Regel“, sagt der Verbraucherschützer Bauer. „Nicht zu heiß und nicht zu kalt.“ Die Speicherzellen sollten weder Feuer noch Temperaturen über 60 Grad ausgesetzt werden. Auch Frost gelte es zu vermeiden, etwa in der ungeheizten Garage. Je länger niedrige Temperaturen auf die Zellen einwirken, desto größer sei die Gefahr von Kapazitätsverlusten und Zellschäden.
Da jedoch die Lebensdauer eines jeden Akkus Grenzen hat, ist es wichtig, sie sachgemäß zu entsorgen, beispielsweise über Wertstoffhöfe oder spezialisierte Fachgeschäfte.