Brandschutz bei Stuttgart 21 Experte rät Bahn zu teuren Nachbesserungen

Von Konstantin Schwarz 

Ein Experte kritisiert den Brandschutz im S-21-Bahnhof. Foto: dpa
Ein Experte kritisiert den Brandschutz im S-21-Bahnhof. Foto: dpa

Im Brandfall werden laut einem Gutachter „Kamineffekt sowie unkontrollierte Strömungen“ erzeugt. Rauchabzüge in der Tunneldecke könnten helfen.

Stuttgart - Die bisherigen Pläne für den Brandschutz und das Entrauchungskonzept beim Projekt Stuttgart 21 werden von einem Stuttgarter Experten scharf kritisiert. Hans-Joachim Keim, Gutachter bei der Brandkatastrophe der Kapruner Gletscherbahn, bei der am 9. November 2000 155 Menschen starben, rät der Bahn zu teuren Nachbesserungen. Aktuell lässt das Unternehmen Brandschutz, Tunnelsicherheit und Entrauchung sowie die Rettungsmöglichkeiten im Tiefbahnhof und den Tunneln neu begutachten. „Es ist inzwischen jedem bewusst geworden, dass das Thema Brand bei diesem Projekt kein Stiefkind sein darf“, sagt Keim, der als Maschinenbauer und Kunststoffingenieur ein eigenes Büro führt.

Der Tiefbahnhof und die anschließenden, insgesamt rund 60 Kilometer langen Tunnelröhren erzeugten im Brandfall einen „Kamineffekt sowie unkontrollierte Strömungen“, sagt Keim. Weil beim Bahnhof zum Rauchabzug nicht einfach das Dach geöffnet werden könne, müsse umfangreiche Sicherheitstechnik eingebaut werden. Selbst dann müsse im Brandfall allerdings wegen tödlicher Gase aus brennenden Kunststoffen mit Toten gerechnet werden.

Keim fordert, dass die Bahn Sensoren einbaut, um Rauch im Bahnhof frühzeitig erkennen zu können. Das Tunnelsystem müsse videotechnisch überwacht werde. Die alle 500 Meter vorgesehenen Querschläge, also Verbindungen zwischen den parallelen Röhren, müssten unter leichtem Überdruck stehen, damit kein Rauch eindringt. Ansonsten sei es auch Rettungskräften mit Atemschutz bei dichtem Qualm kaum möglich, zu Verunglückten vorzudringen.

Bahn verzichtet aus Kostengründen auf Rauchabzüge

Das Eisenbahn-Bundesamt (Eba), das Genehmigungsbehörde für die Bahnpläne ist, erwartet von der Bahn eine Begutachtung durch einen Aerodynamik-Experten. Er soll offenbar klären, wohin bei unterschiedlichen Brandfällen Rauch abziehen würde und wie er gelenkt werden kann. Die sicherste Methode wären steuerbare Rauchabzüge an der Tunneldecke. Im Heslacher Tunnel (B 14) sind diese durch die Stadt in den letzten Jahren für fast drei Millionen Euro nachgerüstet worden. Die Bahn habe aus Kostengründen auf diese Technik verzichtet.

Ein Problem für die professionellen Retter sei, dass sie im Brandfall im Bahnhof mit ihren Hilfsgeräten gegen einen panikartig flüchtenden Menschenstrom laufen müssten. Die Stuttgarter Berufsfeuerwehr hat dieses Problem gegenüber der Bahn benannt. Inzwischen formuliert sie ihre Kritik vorsichtiger. Man gehe davon aus, „dass schon viele Leute draußen sind, bis wir kommen“, sagt der stellvertretende Branddirektor Stefan Eppinger. Die Forderung nach gefüllten Löschwasserleitungen erhält sie aufrecht. Das sei ein Muss, sagt Keim.

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