Der Boule Club Stuttgart spielt Pétanque, wirft also aus dem Stand. Foto: z/Christian Kunz

Für die Mitglieder des Boule Clubs Stuttgart ist das Spiel mit der Kugel mehr als nur Sporttreiben sondern auch ein Generationen-Austausch.

Möhringen - Man muss schon genau hinsehen, um die Boule-Spieler auf dem Schlossplatz zu erkennen. Immer wieder kreuzen Spaziergänger ihr öffentliches Spielfeld vor dem Café Künstlerbund. Die Spieler stört das nicht. Wenn die Stahlkugeln aufeinandertreffen, klackt es. Doch das Geräusch geht im Parkgeschehen unter.

Jens-Christian Beck ist Vorsitzender des Boule Clubs Stuttgart (BCS): „Es kommt häufig vor, dass uns Leute auf dem Schlossplatz ansprechen. Wir laden sie dann gerne ein, einfach mitzuspielen.“ Mitmachen könne jedermann, das sei das Besondere am Boule. Könner könnten mit Anfängern spielen wie auch Frauen mit Männern oder Jung mit Alt – ohne dass es für eine der beiden Seiten langweilig würde. „Unser jüngstes Vereinsmitglied ist 13 Jahre. Sie spielt auch im Team mit über 60-Jährigen“, sagt Beck. Und er ergänzt: „Das gegnerische Team stellt sich dann einfach entsprechend auf.“ Auf diese Weise entsteht ein Austausch der Generationen. Man unterhält sich auch über viele andere Dinge. „Man erweitert seinen Horizont ungemein“, sagt Beck. Der 36-Jährige zählt sich zu den „mittleren Alten“ des Vereins. Knapp ein Viertel der Mitglieder ist unter 18 Jahren, nur ein Mitglied ist Pensionär.

Den französischen Nationalsport kann man ein Leben lang spielen. Zumindest trifft das auf die am weitesten verbreitete Spielvariante Pétanque zu. Der Name leitet sich vom französischen „pieds tanqués“, zu deutsch „geschlossene Füße“, ab und bezieht sich auf die Abwurfposition. Der Erzählung nach musste 1910 ein älterer Boule-Spieler aufgrund von Rückenproblemen ausscheiden. Es handelte sich um die sportlichere Variante, Boule Lyonnaise, bei der vor dem Wurf Anlauf genommen wird. Um doch spielen zu können, vereinfachte der Mann die Regeln. Seitdem gibt es im Pétanque anstatt des Anlaufens einen Kreis, in dem alle Spieler aus dem Stand oder der Hocke werfen. „Es ist eine simple Spielidee,“ sagt Beck. „Man braucht nur seine drei Kugeln und irgendeine Art von geschotterter Fläche. Das kann auch ein Wald- oder Aschenboden sein.“

Boule ist ein Präzisionssport

Seit Anfang der 60er-Jahre hat sich Pétanque in Deutschland verbreitet. Manchmal treten zwei Spieler gegeneinander an, meist aber sind es zwei gegen zwei oder drei gegen drei. Wer seine Kugel am nächsten zur Zielkugel platziert, gewinnt. Dabei wählt der Spieler zwischen „Legen“, dem Platzieren der Kugel, oder „Schießen“, dem Treffen einer gegnerischen Kugel.

Boule ist ein Präzisionssport. Doch vor dem Wurf bleibt immer Zeit, das Spielfeld in Ruhe zu betrachten. „Man handelt nicht wie in vielen anderen Sportarten automatisch, sondern sehr bewusst“, sagt Beck. Bei jedem Schritt habe man den weiteren Verlauf des Spiels buchstäblich in der eigenen Hand: „Das verlangt Konzentration und mentale Stärke.“

Wie einige andere Mitglieder spielt Beck auf hohem sportlichem Niveau. Vor 19 Jahren hat er zum ersten Mal eine Stahlkugel in der Hand gehalten. Seit einiger Zeit ist er Nationalspieler und nimmt an internationalen Wettkämpfen teil. Als einen besonderen Erfolg sieht Beck die Deutsche Meisterschaft Doublette Mixte 2009, bei der ein Mann und eine Frau gemeinsam antreten. Beck hatte seine Partnerin erst kurz zuvor kennen gelernt. „Obwohl wir zuvor noch nie miteinander gespielt hatten, haben wir den dritten Platz belegt. Darauf sind wir sehr stolz.“ Die soziale Komponente sei unerlässlich: „Man muss seinen Partner unterstützen und dafür sorgen, dass er sich wohlfühlt.“ Als nächste Herausforderung steht im Mai die Deutsche Meisterschaft Doublette an.

Die französische Lebensart im Vordergrund

Der BCS stellt auch eigene Wettbewerbe auf die Beine. Neben dem Grand Prix de Stuttgart, der Winterrangliste oder der Winterliga hat insbesondere das Schlossplatzturnier eine lange Tradition. „Es kommen etwa hundert Dreierteams an den Schlossplatz, darunter auch französische Mannschaften“, sagt Beck. „So erreichen wir ein sehr hohes sportliches Niveau.“

Das Schlossplatzturnier findet jährlich im Rahmen der Französischen Wochen statt. Dabei steht auch die französische Lebensart im Vordergrund. „Generell legen wir Wert auf die kulturelle Seite des Boule“, sagt Beck. „Miteinander eine gute Zeit zu verbringen“, darum gehe es im Boule.

Training: Immer dienstags und donnerstags von 17 Uhr an rollen die Kugeln auf dem Schlossplatz. Im Winter treffen sich die Spieler in der Boule-Halle in Möhringen. Darüber hinaus gibt es Trainingsplätze in Sonnenberg sowie im Boulodrôme in Bad Cannstatt.

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