Das in Feuerbach gefertigte Brennstoffzellen-Antriebssystem wiegt mehr als 500 Kilogramm und nimmt eine Grundfläche von rund 1,5 Quadratmetern ein. Nach Angaben von Bosch ist es das komplexeste System, das der Konzern je entwickelt hat. Foto: Bosch

Die Technologie beschäftigt weltweit 3000 Menschen bei Bosch, von denen die meisten bisher am Verbrennungsmotor arbeiten. Nun stockt der Stuttgarter Konzern seine Investitionspläne um eine Milliarde Euro auf.

Der Stuttgarter Bosch-Konzern sichert durch sein Engagement in der Wasserstoffwirtschaft weltweit mehr als 3000 Arbeitsplätze. Das Gros der Stellen, die bei Bosch den unterschiedlichen Wasserstoff-Technologien gewidmet sind, werde intern besetzt, vor allem mit Beschäftigten aus der Antriebssparte, erklärte das Unternehmen. Vor allem das Werk Feuerbach mit seinem riesigen Dieselbereich hat große Probleme, die Arbeitsplätze angesichts der Transformation zur elektrischen Mobilität zu halten. Der Wasserstoff gilt als Möglichkeit, die Beschäftigung aus den klassischen Verbrennertechnologien in neue Bereiche umzuleiten. Bosch-Chef Stefan Hartung hatte bereits früher erklärt, die wasserstoffbetriebene Brennstoffzelle habe viele Komponenten, die näher am Verbrenner seien als am E-Motor.

 

In Feuerbach hat das Unternehmen jetzt mit der Serienfertigung seines Antriebssystems für Brennstoffzellen im Lkw begonnen. Noch in diesem Quartal will der US-Hersteller Nikola mit einem Brennstoffzellen-Lkw auf den nordamerikanischen Markt kommen, teilte Bosch mit. Das Unternehmen sei entlang der gesamten Wertschöpfungskette aktiv und entwickle Technik für die Erzeugung und Anwendung von Wasserstoff.

Unverzichtbar für Klimaschutz

Bosch hält den Wasserstoff beim Klimaschutz für unverzichtbar. Angesichts dieser Bedeutung hat das Unternehmen seine Investitionen in entsprechende Technologien um zwei Drittel erhöht. Plante man bisher, von 2021 bis 2024 rund 1,5 Milliarden Euro in Wasserstofftechnologien zu stecken, stockt man die Mittel nun auf 2,5 Milliarden Euro auf, allerdings für den Zeitraum bis 2026. Bis 2030 will Bosch mit Wasserstoff-Technologien einen Umsatz von fünf Milliarden Euro erzielen.

Auch wenn Feuerbach ein wichtiger Standort für die Wasserstoff-Aktivitäten des Konzerns ist, setzt Bosch bei dieser Technologie auf einen weltweiten Fertigungsverbund. Das Werk in Bamberg etwa liefert für die Fertigung in Feuerbach den sogenannten Brennstoffzellen-Stack zu – er ist das Herzstück dieser Technologie und besteht aus meist Hunderten von gestapelten Brennstoffzellen, in denen die chemische Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff stattfindet. Bei dieser entsteht der Strom, der dann zum Beispiel für den elektrischen Antrieb genutzt wird.

Aus dem Werk Homburg, das ebenfalls Beschäftigungsprobleme hat, kommt unter anderem der elektrische Luftkompressor. Überdies startet Bosch parallel zu Feuerbach eine weitere Fertigung für das Brennstoffzellen-Antriebssystem im chinesischen Chongqing. Stacks für mobile Anwendungen will das Unternehmen außerdem in seinem Werk in Anderson im US Bundesstaat South Carolina fertigen.

Forderungen an die Politik

Ähnlich wie bei der batterieelektrischen Mobilität, die durch den schleppenden Ausbau des Ladenetzes ausgebremst werden könnte, fordert Bosch auch beim Wasserstoff Unterstützung durch die Politik ein. Vor allem Europa müsse weit mehr tun als bisher, erklärte Konzernchef Stefan Hartung. Wichtig sei unter anderem, dass in Europa schnell die Infrastruktur für die Verteilung von Wasserstoff entsteht.

Das Bundeskabinett will sich noch im Juli mit der neuen nationalen Wasserstoffstrategie befassen. Wasserstoff soll demnach sowohl in Industrie und Verkehr als auch beim Heizen eine wichtige Rolle spielen, beim Heizen allerdings nur eine nachrangige. Hier setzt die Bundesregierung offenbar nach wie vor auf die Wärmepumpe. Ein 11 200 Kilometer langes Transportnetz, für das auch heutige Gasleitungen genutzt werden, soll dafür sorgen, dass das Gas innerhalb Deutschlands über große Strecken transportiert werden kann.

Seine besondere Stärke im Wettbewerb sieht Bosch in der Verbindung aus Forschung und Produktion. „Wir verfügen nicht nur über das benötigte System-Know-how, sondern auch über die Fähigkeit, neue Entwicklungen schnell in großen Serien zu skalieren“, sagt Geschäftsführer Markus Heyn.