Bosch-Chef Volkmar Denner: Seine Strategie, Bosch auf das Internet der Dinge auszurichten, trägt Früchte. Foto: dpa

Kaum ein Unternehmen ist bei der Digitalisierung der realen Welt schon so weit vorangekommen wie der Stuttgarter Bosch-Konzern. Das Unternehmen steht in einer 130-jährigen Tradition, versteht diese aber nicht als Korsett.

Stuttgart - Ein neuer alter Trend geht um in der Industrie: die Konzentration aufs Kerngeschäft. Die Ausrichtung auf ein eng definiertes Geschäft war schon einmal ein Megatrend, bis man in der Finanzkrise feststellte, dass es recht unangenehm sein kann, ein Erdbeben auf einem Bein auszuhalten. Nun aber, da die Konjunktur seit Jahren brummt, verstärkt sich der Trend in Richtung Aufspaltung wieder.

Daimler zerlegt sich selbst in drei rechtlich selbstständige Teile; Siemens bringt demnächst sein 40 Milliarden Euro schweres Medizintechnik-Geschäft an die Börse, und Volkswagen gliedert seine riesigen Komponentenwerke aus. Von den Energiekonzernen RWE und Eon, die sich jeweils in zwei getrennte Teile zerlegten, ganz zu schweigen.

Ein roter Faden zieht sich durch den Konzern

Auch Bosch hat sich in letzter Zeit teilweise rechtlich aufgespalten und zudem die Sparte Starter und Generatoren verkauft. Dennoch hat der Konzern entgegen dem Mantra der Fokussierung ein riesiges Produktspektrum, das vom Rasenmäher bis zur Waschmaschine, vom Elektrofahrrad bis zum Fahrer-Assistenzsystem und zu digitalen Technologien reicht.

Auf den ersten Blick ist Bosch damit ein Gemischtwarenladen. Beim zweiten Blick aber wird sichtbar, dass sich durch das Unternehmen immer mehr rote Fäden ziehen, die die Geschäftsbereiche miteinander verbinden. Die zunächst ungläubig aufgenommene Strategie von Konzernchef Volkmar Denner, Bosch auf das Internet der Dinge auszurichten, trägt Früchte. Ob autonomes Auto, Haushaltsgeräte oder Parkplätze – je mehr Dinge aus der realen Welt ein Unternehmen sinnvoll miteinander verbinden kann, desto eher wird es selbst zum Teil der digitalen Welt. Bosch ergreift damit die größte und wohl auch einzige Chance, die die deutsche Industrie gegen US-Technologiegiganten wie Google und Facebook besitzt: die digitale Vernetzung der realen Welt.

In Zeiten, da sich andere Unternehmen noch aufs digitale Zeitalter vorbereiten, macht Bosch damit bereits Kasse. Die Rekordzahlen des vergangenen Jahres sind bei Weitem nicht allein durch die Konjunktur zu erklären – ansonsten wäre das Autogeschäft von Bosch wohl kaum dreimal so schnell gewachsen wie die weltweite Autoproduktion. Das Traditionsunternehmen steht beim Technologiewandel ganz weit vorn. Die Tradition ist für Bosch offenbar kein Korsett, sondern eher der feste Boden, auf dem man schneller vorankommt als viele andere.

klaus.koester@stuttgarter-nachrichten.de

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