Boris Palmer hat sich zu einem Gespräch mit GDL-Vertretern getroffen. Foto: dpa/Bernd Weißbrod

Der Tübinger OB Boris Palmer hat kein Verständnis für den Sechs-Tage-Streik der GDL – und macht seinem Ärger öffentlich Luft. Dann suchen GDL-Vertreter das Gespräch.

Boris Palmer und die GDL – das Verhältnis zwischen dem Tübinger Rathauschef und der Gewerkschaft der Lokführer ist spätestens seit Palmers öffentlicher Forderung nach einer Abschaffung der GDL angespannt. „Das ist bei unseren Mitgliedern extrem negativ angekommen. Darf man als Politiker überhaupt so sprechen?“, fragt die Vorsitzende der Tübinger GDL-Ortsgruppe, Imke Hartwig.

 

In einem offenen Brief an Palmer machte ein Lokführer aus Sachsen deutlich: Dass hierzulande überhaupt noch Züge auf den Schienen unterwegs seien, dafür sorgten Lokführer und Zugbegleiter. Der Tübinger OB solle sich beim nächsten Streikposten besser über die Lage und Probleme informieren.

GDL-Vertreter suchen das Gespräch mit Boris Palmer

Doch am vergangenen Montag legte Palmer mit Blick auf den an diesem Mittwoch startenden Sechs-Tage-Streik nach: „Die GDL braucht Widerspruch. Für diesen Streik kann es kein Verständnis geben“, schrieb der Ex-Grüne auf seiner Facebook-Seite. Palmer richtete sich auch direkt an den GDL-Chef: „Herr Weselsky hat nur ein Ziel: Machtmaximierung“, schreibt der Tübinger OB und vergleicht den Streik mit einer Nero-Strategie: „Soll Rom doch niederbrennen, solange der Gewerkschaftskaiser seinen Willen hat, ist alles bestens.“

Ein paar Stunden nach diesem Beitrag suchten GDL-Vertreter aus Tübingen das Gespräch mit dem OB. „Wir haben uns ausgetauscht und hoffen, dass wir Verständnis erzeugen konnten“, sagt Hartwig. Viel Hoffnung ist in ihrer Stimme jedoch nicht zu hören, Palmer halte die Forderungen der GDL für überzogen: „Wir sind aber auch nicht mit der Erwartung in das Gespräch gegangen, dass er eine 180-Grad-Wendung vollzieht“, sagt sie. In einem seien sich Palmer und GDL aber einig gewesen: „Wir wollen eine Eisenbahn, die funktioniert.“

Palmer: Drei Stunden weniger Arbeit bei vollem Lohnausgleich sei „weltfremd“

Die GDL reagiert mit dem Streik bis Montagabend auf das jüngste Angebot der Deutschen Bahn, das laut der Gewerkschaft nicht ausreichend auf die Forderungen der Lokführer eingeht. Weselsky und Co. fordern eine Verringerung der Wochenarbeitszeit für Schichtarbeiter von 38 auf 35 Stunden – bei gleichbleibendem Lohn. Die Bahn hatte am vergangenen Freitag eine optionale Absenkung auf 37 Stunden vorgeschlagen. Wer sich dagegen entscheidet, bekäme stattdessen 2,7 Prozent mehr Geld. Die Gewerkschaft sieht darin jedoch keine Verhandlungsgrundlage.

Palmer argumentiert: „Wir sind schon weltweit das Land mit der geringsten Jahresarbeitszeit.“ Dass die GDL nun drei Stunden weniger Arbeit bei vollem Lohnausgleich fordere, sei „weltfremd“. Der Lokführer entgegnet in dem offenen Brief an den Tübinger OB: „Für die heutige Generation sind unsere Berufe mit unregelmäßigem Schichtdienst, Dienstbeginn und Dienstende zu jeder Uhrzeit und dies täglich wechselnd sowie 24/7/365 dermaßen unattraktiv, dass es schon jetzt kaum möglich ist, die entstehenden Lücken beim Personal zu füllen.“ Man streike, weil man dringend Verbesserungen in den Berufsfeldern benötige.