Seit mehr als sechs Jahren ist das Schulgebäude leer: Die Stadt Böblingen will mit Sindelfingen über das Ende des Schulverbands Rappenbaum verhandeln. Offen bleibt, was das für das kleine Schwimmbad bedeutet, das nach wie vor betrieben wird, und in dem vor allem Grundschüler das Schwimmen lernen.
Der Streit zwischen Böblingen und Sindelfingen über den Schulverband Rappenbaum schwelt weiter. Nachdem der Sindelfinger Gemeinderat im vergangenen Winter beschlossen hat, Verhandlungen über die Auflösung des Verbands aufzunehmen, zieht Böblingen jetzt nach. „Das Thema Schulverband befindet sich in einem Schwebezustand, den wir so nicht fortsetzen wollen“, sagte Tobias Heizmann, Erster Bürgermeister in Böblingen. „Wir wollen Ruhe und Klarheit herstellen.“ Die nötige Zustimmung, um über ein Ende des Verbands zu reden, hat sich die Stadt am Dienstagabend vom Gemeinderat geholt. Dabei wird deutlich, wo die Böblinger das Problem sehen. Übrigens: Diesen Donnerstag will Sindelfingen seine Sicht zum Thema vorstellen.
Die Böblinger Stadträte wählten am Dienstag teils deutliche Worte. „Mit der aktuellen Verwaltung in Sindelfingen geht das so nicht“, meinte Tim Göhner (Grüne). „Genug ist genug“, befand Florian Wahl (SPD). Und Thorsten Breitfeld (CDU) konstatierte: „Wir haben hier zwei Verwaltungen, die kreisen umeinander und finden keine Lösung. Dieser Tatsache muss man ins Auge sehen und aussteigen.“ Er forderte, dass der Schulverband unverzüglich eine Sitzung einberuft und über die Auflösung diskutiert.
Zukunft Rappenbaumbad ungewiss
Der Schulverband Rappenbaum wurde 1969 für den Betrieb einer gemeinsamen Schule, einer Mehrzweckhalle und eines Schwimmbads auf dem Rappenbaumareal zwischen dem Sindelfinger Teilort Darmsheim und dem Böblinger Teilort Dagersheim gegründet. Das Schulgebäude steht seit 2017 leer, Halle und Bad werden genutzt. Was damit bei einer Auflösung passieren würde, ist unklar. Daher wurde die Böblinger Verwaltung vom Gemeinderat beauftrag, dafür zu sorgen, Schwimm- und Sportmöglichkeiten in Dagersheim zu sichern. Außerdem nahm der Gemeinderat zur Kenntnis, dass in Dagersheim grundsätzlich der Wunsch nach einer weiterführenden Schule besteht. Auf diesen Zusatz hatte der Ortschaftsrat in einer Sondersitzung bestanden, in der er sich einstimmig für Gespräche über eine Auflösung aussprach.
Seit 2022 hat der Zweckverband nicht mehr getagt, wie Heizmann bei einem Pressegespräch vor der Gemeinderatssitzung berichtete. Dabei wäre das längst überfällig und dringend nötig. So verpassten die Städte die Chance auf 3,15 Millionen Euro Förderung für die Sanierung des maroden Rappenbaumbads, weil der Verband keinen Haushalt beschloss. Das Bad dient vor allem Grundschülern dazu, Schwimmen zu lernen und wird von Vereinen wie dem TSV Dagersheim genutzt.
Dieses Jahr musste bereits der Schwippepokal abgesagt werden, weil die veraltete Filteranlage die Menschenmenge nicht bewältigt hätte. Und noch eine Frage drängt: Wer leitet das Bad ab Januar 2025? Betriebsleiter Uwe Ozimek hat extra seinen Dienst verlängert, um das Bad offen zu halten. Doch zum Jahresende hört er endgültig auf. Wer auf ihn folgt, ist ungewiss. In Böblingen sucht man nach Lösungen, sollte das Bad schließen und damit ein Drittel der Schwimmfläche im Stadtgebiet wegfallen. „Wir sind im Austausch mit den Stadtwerken, die das Bad in der Schönaicher Straße betreuen“, sagt Anja Beck, Leiterin des Amts für Jugend, Schule und Sport. Allerdings sei klar, dass die Kapazitäten nicht ausreichten, um alles von Dagersheim nach Böblingen zu verlagern.
Zwist über Neubau einer Grundschule auf Rappenbaumareal
Doch warum liegen die Dinge zwischen den Städten überhaupt derart im Argen? Ein Faktor scheint die Meinungsverschiedenheit über den Neubau einer Grundschule auf dem Rappenbaumareal zu sein. Sindelfingen will eine gemeinsame Grundschule mit Böblingen in Trägerschaft des Zweckverbands. Das möchte Dagersheim nicht, weil seine Grundschule bei einer Zusammenlegung der Schulbezirke und dem Neubau überflüssig werden könnte. „Die Grundschule ist identitätsstiftend für den Ort“, erklärte Ortsvorsteher Hendrik Queck beim Pressegespräch. Außerdem stehe das Gebäude unter Denkmalschutz, und es sei vermutlich schwierig eine alternative Nutzung zu finden. Heizmann meinte, dass sich Böblingen nicht grundsätzlich gegen den Neubau einer Grundschule auf dem Gelände ausgesprochen habe. „Gerne darf Darmsheim auf dem Rappenbaumareal eine Grundschule bauen, aber nur, wenn sie von Sindelfingen betrieben und errichtet wird.“
Das kam in Sindelfingen offenbar nicht gut an. In der Sitzungsvorlage vom Dezember heißt es, die Verwaltung sei über diese Haltung enttäuscht. Die Folge: Sindelfingen will einen „Schul- und Sportcampus Darmsheim“ bestehend aus einer Grundschule, einem Lehrschwimmbecken und einer Sporthalle südlich des Gewerbegebiets Bühl bauen. Nur wenige 100 Meter vom Rappenbaumgelände entfernt. In der gleichen Sitzung beauftragte das Sindelfinger Gremium , die Verwaltung die Auflösung des Schulverbands zu verfolgen. Ob die jüngste Entscheidung im Böblinger Gemeinderat dazu führt, dass der Verband zeitnah zusammenkommt, bleibt abzuwarten. Heizmann: „Ein Zweckverband braucht immer zwei Seiten, die aufeinander zugehen und auch bei einer Auflösung gilt, dass sich beide einig sein müssen.“
Abriss altes Schulgebäude und Sichtweise Sindelfingens
Abriss altes Schulgebäude
Ursprünglich war offenbar eine Sitzung des Verbands Anfang April geplant, bei der der Verbandsvorsitzende, aktuell Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz, gewählt, der Haushalt 2024 beschlossen und über den Abriss des alten Schulgebäudes entschieden werden sollte. Ein Abriss war bereits im Jahr 2021 diskutiert worden, für Kosten in Höhe von 600 000 Euro. „Das Gebäude sollte schnellstmöglich weg“, findet der Dagersheimer Ortsvorsteher Hendrik Queck. Das leere Schulhaus lade zum Vandalismus ein und weil sich darin Fledermäuse angesiedelt haben, bleibe für den Abriss nur ein enges Zeitfenster im Winter. Doch die Sitzung im April kam laut Heizmann nicht zustande, weil Sindelfingen erst wieder eine einberufen möchte, wenn Böblingen einen Fragenkatalog zur Ausrichtung des Verbands beantwortet hat. Man sei gerade dabei, diesen Katalog zu bearbeiten. Noch offen ist, wie sich die aktuelle Entscheidung des Böblinger Gemeinderats, auf die Terminfindung auswirkt.
Sindelfingen
Die Stadt Sindelfingen will am Donnerstag bei einem Pressegespräch ihre Sichtweise der aktuellen Situation präsentieren.