Die Baustelle in der Eugen-Bolz-Straße sorgte im Herbst 2017 für Unmut. Foto: factum/Granville

Die Stadtwerke Böblingen wollen 2019 keine neuen Straßenbaustellen aufmachen, weil in der Stadt schon genug Stau herrscht. Doch das sind nicht die einzigen guten Neuigkeiten für die Einwohner.

Böblingen - Aller guten Dinge sind bekanntermaßen drei. Daran halten sich auch die Stadtwerke Böblingen (SWBB). Fürs neue Jahr verkündet der städtische Tochterbetrieb gleich drei gute Nachrichten: Erstens sollen 2019 keine neuen Straßenbaustellen aufgemacht werden, weil in der Stadt schon genug Stau herrscht. Zweitens bleibt der Wasserpreis stabil. Drittens erhalten Fernwärme-Kunden auf ihrer Jahresrechnung eine Gutschrift. Das Geld stammt aus der rückwirkend von Stadtverwaltung und Gemeinderat gesenkten Konzessionsabgabe, die für den Versorger nun geringer ausfällt. Mitte Februar beginnt außerdem das Mediationsverfahren zwischen der Stadtverwaltung, den Stadtwerken und der Interessengemeinschaft Fernwärme. Damit soll der Konflikt über die in den vergangenen fünf Jahren erfolgten, zum Teil drastischen Preiserhöhungen beigelegt werden.

Im Prinzip haben die Stadtwerke auch gar kein Geld für neue Baustellen. Für drei Großprojekte und ein paar kleinere sind im vergangenen Jahr 17 Millionen Euro ausgegeben worden. Dazu zählt der Bau einer Transportleitung für Fernwärme ins Industriegebiet Hulb und von zwei Blockheizkraftwerken. Außerdem wurden 2,5 Millionen Euro in den Ausbau des Stromnetzes auf dem Flugfeld investiert und für 1,7 Millionen Euro das Hallenbad saniert.

Ausbau des Fernwärmenetzes wird erst einmal hintan gestellt

„Weitere große Maßnahmen sind 2019 nicht vorgesehen“, sagt der Geschäftsführer Gerd Hertle über den jetzt eingeschlagenen Konsolidierungskurs. Bis auf nicht vorhersehbare Reparaturen an Leitungen oder für Hausanschlüssen wird es deshalb keine Baustellen geben, der weitere Ausbau des Fernwärmenetzes wird erst einmal hintan gestellt. „Wir wissen, dass die Verkehrssituation in diesem Jahr in Böblingen recht schwierig ist“, sagt Alfred Kappenstein, der ebenfalls Geschäftsführer ist.

Beim Wasserpreis lautet die frohe Botschaft, dass er auch im siebten Jahr nicht erhöht wird. Er bleibt bei 2,57 Euro pro Kubikmeter. Anders als andere Anbieter würden die SWBB den vom Land Baden-Württemberg eingeführten Wasserpfennig nicht direkt an die Kunden weitergeben, erklärt Jan Kohlmeyer, der Leiter für Vertrieb und Unternehmensentwicklung. „Beim Wasserpreis liegen wir im guten Mittelfeld“, zieht er den Vergleich. Bei der Fernwärme gibt es für die SWBB-Kunden in diesem Jahr immerhin eine Rückzahlung. Eine ­Familie, die über rund 100 Quadratmeter Wohnfläche verfügt und rund zehn Megawattstunden im Jahr verbraucht hat, kann mit rund 85 Euro rechnen. Die jeweilige Summe wird den Kunden von der Jahresendabrechnung abgezogen.

Mediationsverfahren sieht die IG Fernwärme skeptisch

„Es ist ein Anfang, aber es ist noch lange nicht das Ende der Geschichte“, sagt Peter Aue von der IG Fernwärme. Dass die Stadt und die Stadtwerke seiner Ansicht nach die Senkung der Konzessionsabgabe als freiwillige Leistung darstellen, sieht er kritisch. Denn sie sei auf Druck der Landeskartellbehörde für Energie und Wasser erfolgt, die von der Bürgerinitiative eingeschaltet worden war. Hätte Böblingen das Gestattungsentgelt nicht angepasst, wäre ein förmliches Verfahren eingeleitet worden, erklärt Peter Aue. In der Stadt habe es nämlich unterschiedlich hohe Konzessionsabgaben gegeben: Im Satzungsgebiet, wo die Kunden den Anbieter nicht wechseln können, mussten die SWBB fast zehn Mal so viel für das Recht bezahlen, die Straßen aufgraben zu dürfen, wie beim Bahnhof oder auf dem Flugfeld.

Dem Mediationsverfahren steht die IG Fernwärme skeptisch gegenüber. „Wir sind nicht überzeugt, dass es die Lösung des Problems ist“, sagt Peter Aue. Seiner Meinung nach muss die Stadt einfach den richtigen Kurs des Unternehmens vorgeben. Trotzdem gehen die Vertreter der IG Fernwärme „offen und konstruktiv“ in die Gespräche. Das Gleiche ist auch von Seiten der SWBB zu hören: „Wir stehen dem Verfahren interessiert und offen gegenüber.“

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