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Olaf Scholz will gegen Entlassung klagen – OB von Böblingen und Sindelfingen suchen neue Strategie.

Böblingen/Sindelfingen - Die Oberbürgermeister der Städte Böblingen und Sindelfingen haben dem Geschäftsführer des Zweckverbands Flugfeld fristlos gekündigt. Der geschasste Flugfeld-Chef Olaf Scholz will sich dagegen wehren. „Ich bereite mit meinem Anwalt eine Klage vor“, sagte der 62-Jährige am Donnerstag unserer Zeitung.

Es ist der Tag, an dem Böblinger und Sindelfinger Stadträte das Aus für Scholz besiegeln. Am Nachmittag tagt die Versammlung des von beiden Kommunen gehaltenen Verbands. Am Abend steht fest, dass die Stadträte in der nichtöffentlichen Sitzung die fristlose Kündigung bestätigt haben. Scholz wurde nicht mehr angehört. „Ich habe aus der Zeitung von dem Termin erfahren und mich gewundert, dass ich nichts davon weiß und meine Sicht der Dinge nicht darstellen darf.“ Um die Personalie Scholz noch vor Ostern abzuwickeln, hatten die Oberbürgermeister Wolfgang Lützner (Böblingen) und Bernd Vöhringer (Sindelfingen) die für Donnerstag geplante Debatte über die Vorstudie zur Fusion der Nachbarstädte abgesagt.

Zu den Gründen für die Trennung mit sofortiger Wirkung äußern sich Lützner, zurzeit Verbandsvorsitzender, und Vöhringer nicht. Zu Personalsachen dürften sie nichts sagen. „Ich bin sein Chef und habe eine Fürsorgepflicht“, sagt Lützner. Doch beide Stadtchefs betonen, dass die „strategischen Weichen“ für das 80 Hektar große Wohn- und Gewerbegebiet neu gestellt werden sollen. „Der Schwerpunkt ist „Vertrieb und Marketing im gewerblichen Bereich“, so Lützner.

An der Vermarktungsstrategie hatte sich kürzlich eine Auseinandersetzung zwischen Scholz und den Oberbürgermeistern entzündet. Auf dem Flugfeld boomt der Wohnungsmarkt, doch Firmen lassen auf sich warten. Die Stadtchefs erhoffen sich von einem neuen Geschäftsführer offenbar mehr Erfolg.

Lützner und Vöhringer betonen, dass Scholz über Jahre hinweg „eine große Aufbauarbeit“ geleistet hat. „Wir danken für die engagierte Arbeit und wünschen ihm für die berufliche und private Zukunft alles Gute.“

Scholz wird damit nicht zufrieden sein. „Ich möchte den Job weitermachen“, sagt er unserer Zeitung. „Wenn das nicht möglich ist, möchte ich einen fairen Abschied.“ Scholz sieht seinen guten Ruf in der Branche beschädigt. Und er sagt, er habe seit einem Jahr ein Ansiedlungskonzept in der Schublade, doch die Stadtchefs hätten ihm nicht erlaubt, es den Stadträten vorzustellen. Scholz will gegen die Entlassung klagen. Die Oberbürgermeister wollen eine juristische Auseinandersetzung noch vermeiden: „Wir sind an einer einvernehmlichen Regelung stark interessiert und arbeiten daran“, so Vöhringer.

Das Flugfeld ist die größte Entwicklungsfläche in der Region nach dem Stuttgart-21-Areal. Scholz ist seit 2002 und damit von Anfang an Geschäftsführer des Verbands, der das Gelände erschlossen hat und vermarktet. Mitte 2008 wurde mit dem Erlebnispark Sensapolis das erste gewerbliche Gebäude eröffnet. Im Frühjahr 2009 waren die ersten Wohnungen fertig. Das Ziel sind rund 5000 Arbeitsplätze und 4000 Einwohner.

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