Beim Christopher Street Day wird jedes Jahr die queere Community gefeiert und für deren Rechte demonstriert. Foto: dpa/Jens Büttner

Der Verein für Jugendhilfe im Landkreis Böblingen bietet seit diesem Jahr Beratungen für queere Menschen an. Auch Fachkräfte können sich in Workshops den Themen rund um LSBTTIQ+ annähern.

Der Verein für Jugendhilfe in Böblingen bietet seit kurzer Zeit im Rahmen des Projekts „Queer sind stark – Queere Vielfalt in Böblingen stärken“, Beratungen für queere Menschen an. Auch Fachkräfte können sich für LSBTTIQ+ Themen (lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell, transgender, intersexuell und queer) in Workshops, die von Experten ausgerichtet werden, sensibilisieren. „Es gibt nur wenige ortsnahe Angebote für queere Jugendliche hier in Böblingen“, sagt Projektleiter Illari Antonio Wolf. Mit ihrem Angebot will der Verein vor allem für Sichtbarkeit sorgen und der queeren Community Ansprechpersonen für ihre Anliegen geben.

 

Immer mehr Jugendhäuser wollen Anlaufstellen schaffen

In den letzten Jahren haben sich die Jugendhäuser im Kreis Böblingen immer mehr darum bemüht, vor allem für junge, queere Personen mehr Anlaufstellen zu schaffen: In Darmsheim gibt es im Jugendtreff „geko“ eine Queer Time, in der sich Jugendliche alle vier Wochen austauschen können, ebenso bietet das Jugendzentrum „casa nostra“ in Böblingen in ihrem „Queer Space“ einmal im Monat einen Treffpunkt für queere Menschen an. Und auch in Herrenberg können junge Leute im Queer-Treff zusammenkommen. Nun folgt auch der Verein für Jugendhilfe mit dem Versuch, Jugendlichen mehr Möglichkeit zu geben, sich in sicherer Umgebung auszutauschen.

Im Februar sind die Beratungen gestartet. Bis jetzt ist die Nachfrage noch gering, doch Illari Antonio Wolf hofft, dass das Angebot mit wegfallender Anmeldung ab April von den Jugendlichen mehr wahrgenommen wird. An diesem Freitag, 31. März, steht bereits der nächste Beratungstermin mit Experten des Frauenberatungs- und Therapiezentrums Stuttgart „fetz“ an. Die Gespräche werden immer von sogenannten „peers“ durchgeführt. Das sind Menschen, die oftmals ähnliche Erfahrungen gemacht haben wie die Rat suchenden Personen und in vergleichbaren Lebenssituationen sind. Weitere kooperierende Fachstellen sind Weissenburg – Zentrum LSBTTIQ Stuttgart, tgbw – Türkische Gemeinde e.V., Netzwerk LSBTTIQ und Antihelden.

Neben den Beratungen bietet die Jugendhilfe auch Workshops für Fachkräfte an, in denen die Teilnehmenden für LSBTTIQ+ Themen sensibilisiert werden. Einige Fachkräfte kennen sich schon gut aus und kommen mit spezifischen Fragen in die Workshops, anderen wird Grundwissen vermittelt, erzählt Illari Antonio Wolf. Die Workshops bieten einen Ort, um über eigene Privilegien zu reflektieren und möglichen Diskriminierungen vorzubeugen. Damit will die Jugendhilfe einen Beitrag dazu leisten, Empathie und eine Wissensgrundlage zu schaffen. Denn von queeren Jugendlichen bekam er in einer Umfrage zurückgespiegelt, dass viele das Gefühl haben, dass älteren Personen Wissen zu dem Thema fehlt.

Fachkräfte wollen sich landkreisweit vernetzen

Zusammen mit Verantwortlichen in anderen Orten im Kreis Böblingen hat sich Illari Antonio Wolf vor kurzem getroffen, um über die Angebote für queere Jugendliche im Kreis zu sprechen. „Eine landkreisweite Vernetzung wäre toll“, sagt der Projektleiter. In Zukunft wollen die Fachkräfte in der Jugendarbeit in Kontakt bleiben, um passgenaue Angebote für die queere Jugend im Kreis zu organisieren.

Gefördert wird das Böblinger Projekt durch das Förderprogramm „Demokratie leben!“ vom Bundesfamilienministerium, das Regionale Demokratiezentrum Böblingen, die Bürgerstiftung Böblingen und das Landratsamt mit dem Integrationsfonds „Vielfalt ist unserer Stärke“. Die Workshops und Beratungsangebote sind Teil der zahlreichen Veranstaltungen im Rahmen der momentan stattfindenden landkreisweiten internationalen Aktionswochen gegen Rassismus.

Doch auch nach den zweiwöchigen Aktionswochen läuft das Angebot des Vereins für Jugendhilfe weiter. Ein Jahr lang wird das Projekt zunächst gefördert, dann muss Illari Antonio Wolf Bilanz ziehen. Deshalb hofft der Projektleiter, dass die Beratungen von den Jugendlichen angenommen werden.

Der nächste Workshop für Fachkräfte ist am Donnerstag, 20. April, von 14 bis 17 Uhr. An diesem Termin wird über LSBTTIQ+ in der Schule gesprochen. Anmeldungen bei Illari Antonio Wolf, a.wolf@vfj-bb.de, Telefon 01 63 /8 98 90 07.