Erste Arbeiten haben bereits begonnen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Für etwa 850 000 Euro baut die Stadt Stuttgart bis zum Sommer 2017 auf dem Gelände des VfR Cannstatt Deutschlands ersten weltcuptauglichen Parcours für BMX-Fahrer.

Stuttgart - Der Sport ist rasant, jung, olympisch, im Trend und vom kommenden Sommer an in Stuttgart ganz groß: Auf einem stillgelegten Fußballplatz auf dem Gelände des VfR Cannstatt im Stadtteil Münster will die Stadt einen Supercross-Parcours für BMX-Radler bauen. Die Baufreigabe ist erteilt, erste Arbeiten haben bereits begonnen. Dabei wurden 8000 Kubikmeter Erde auf dem Tennenplatz an der Burgholzstraße ausgebracht. „Das Material muss sich jetzt verdichten und ist dann die Basis für die Verankerung der Stützen für die Steilkurven“, sagt dazu Günther Kuhnigk. Der Leiter des Sportamts geht davon aus, dass die Strecke Mitte 2017 fertig sein wird. „Im Moment läuft noch die Ausschreibung“, erklärt Kuhnigk, „aber ich denke, dass wir im kommenden Frühjahr dann zügig bauen können.“

Von null auf 60 in zwei Sekunden

Hinter BMX verbirgt sich eine Sporart, bei der sich die Athleten auf relativ kleinen Velos von einem Startturm aus in eine wellige Piste mit Sprüngen und Steilkurven stürzen. Auf der Stuttgarter Strecke könnten künftig auch Weltcuprennen in der noch jungen Sportart ausgetragen werden. Und das ist einmalig in Deutschland, so eine Bahn gibt es sonst nirgends. Geplant ist eine acht Meter hohe Startrampe, die die Radler in zwei Sekunden auf Tempo 60 beschleunigt und sie dann auf die etwa 450 Meter lange Strecke ausspuckt. Danach hetzen die Athleten auf ihren Rädern über drei Steilkurven, vier Geraden und etlichen Wellen und Sprüngen bis ins Ziel. BMX ist seit Peking 2008 olympische Disziplin, Luis Brethauer vertrat in London 2012 und Rio 2016 die deutschen Farben.

Auch der Reutlinger freut sich über Deutschlands erste international wettbewerbsfähige Anlage. „Es ist für unseren Sport sehr gut, dass die Bahn gebaut wird“, sagt der 24-jährige BMX-Profi, der allerdings 2015 wegen besserer Trainingsbedingungen nach Berlin gezogen ist und national für das Team Cottbus startet. Thomas Grimminger, der Leiter des Olympiastützpunktes Stuttgart (OSP), der Brethauer seit Jahren kennt, sieht das aber nicht in Stein gemeißelt. „Wenn die Bahn hier erst einmal fertig ist, sieht man weiter“, sagt er. Zumal in Stuttgart dann auch der Perspektivkader für die nächsten Olympischen Spiele 2020 in Tokio trainieren wird und auch Bundestrainer Simon Schirle am OSP arbeitet.

Eine große Chance für die hiesige BMX-Szene

Fertig soll die Strecke im Sommer 2017 werden, die Kosten werden etwa 850 000 Euro betragen und von der Stadt, vom Land und vom Bund zu jeweils rund einem Drittel getragen. Betrieben werden soll der Parcours von der BMX Union Stuttgart, in der sich 14 Vereine mit BMX-Abteilungen und etwa 100 Einzelmitglieder versammelt haben. Uwe Skrzypek, der Vorsitzende der BMX Union und der Leistungssportkoordinator im Württembergischen Radsportverband verspricht sich davon eine große Chance vor allem auch für die hiesige Szene, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. „Wir machen hier seit Jahren Breiten- und Spitzensport ohne Geld und freuen uns sehr auf die neue Anlage“, sagt er.

Wenn die Bahn fertig ist, hat sich die Stadt damit wieder ein Stück Radsport zurückgeholt. Nach dem Aus der Radrennbahn in der Schleyerhalle, auf der bis zu ihrer Überbauung 2005 nicht nur Sechstagerennen sondern auch zwei Weltmeisterschaften ausgefahren wurden, hat der Sport künftig wieder mehr Raum. „Diese Bahn ist auch ein Signal, dass sich Stuttgart auch in jungen Sportarten stark präsentieren will“, sagt Günther Kuhnigk. Auf der Strecke sollen dann hauptsächlich Kaderathleten und Nachwuchsfahrer trainieren können. Bis zu einem Wettbewerb der internationalen Elite werden aber sicher noch einige Jahre ins Land gehen, „da so eine Bahn über die Zeit ja noch vom Profil her optimiert wird“, wie Uwe Skrzypek erklärt.

Auch ein neues Winterquartier ist gefunden

Stuttgart wird also eine BMX-Hochburg, zumal auch ein weiteres Problem der jungen Sportart zumindest für die kommenden zwei Jahre vom Tisch ist. Stuttgart hat nämlich seit 2010 auch ein BMX-Winterquartier. Im Untergeschoss einer ausrangierten Lagerhalle im Neckarpark wird eine mit viel Eigenleistung der Szene entstandene Indoor-Trainingsstätte angeboten, in der etwa 250 Sportler trainieren. Die Szene nennt das Quartier „das Loch“, das aber Ende 2016 geschlossen wird, da die Halle komplett abgerissen wird. Es wurde jetzt aber ganz in der Nähe ein neues Übergangs-Domizil gefunden. „Das ist zwar nur ein Notnagel“, sagt Skrzypek, „aber natürlich besser als nichts.“ Und wenn es wieder wärmer wird, soll die neue Strecke in Münster fertig sein.

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