Nikolai Worms stellt auf seinem Blog das Mittagessen-Angebot im Süden zusammen. Foto: Nina Ayerle

Nikolai Worms betreibt den Blog http://apfelbrot.wordpress.com/. Täglich veröffentlicht er dort das Mittagessen-Angebot rund um das Heusteigviertel. Fast Food-Ausreden zählen also nicht mehr.

Heusteigviertel - Döner, Asiate, Pizza – wer nicht gerade dort arbeitet, wo es eine Betriebskantine gibt, kennt das Thema unter den Kollegen? „Wo gehen wir zum Mittagessen hin?“ Auch Nikolai Worms war diese tägliche Frage bekannt, während er ein Volontariat bei einem Stadtmagazin im Heusteigviertel gemacht hat. Jeden Tag habe es die gleiche Diskussion gegeben und deshalb auch immer wieder die gleichen Gerichte. „Immer fällt einem nur das Restaurant ein, wo man gestern war“, sagt der 31-jährige Wahl-Stuttgarter. Eine Übersicht mit allen Mittagstischen im Stadtteil wäre sinnvoll, dachte er. „Damals haben wir gelacht und gesagt, dass könnte mal ein Praktikant machen“, erzählt Worms. Dazu ist es allerdings nie gekommen.

Kurzerhand hat der Journalist die Sache selbst in die Hand genommen. Mit seinem Blog „Das Apfelbrot“ informiert er täglich über das mittägliche Angebot im Heusteigviertel. Anfangs hat er sich die Tageskarten der Restaurants und Cafés selbst zusammengesucht und sich auf den Internetseiten und in den Newslettern der Gastronomen informiert. Doch viele Gastwirte schreiben ihren Mittagstisch nur auf die Tafel vor der Tür. „Ich schaffe es nicht, dass alles abzuklappern“, sagt Worms, der in Teilzeit im öffentlichen Dienst arbeitet und darüber hinaus als freier Journalist tätig ist.

Viele Gastwirte schicken ihm inzwischen selbst ihre Karten

Doch mit der steigenden Bekanntheit seines Blogs hat sich dieses Problem erledigt. „Einige Gastwirte habe ich soweit, dass sie mir ihre Karten zuschicken“, sagt Worms. Und jeder der einen Blick auf den Worms Blog wirft, merkt schnell, dass es sich lohnt. Die Angebote der im Heusteigviertel ansässigen Gastronomen stecken Döner und Co locker in die Tasche: Gebratene Hühnchenstreifen mit Gemüse in Penang-Currysoße, Cashewkerne, Duftreis hat zum Beispiel an einem Tag das Hüftengold auf dem Programm, während das Café List mit hausgemachten Semmelknödeln mit Champignonrahm kontert. Rund 30 bis 40 Gaststätten hat er inzwischen in seiner Liste – vom Charlottenplatz über das Lehenviertel zum Marienplatz. „Ich muss aufpassen, dass ich die Reihenfolge immer wechsele“, sagt er. Denn schließlich soll keiner bevorzugt werden.

Mittlerweile hat sich vieles verselbstständigt. Denn das „Apfelbrot“ lesen inzwischen so viele Südbewohner täglich, dass Worms nicht mehr aufhören mag. „Die sind auf meine Dienste angewiesen“, meint er. Rund 50 Klicks pro Tag hat er – in der Ferienzeit mal weniger, an manchen Tagen auch mal mehr.

Seine Seite ist rein serviceorientiert. Dazu, eigene Beiträge über das Viertel zu schreiben, kommt Worms nebenher kaum. Denn der Blog ist und bleibt ein Hobby. Geld verdient Worms damit nicht. „Ich würde das Ganze gerne ausbauen“, sagt er. Ein bisschen hat er das auch schon getan. „Ich habe schon Restaurants in Stuttgart-Mitte dabei“, sagt er. Mehr könne er aber nebenbei nicht leisten.

Keine Karteileichen ist seine Devise

Worms hat vor allem einen Anspruch an seinen Blog: „Ich will alles aktuell halten.“ Deshalb überprüft er regelmäßig, ob es alle Restaurants und Cafés auch wirklich noch gibt. „Ich will keine Karteileichen haben.“ Weil er im Viertel wohnt, läuft er oft bei vielen der Restaurants vorbei. „Ausgeweitet auf die ganze Stadt würde das nicht funktionieren“, sagt der 31-Jährige. Ursprünglich kommt Worms aus dem Norden Deutschlands. In Bielefeld ist er geboren und aufgewachsen. Für sein Studium an der Hochschule der Medien kam er im Jahr 2008 in die Landeshauptstadt.

Nach dem Abschluss ist er geblieben und mittlerweile auch heimisch geworden. Seit einiger Zeit wohnt er im Heusteigviertel und kennt sich gut aus. Langfristig fände Worms es gut, wenn er einen Kooperationspartner hätte. „Der könnte dann zum Beispiel den Westen machen und ich den Süden.“ Gut fände der Wahlstuttgarter es auch, wenn man so einen Blog für die ganze Stadt anbieten würde.

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