Big Data für Fußball-Profis Digital-Experte für den VfB Stuttgart

Von Gunter Barner 

Subjektive Eindrücke, objektive Daten: VfB-Coach Wolf, Sportchef Schindelmeiser Foto: Baumann
Subjektive Eindrücke, objektive Daten: VfB-Coach Wolf, Sportchef Schindelmeiser Foto: Baumann

Der digitale Wandel kommt jetzt auch beim VfB Stuttgart ins Spiel. George Syrianos, Datenanalyst von der Columbia-Universität in New York, soll Sportchef Jan Schindelmeiser und Trainer Hannes Wolf mit seiner Expertise neue Horizonte eröffnen. Auch bei der Suche nach Verstärkungen.

Stuttgart - Es ist keine digitale Revolution, aber ein deutlicher Wandel. Der VfB Stuttgart hat einen neuen Mitspieler verpflichtet: George Syrianos. Er schießt zwar keine Tore, kann aber im besten Fall dazu beitragen, dass welche fallen.

Der Deutsche mit griechischen Wurzeln erweitert die Analyseabteilung und soll das Datennetzwerk weiter knüpfen, das die Chefs beim Fußball-Zweitligisten schlauer macht. „Wir überlassen unsere Personalentscheidungen sicherlich keinem Computer“, sagt Sportvorstand Jan Schindelmeiser, „aber er kann uns unterstützen.“

Syrianos studierte an der Columbia-Universität in New York. Eine Hochschule, die zum besten gehört, was die Datenanalyse zu bieten hat.

Wertvolle Hinweise bei Transfers

Jetzt soll der Algorithmen-Experte die Daten möglichst sinnvoll verknüpfen, die der Fußball über Spiele und Profis zwar schon erhebt, aber in den meisten Fällen noch nicht umfassend in Beziehung setzen kann. Bisweilen sind die technischen Hilfsmittel wie GPS, Körpersensoren oder Videoanalyse-Tools noch nicht präzise genug.

Künftig sucht Syrianos mit Hilfe von Start-Ups und Communitys nach digitalen Lösungen für den VfB. Wie lässt sich das Training von Hannes Wolf noch genauer steuern? Wann kann er seine Profis noch etwas härter ran nehmen, wann ist der genaue Zeitpunkt, um die Belastung zu reduzieren? So lässt sich die Fitness von Kapitän Christian Gentner und seinen Helfern steigern, das Verletzungsrisiko mindern. Aber auch im Transfergeschäft kann Big Data im Fußball wertvolle Hinweise liefern – mit Antworten auf Fragen wie: Welche Spieler auf dem internationalen Markt passen mit ihren individuellen Fähigkeiten (u.a. Schnelligkeit, Größe, Fitness, Laufvermögen, Passqualität) am besten zur Spielweise des VfB?

„Bei der Bewertung und Analyse eines Spiels sind wir häufig noch zu sehr auf subjektive Eindrücke angewiesen“, sagt Jan Schindelmeiser, „der einzig objektive Parameter bis jetzt ist im Fußball aber die Zahl der geschossenen Tore. Die Datenanalyse kann uns Erkenntnisse liefern, ob wir mit der Einschätzung von Scouts, Trainern und mir richtig liegen oder nicht.“ Er warnt allerdings vor der Annahme, Gespür, Erfahrung, Intuition und Kreativität ließen sich durch Algorithmen ersetzen. „Die Wissenschaft darf uns nicht dominieren. Sie ist dazu da, um uns zu unterstützen.“

Moneyball liefert den Impuls

Für Aufsehen sorgte die Datenanalyse im Sport vor Jahren in einem US-Sportdrama. „Die Kunst zu gewinnen – Moneyball“ handelt von den Oakland Athletics, ihrem Manager Billy Beane und der Major League Baseball. Er muss den Kader nach dem Weggang etlicher Stars neu planen. Ihm fehlt aber das Geld für bewährte Spieler. Er entschließt sich – gegen erhebliche Widerstände und den Spott seiner Kritiker – mit „Sabermetrics“, einem computergestützten Statistikverfahren, die Schaltstellen im Team neu zu besetzen – mit Spielern, die nach dem klassischen Auswahlverfahren eher uninteressant erscheinen, aber preiswert zu haben sind. Der Spagat wird zum Erfolg. Am Ende feierte Oakland einen historischen Ligarekord mit 20 Siegen in Folge. Andere Clubs übernahmen das Moneyball-Prinzip .

Geistiger Vater des Systems ist Bill James, der sich als Baseball-Fan während seiner Arbeit als Nachtwächter einer Konservenfabrik schon in den 1970er Jahren in Statistiken vertiefte, dabei nach und nach seine eigenen entwickelte. Er konnte damit belegen, dass subjektive Eindrücke mit objektiven Daten nicht immer korrespondieren.

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