Den Erfolg wieder im Blick: Miriam Gössner. Foto: dpa

Erfolge feierte sie vor ihrem Unfall im Frühjahr 2013. Jetzt meldet sich die deutsche Biathletin Miriam Gössner  im Weltcup zurück – motiviert, ehrgeizig und vor allem gelassener.

Stuttgart - Alle Augen sind auf sie gerichtet. Auf die schöne Blonde, die immer lächelt. Auf Miriam Gössner. Die deutsche Biathletin ist beim ersten Weltcup in Östersund am Start – und alle Blicke sowie Hoffnungen ruhen auf ihr. Dabei weiß nicht einmal die 24-Jährige selbst, wie gut sie drauf ist. Rücken gut, alles gut?

Die Vorbereitung war in Ordnung. Keine schweren Verletzungen, gute Ergebnisse, endlich wieder Spaß am Sport. Aber sieben Monate ohne Training – so einfach wegzustecken ist das nicht. „Eineinhalb Jahre“, schätzt Frauen-Trainer Gerald Hönig, könne es dauern, bis Miriam Gössner wieder in jener Form ist, die ihr schon drei Siege im Weltcup eingebracht hat.

Die Erfolge feierte sie vor ihrem Unfall im Frühjahr 2013. Miriam Gössner war damals mit dem Mountainbike unterwegs. An das, was dann passierte, an den Sturz vom Rad, kann sie sich nicht mehr richtig erinnern. An die Folgen umso mehr: mehrere Wirbelbrüche, Schmerzen im Rücken, eine lange Pause und den Verzicht auf die Olympischen Spiele.

In diesem Jahr geht es endlich wieder bergauf, doch nicht nur Hönig hat Bedenken. „Klar ist es mein Ziel, wieder da anzuknüpfen, wo ich schon einmal war. Ich will wieder gewinnen“, sagt Gössner, aber „ob das sofort gelingt, nächstes Jahr oder gar nicht mehr – das weiß man einfach nicht“.

Die Saison beginnt an diesem Sonntag mit der Mixed-Staffel (16.30 Uhr/ZDF). Am Donnerstag folgt das Einzelrennen der Frauen, am Samstag der Sprint, am Sonntag die Verfolgung. Die deutschen Fans wollen wieder jubeln. So wie in den letzten Jahren. Nachdem nach Olympia aber auch Andrea Henkel zurückgetreten ist, ruhen nun so ziemlich alle Hoffnungen auf Gössner.

Franziska Preuß, Franziska Hildebrand und Vanessa Hinz komplettieren das Team in Östersund. Auch Laura Dahlmeier, die wegen einer Fußverletzung noch nicht fit ist, soll in diesem Winter Weltcup-Einsätze bekommen. Sie alle sind gut, haben Potenzial, doch sie brauchen noch Zeit. Das weiß auch Gössner. „Ich fände es unfair, wenn man die ganze Zeit nur draufhaut“, sagt sie.

Seit dem Rücktritt von Magdalena Neuner vor mehr als zwei Jahren ist Gössner die heißeste Anwärterin, der neue deutsche Biathlon-Liebling zu werden. Dass sie gerne redet wie ein Wasserfall und mit dem deutschen Ski-Star Felix Neureuther zusammen ist, macht das oberbayerische Madel nur noch sympathischer. „Es ist toll, wenn man jemanden an seiner Seite hat“, sagt sie über ihre Beziehung. Neureuther hat ihr in den vergangenen Monaten viel Kraft gegeben. Er und ihr gemeinsamer Hund Buddy. Der Felix verstehe sie, er kennt den Leistungssport, er kennt Rückenprobleme. „Aber so oft geht es bei uns gar nicht um den Sport“, sagt die Biathletin. Und das sei gut so. Das ist nicht mehr dieselbe Gössner wie vor dem Unfall. Sie hat sich verändert.

Sie ist immer noch motiviert und ehrgeizig, aber sie ist gelassener geworden. „Es muss immer noch alles schnell, schnell gehen“, sagt die junge Frau, aber sie muss nichts mehr übers Knie brechen. „Wenn du gesund bist, eine tolle Familie hast, dann kannst du dich glücklich schätzen“, sagt sie – egal, ob es im Weltcup wieder gleich für ganz oben reicht oder nicht.

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