Zwei Stockwerke unter dem Uhrenturm trafen sich Susanne Korge, Klaus Lang, Martin Hechinger, Uwe Eisenhart, Helga Fischer und Falk Falkenburg (v.l.) zur Präsentation der instandgesetzten Mechanik im Rathaus. Foto: Martin Hechinger, Chris Lederer, Georg Kemmler

Der Mechanismus der Turmuhr von 1908 ist wieder gangbar und sichtbar gemacht worden – dank des Bürgervereins und Spendern.

Stammheim - Die großen Ziffernblätter mit den vergoldeten Zeigern auf dem Rathausturm kennt in Stammheim jeder. Weit weniger bekannt ist das technische Meisterwerk, das den Zeitmesser über viele Jahrzehnte angetrieben hat. Verborgen in einem kleinen Holzverschlag auf dem Dachboden des Rathauses fristete das Räderwerk ein Schattendasein, und es wäre wohl alsbald auf dem Schrott gelandet – hätte sich der Bürgerverein nicht für dessen Erhalt eingesetzt.

Aufwändige Mechanik mit rund 400 Teilen

Auf Initiative von Martin Hechinger wurde die aufwändige Mechanik abmontiert, restauriert, auf einen Eichenbock montiert und in einer Vitrine platziert. Seit Montag ist sie im Obergeschoss des Rathauses zu besichtigen. Bei der kleinen Einweihungsfeier waren neben Bezirksvorsteherin Susanne Korge und Martin Hechinger auch Helga Fischer vom Heimatverein, Klaus Lang vom Bürgerverein sowie der Stammheimer Uwe Eisenhart von der gleichnamigen Turmuhrenbau-Firma mit der Partie. Eisenharts Großvater Eugen hatte die Uhr 1908 im Rathausturm montiert. „Das Uhrwerk mit seiner umlaufenden Kette ist etwas Schönes und etwas Besonderes“, sagte Eisenhart am Montag. Auf rund 400 Teile schätzt er die Mechanik mit Walzen, Achsen und Zahnrädern, die das Herzstück des Zeitmessers bildet. Daneben gab es unter anderem auch ein Schlagwerk, dessen kleinere Glocke jeweils viertelstündlich schlug, während die Große die vollen Stunden anzeigte. Nötig war außerdem ein komplexes Umleitsystem über zwei Stockwerke mit Pendelgewichten, Seilen und Rollen. Die Antriebskraft wurde über die Pendel ins Uhrwerk übertragen und durch Getriebe von dort in den Turm hochgeleitet – zu den Glocken und Zeigern.

24 Stunden Gangreserve

„Das Uhrwerk musste täglich mit einem Hebel von Hand aufgezogen werden und hatte eine Gangreserve von 24 Stunden“, erklärt Eisenharts Mitarbeiter Falk Falkenburg, der das Stammheimer Uhrwerk gereinigt und wieder in Stand gesetzt hat. „Es könnte theoretisch die nächsten 150 Jahre laufen.“ Muss es aber nicht. Denn seit den 1990er Jahren ist die alte Mechanik durch ein modernes, wartungsfreies Fassaden-Motorzeiger-Triebwerk ersetzt worden, gesteuert durch eine zentrale Funkuhr.

Ausgestellt im Rathaus

„Das Uhrwerk bedeutet für mich ein Stück Identität zum Stadtbezirk, diesen Wert wollte ich der Öffentlichkeit wieder zugänglich machen“, sagt Hechinger, langjähriger Vorsitzender des Bürgervereins, und betont: „Das war nur möglich dank der Unterstützung zahlreicher Spender.“ Insgesamt waren etwas mehr als 3000 Euro notwendig, um das Projekt zu verwirklichen. Einen Beitrag dazu leistete der Bezirksbeirat aus seinem Budget, ebenso wie die „wtv Württemberger Medien GmbH“ und die beiden örtlichen Heimat- und Bürgervereine. Das Geld wurde für die beleuchtbare Glasvitrine, den Uhrenbock aus Holz und die Instandsetzungsarbeiten verwendet. Martin Hechinger will mit derartigen Projekten den Wert der Heimat sichtbar und erlebbar machen: „Wir tun das in dem Wissen, dass es sich bei denkmalgeschützten Anlagen um ein Kulturgut unserer Heimat handelt.“

Das Uhrwerk kann zu den üblichen Öffnungszeiten des Bezirksrathauses an der Kornwestheimer Straße 5 im ersten Stockwerk besichtigt werden.

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