Der Rohrer Mann der Stunde: Ramin Sina hat nach seinem Doppelpack vom Sonntag in sieben Rückrunden-Spielen zehn Tore erzielt. Foto: Günter Bergmann

Drei der vier Filderteams siegen am 22. Spieltag, weil sie spezielle Schützen in ihren Reihen haben.

Filder - Tore, heißt es, sind im Fußball das Salz in der Suppe. Erst recht, wenn sie dann auf so bemerkenswerte Weise fallen, wie an diesem Bezirksliga-Spieltag geschehen. Sowohl der Aufstiegsanwärter SV Bonlanden als auch der TSV Rohr und die Spvgg Möhringen hatten am Sonntag ihre speziellen Schützen – und kamen damit allesamt zu wichtigen Siegen. Für die beiden letztgenannten Filderteams war es jeweils der nächste Schritt in Richtung Klassenverbleib.

SV Bonlanden – SSV Zuffenhausen

Es war einer jener Tage, an denen man sich als Trainer am Spielfeldrand irgendwann die Haare zu raufen beginnt. Zweimal Pfosten (Marcel Stannull, Rüchan Pehlivan), einmal Querlatte (Stefan Adam), dazu eine Reihe weiterer bester Chancen – allein: dort, wo er hin sollte, nämlich ins Tor, wollte der Ball einfach nicht rein. So begab es sich, dass der SV Bonlanden seine Begegnung mit dem SSV Zuffenhausen zwar standesgemäß hoch überlegen gestaltete, der 2:0-Sieg des Tabellendritten aber zugleich zur recht mühsamen Angelegenheit geriet.

Richtig: 2:0. Immerhin zweimal klappte es gegen einen defensiv ausgerichteten Gegner dann doch – im einen Fall so, dass dies für vieles andere entschädigte. Zur Führung netzte der Routinier Julian Schwarz cool mit der Hacke ein. Ein Traumtor. Eines, dem Nico Presthofer, der Führende der Schützenliste, in der Nachspielzeit mit seinem 20. Saisontreffer die endgültige Entscheidung folgen ließ. Damit Pflicht erfüllt. „Die zweite Halbzeit war zerfahren, und klar: wir hätten den Sack deutlich früher zumachen müssen“, sagt Klaus Kämmerer, der besagte Coach, „aber die ersten 45 Minuten waren trotzdem richtig gut.“

Eckdaten für Relegation stehen

Gut genug, um im Klassement dem Spitzenduo auf den Fersen zu bleiben. Der Rückstand zu jenem beträgt unverändert fünf respektive zwei Punkte. Beide großen Bonlandener Rivalen, NAFI Stuttgart und Türkspor Stuttgart, haben am Wochenende erwartungsgemäß ebenfalls gewonnen. Nun noch acht Spieltage bleiben den Filderstädtern zur von ihnen erhofften Aufholjagd. Sollten sie es am Ende wenigstens auf den zweiten Platz schaffen, sind inzwischen übrigens die Eckdaten fix. Der Vizemeister der Stuttgarter Bezirksliga wird in der ersten Relegationsrunde am 7. Juni auf sein Pendant aus dem Bezirk Donau/Iller treffen. Nach jetzigem Stand wäre dies der gleich nächste türkische Kontrahent, namentlich Türkspor Neu-Ulm.

Im Erfolgsfall ginge es am 11. Juni weiter gegen den Gewinner des Duells Zweiter Bezirksliga Kocher/Rems – Zweiter Bezirksliga Neckar/Fils, ehe am 18. Juni das Endspiel um den Aufstieg gegen den letzten Nichtdirektabsteiger der Landesliga stiege. In allen drei Partien hat beziehungsweise hätte der Stuttgarter Vertreter auswärts anzutreten, an einem noch offenen Ort im Bezirk seines jeweiligen Gegners.

Ein schwieriger und langer (Um-) Weg also bis zum womöglich finalen Glück. Doch haben Kämmerer und die Seinen ja eh weiter ein anderes Ziel: den Meistertitel und damit den Direktaufstieg.

TSV Rohr – TSV Plattenhardt

Das „Lob“ fiel ungewöhnlich aus. Wie er die Leistung seines Torjägers bewertet? „Eigentlich muss er in diesem Spiel fünf oder sechs Treffer machen, nicht nur zwei“, sagt Moudachirou Amadou, der Trainer des TSV Rohr. Freilich: der Mann der Stunde in den Reihen des Aufsteigers ist besagter Akteur, Name: Ramin Sina, auch so. Der 27-Jährige hat einen Lauf. Bei zehn steht der Zähler seit Sonntag nach dem 3:1-Derbysieg gegen den TSV Plattenhardt für ihn – zehn Tore in sieben Rückrunden-Begegnungen. In der Schützenliste der Staffel hat sich der 1,90-Meter-Hüne damit mittlerweile auf den zweiten Platz katapultiert. Und an der Dürrlewangstraße können sie sich mehr und mehr die Hände reiben über diesen Transfer. Ramin wer? Vor der Saison hatte den früheren Vaihinger Jugendkicker in der Liga kaum einer gekannt. Erst im Frühjahr war er von seinem Studienort aus Norditalien heimgekehrt.

Seinen jetzigen Doppelpack schnürte Sina in für ihn typischer Manier: Es sind selten die spektakulären Dinge, die er zeigt – aber er ist auf dem Platz dort zur Stelle, wo ein Knipser zur Stelle sein muss. Seine beiden Abstauber in der zweiten Hälfte entschieden die Partie. Bezeichnend war dabei die Entstehung. Zweimal ließen sich die Plattenhardter Gäste zuvor ohne größere Not den Ball abnehmen. Erdal Tunc und Christoph Hohnemann verschlamperten die Kugel, was für ihren Trainer Sascha Krammer ins Gesamtbild der eigenen Vorstellung passte. Seine Beobachtung: „Rohr war uns in puncto Aggressivität voraus. Die haben uns in den Zweikämpfen von Beginn an gezeigt, dass sie wollen.“

Plattenhardt ohne acht

Heißt im Umkehrschluss: Krammers Kicker wollten ihrerseits nicht? Oder weniger? Der Coach sieht es moderater und führt mildernde Umstände an. Bemerkbar gemacht habe sich halt auch die Personalsituation. Unterwegs waren die Gäste mit einem letzten Aufgebot. Zu den bereits bekanntermaßen sieben fehlenden Stammspielern hatte sich kurzfristig noch ein achter gesellt. Den Verteidiger Vincenzo Salvioli legte ein Magen-Darm-Infekt lahm.

So blieb den Plattenhardtern unter dem Strich nur eines. Stichwort besondere Tore – zu bieten hatten in dieser Kategorie trotz ihrer siebten Saisonniederlage auch sie etwas. Mirko Domislics anfängliches 0:1 fiel kurios: Nach einem verunglückten Abwehrschlag des Rohrer Keepers Kai Hansen beförderte der Winterpausen-Neuzugang den Ball mit einer Bogenlampe aus 35 Metern ins verwaiste Gehäuse. Zudem positive Kunde im Weilerhau: für die nächste Saison haben inzwischen bis auf drei Ausnahmen alle Spieler des aktuellen Kaders zugesagt. Die einzigen Wackelkandidaten sind Michael Müller, Philipp Straub (erwägen beide, kürzer zu treten) sowie Alperen Albayrak. Letzterer weilt derzeit im USA-Urlaub. Tendenz laut Krammer: auch er wird weiter machen.

Sportvg Feuerbach – Spvgg Möhringen

Lenker im Mittelfeld.“ „Ausgestattet mit viel Offensivqualität und gutem Drang zum Tor.“ Kurzum: „Er ist ein sehr wichtiger Spieler für uns“, sagt der Trainer Karl-Heinz Fuhrmann. Wie wichtig, das hat Marvin Kuhn am Sonntag eindrucksvoll bewiesen. Der 27-Jährige, der nach einem beruflich bedingten Umzug aus Hessen erst seit Dezember zum Kader gehört, war der Matchwinner der Spvgg Möhringen beim 3:0-Sieg in Feuerbach. Zwei Treffer erzielte der einstige Oberliga-Kicker selbst, einen bereitete er mit einem Eckball vor. Sehenswert war vor allem sein Führungstor. Kuhn schaute kurz, sah, dass der gegnerische Keeper einige Meter vor seinem Kasten stand – und schwupp, mit Wucht schlenzte er den Ball in die Dreiangel.

Unter dem Strich stand ein laut Fuhrmann „hochverdienter Sieg“, auch wenn die Umstände einige Nerven kosteten. So machten es sich die Seinen zum einen selbst schwer, indem sie zu viele Chancen liegen ließen. Zu oft missriet das vorentscheidende letzte Abspiel vor dem Tor. Zum anderen hatte der Gegner demgegenüber zwar nur eine einzige hochkarätige Möglichkeit, jene aber hätte die Möhringer in Rückstand bringen können. Glück für sie, dass den Feuerbacher Harun Sever beim Elfmeter der Mut und die Kraft verließen: Er trat die Kugel so schwach, dass der Möhringer Schlussmann Martin Brodbeck sie sogar festhalten konnte. Ausgleichende Gerechtigkeit? Laut Fuhrmann „Ja“. Er jedenfalls hatte kein Foul gesehen. Der Gegenspieler Roland Filipovic habe sich nach einem Luftduell „schreiend auf den Boden geworfen – gerade so, als ob er von einem Speer getroffen worden wäre“.

Erfreuliche Zugabe aus der Landesliga

Am Ende egal. Mit ihrem nun vierten „Dreier“ aus sechs Spielen unter Fuhrmann steuern die Möhringer weiter zielstrebig auf Kurs Klassenverbleib. Zur Abstiegszone hat das vorherige Kellerkind mittlerweile eine Kluft von drei Punkten geschaffen, vielleicht sogar vier. Eine erfreuliche Zugabe ist der Aufschwung des TSV Weilimdorf in der Landesliga. Verhindern die Nord-Stuttgarter den Direktabstieg, was nach jetzigem Stand der Fall wäre, reduziert sich die Zahl der Direktabsteiger in der Bezirksliga auf zwei. Heißt: schon der 13. Platz bedeutete rettendes Ufer.

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