Der Plattenhardter Mann des Tages: Reto Briem (rechts) erzielte das Tor zum 1:0-Sieg in Feuerbach. Foto: Günter Bergmann

Vier Spiele, vier Siege – den Bezirksligisten von den Fildern gelingt am 25. Spieltag eine optimale Ausbeute. Groß ist die Freude vor allem beim TSV Plattenhardt, der im Kellerduell seine seit Dezember währende Negativserie beendet. Derweil wird die Stimmung beim SV Vaihingen durch einen personellen Langzeitverlust getrübt.

Filder - Warum auch nicht? Schließlich war der Ostermontag ein Feiertag. Und den haben die Fußball-Bezirksligisten von den Fildern dann eben wahrhaft zum Feiertag gemacht. Vier Spiele, vier Siege – eine bessere Bilanz war nicht möglich. Dabei fiel das „Hurra“ vor allem bei einer Mannschaft mächtig aus. Der TSV Plattenhardt hat im Kellerduell in Feuerbach seine seit Dezember währende Negativserie beendet und unter dem Trainer Sascha Gavranovic endlich den ersten Erfolg verbucht. Derweil wird die Vaihinger Freude durch einen personellen Langzeitverlust getrübt. Getrübte Freude. Für den Trainer Klaus Kämmerer war es eh „nur eine Frage der Zeit“, wann es passieren würde. Am aktuellen Spieltag haben es seine Spieler dann getan und unter ein allmählich leidiges Thema einen Strich gemacht. Nach vier Auswärtsniederlagen in Serie gelang dem SV Vaihingen in Mühlhausen ein 4:1-Erfolg. Endlich also wieder einmal Punkte auf gegnerischem Platz, wobei der Dank dafür zuvorderst einem Akteur gebührt. Der Kapitän Max Knoll, zwischenzeitlich für vier Wochen rotgesperrt, meldete sich eindrucksvoll zurück. Seine Bilanz: zwei Tore erzielt, eines vorbereitet. Sehenswert war vor allem der frühe Führungstreffer, bei dem Knoll den Ball von der Strafraumgrenze aus in den Winkel zwirbelte. „Er war ein Aktivposten und hat gezeigt, welchen Wert er für die Mannschaft hat“, lobt Kämmerer, der seinem Aufgebot diesmal eine andere taktische Ausrichtung verpasst hatte. Die Vorgabe: kein frühes Pressing wie bisher, sondern den Gegner kommen lassen. Diese Marschroute passte. Hinzu kam obendrein das nötige Quäntchen Glück. Jens Zangenberg und Jens Peringer scheiterten für die abstiegsgefährdeten Gastgeber jeweils am Torgebälk. In beiden Fällen hätte der Youngster Henri Dieterle keine Abwehrchance gehabt. Letzterer vertrat zwischen den Pfosten den im Osterurlaub weilenden Stammkeeper Ronald Schlecker.

Der personelle Wermutstropfen: für Philipp Rosenberg, den besten Vaihinger Torschützen dieser Saison, ist das Spieljahr beendet. Der 19-Jährige hat sich gestern für ein zweimonatiges Auslandspraktikum nach Peru verabschiedet. Kämmerers Kommentar: „Schade. Er hatte gerade eine richtig gute Entwicklung durchgemacht.“ 45-Minuten-Freude. Gemessen allein an der ersten Halbzeit, musste man schwarz sehen für den SV Bonlanden II. „Das waren die schlechtesten 45 Minuten, seit ich hier bin“, ist der im Januar eingestiegene Trainer Robert Stadtmüller überzeugt, „immer zu spät dran, fast nur Fehlpässe.“ Und folgerichtig lagen seine Kicker gegen den SV Sillenbuch auch mit 0:1 hinten. Treffender gesagt: nur mit 0:1. Über einen klareren Rückstand hätte sich keiner beschweren können. Doch zum Glück für die Filder­städter dauert ein Spiel ja mindestens 90 Minuten; es gibt immer auch noch einen zweiten Teil. Welchen Zauberknopf er für diesen in der Pause gedrückt hat? Das weiß Stadtmüller rückblickend selbst nicht mehr so genau. Fakt ist: am Ende stand es dann plötzlich 6:2. Vom Frust zur großen Lust. Zu verbuchen galt es Sieg Nummer drei in Serie. Ungeschlagen sind die Bonlan­dener nun sogar in sechs aufeinander folgenden Partien.

Vor allem zwei Spieler drehten nach dem Seitenwechsel auf. Gestatten: Niels Wüllbier. Der erzielte zwei Tore und bereitete zwei weitere vor. Gestatten: Bernd Eckhardt. Der langjährige Torjäger der ersten Mannschaft wartete als Aushilfskraft mit drei Treffern und einer Vorlage auf. Der Routinier avancierte so zum eigentlichen Matchwinner. „Was er gezeigt hat, war klasse“, sagt Stadtmüller. Dessen finale Beobachtung: kühle Vollstreckerqualitäten, flinke Ballstafetten, kluge Pässe. Wer hätte es nach diesem Beginn gedacht? Zuletzt kam der Coach sogar noch ins Schwärmen. Späte Freude. Was macht man nach so einem Spiel? Freuen? Ärgern? Erst einmal Beruhigungspillen schlucken? Für Jörg Elser war es gestern irgendwie eine Mischung aus allem. Und so fühlte sich der Trainer der Spvgg Möhringen auch nach dem Abpfiff noch hin- und hergerissen, als der 3:1-Sieg gegen den TV Zuffenhausen bereits eingetütet war. Zu verarbeiten galt es einerseits eine erste Hälfte, „in der ich schier wahnsinnig geworden bin“, wie der Coach konstatiert. Pomadig im Auftreten, halbherzig in den Zweikämpfen – so hatte seine Mannschaft 45 Minuten lang fast alles falsch gemacht. Das einzig Gute: der Gegner führte durch einen direkt verwandelten Freistoß von Yavuz Tepegöz nur mit 1:0. Dreimal tief durchgeatmet zur Pause. Eine Reihe weiterer dicker Chancen hatten die Gäste liegen gelassen.

Andererseits gab es dann aber auch noch diesen zweiten Durchgang der Partie – jene Phase, in der für Elser abermals Erstaunliches geschah, diesmal zur ganz konträren Gemütslage. Obwohl von der 50. Spielminute an nach Gelb-Rot für Steven Jordan (Foul plus Meckern) obendrein in Unterzahl, schalteten die Möhringer auf einmal den Turbo ein. Die Folge eins: mehr und mehr ein Powerplay. Die Folge zwei: drei saubere Treffer zu der wohl von keinem mehr für möglich gehaltenen Wende. Mit Etienne Friedrichs Eckball, den Christian Kuchar per Kopf zum Ausgleich ins Netz wuchtete, brachen die Zuffenhausener Dämme. Friedrich selbst gelang darauf das Führungstor, ehe er dem Teamkollegen Steffen Müller auch noch dessen 23. Saisontreffer auflegte. Damit ist er weiter Erster der Schützenliste. Und, noch wichtiger: damit, mit dem aktuellen Sieg, haben die Möhringer, bei denen in Marcus Budday, Martin Homm (beide Urlaub), Marian Wieser (dickes Knie) und Jakob Müller (beruflich verhindert) vier Stammkräfte fehlten, nun wieder ein gutes Sieben-Punkte-Polster zur Abstiegszone. Grenzenlose Freude. Wäre das Fallen der redensartlichen Steine der Erleichterung akustisch wahrnehmbar, es hätte in Feuerbach ordentlich etwas auf die Ohren gegeben. Mehr Erleichterung als jene in Reihen des TSV Plattenhardt war nicht möglich. Nach sieben Niederlagen und null Siegen seit dem Einstieg des Trainers Sascha Gavranovic ist es endlich, endlich geschafft: Mit einem 1:0 im Kellerduell verbuchten die Weilerhau-Kicker den so dringend benötigten Erfolg, mit dem der Relegationsplatz wieder in Sichtweite rückt. Der Abstand beträgt nun nur noch drei statt der bisherigen sechs Punkte.

Der Matchwinner hieß dabei Reto Briem. Neu in die Startelf gerückt, erzielte der Angreifer Mitte der ersten Hälfte das goldene Tor. Nach Vorarbeit von Paulo Bayrak überwand er den gegnerischen Keeper mit einem Lupfer. Doch nicht nur deshalb sah Gavranovic in Briem den „besten Mann auf dem Platz“. „Er hat zudem hervorragend nach hinten gearbeitet“, sagt der Coach, dessen Nerven im weiteren Verlauf auf die Folter gespannt wurden. Der Rest der Partie? „Brutal“, sagt Gavranovic. Es ward ein Zitterspiel. Trotz in der Endphase bester (Konter-) Chancen – der erlösende zweite Treffer wollte einfach nicht gelingen. Unter anderem zweimal Dennis Kattenberg sowie einmal Alexander Morell scheiterten frei stehend vor dem Ziel.

Immerhin aber: gleichzeitig hielten die Filderstädter diesmal in der Defensive dicht, wodurch sich Gavranovic in seiner Umkrempelaktion bestätigt sehen kann. Im Vergleich zum Gründonnerstag hatte er seine Abwehrkette auf gleich vier Positionen verändert. Am bemerkenswertesten: links verteidigte ein gewisser Christoph Scholz. Richtig: der Plattenhardter Fußballchef. Der einstige Leistungsträger hatte sich zum Comeback überreden lassen – „wohl so um die fünf Jahre“ nach seinem bislang letzten Pflichtspiel für die „Erste“, wie er schätzt. Deutet einiges darauf hin, dass für den 33-Jährigen nun in dieser Saison noch ein paar Einsätze hinzukommen.

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