Raphael Hahn, Stürmer des MTV Stuttgart, hat den Stand seines Saisontore-Kontos mit den drei Treffern gegen den SSV Zuffenhausen verdoppelt. Foto: Archiv Günter E. Bergmann

Der SC erobert Platz zwei, Weilimdorf geht in Sillenbuch unter und ein Torjäger meldet sich zurück.

Stuttgarter Norden - Als die Saison 2014/2015 angefangen hat, wurde der Spielzeit schon nach wenigen Begegnungen der Stempel „alles ist möglich“ aufgedrückt. Nun ist die Hinrunde absolviert, und inzwischen kann man den oben erwähnten Satz noch unterstreichen und mit mehreren Ausrufezeichen versehen. Beispielhaft dafür: der letzte Spieltag vor der Winterpause. Da erobert der SC Stammheim Rang zwei dank eines Spielers, der eigentlich gar nicht auf dem Platz stehen sollte. Da geht der Titelanwärter TSV Weilimdorf bei einem Abstiegskandidaten unter. Da liefert der TV 89 Zuffenhausen gegen den Spitzenreiter seine beste Saisonleistung ab und verliert dennoch. Und da meldet sich beim MTV plötzlich ein seit Monaten in der Krise steckender Torjäger eindrucksvoll zurück.

Eigentlich hätte Vadim Kromm gar nicht im Kader des SC Stammheim stehen sollen. Denn für Sonntag hatte der Verteidiger des SC Stammheim eigentlich das Geburtstagsfest seiner Tochter im Terminkalender stehen. Da der SC aber in der Partie bei der TSVgg Plattenhardt noch auf eine ganze Reihe weiterer Akteure verzichten musste, entschied sich Kromm anders. „20 Minuten vor Spielbeginn war er plötzlich da“, sagt der Stammheimer Trainer Thomas Oesterwinter, der ihn in die Anfangsformation stellte. Was sich als sinnvoll herausstellte. In der 31. Minute wuchtete Kromm eine Freistoßflanke von Emre Yildizeli per Kopf zum 1:0 ins Tor. Das zweite erzielte er in der 47. Minute – allerdings windunterstützt – mit einem Freistoß aus 40 Metern Torentfernung. Dass in der 78. Minute noch der Plattenhardter Lazarus Potsolidis eine scharfe Hereingabe von Tobias Oesterwinter ins eigene Tor bugsierte, machte den Sieg der Nord-Stuttgarter endgültig perfekt – auch wenn den Gastgebern noch per Sonntagsschuss der Ehrentreffer gelang. „Trotz der vielen Ausfälle eine absolut überzeugende Vorstellung“, lobte Thomas Oesterwinter sein Team. Da war Vadim Kromm aber schon wieder auf dem Weg zurück zum Geburtstag seiner Tochter.

Der TSV Weilimdorf hat den Kontakt zur Tabellenspitze erst einmal abreißen lassen müssen. Das 2:6-Debakel beim SV Sillenbuch war die dritte Pleite in Serie für den Ex-Landesligisten. Und wieder einmal schmerzte das Resultat nicht ganz so sehr wie die Art seines Zustandekommens. „Wir waren nicht gut. Genau gesagt: Wir waren ganz und gar nicht gut“, sagt TSV-Pressewart Michael Bachmann. Schon nach einer Viertelstunde lagen die Nord-Stuttgarter mit 0:2 hinten. Und auch der Anschlusstreffer von Patrick Härle brachte nicht den erwünschten Umschwung. Wobei die Weilimdorfer zu diesem Zeitpunkt nur noch zu zehnt waren. Stürmer Carmine Pescione hatte sich nach einem Foul zu einer Beleidigung hinreißen lassen und sah die rote Karte. Auch der taktische Kniff, die groß gewachsenen Abwehrkräfte Güney Cömert und Savas Kara in die Offensive zu beordern, verpuffte. Die Sillenbucher bauten ihren Vorsprung dagegen munter aus. In der Schlussphase gelang dem von der zweiten Mannschaft des TSV ausgeliehen Veli Esen noch die 2:6-Ergebniskosmetik.

Gemessen an dem Lob, das Trainer Marco Scheel an seine Kicker vom TV 89 Zuffenhausen verteilte, hätten die Zuffenhäuser eigentlich deutlich gewinnen müssen. „Überragende Leistung von meiner Mannschaft, die den Tabellenführer klar beherrscht und an die Wand gespielt hat“, schildert Scheel die Ereignisse. Doch am Ende stand eine 0:2-Niederlage beim Spitzenreiter TSVgg Münster zu Buche. Vor allem deshalb, weil der TV 89 eben eines nicht schaffte: Treffen. 30:3 Torschüsse zugunsten der Zuffenhäuser hatte Scheel gezählt. Aber während der TSVgg ein abgefälschter Kullerball und ein Konter reichten, um für Zählbares zu sorgen, war bei den Gästen einfach der Wurm drin. Eddy Bormann traf zweimal nur den Pfosten, und nicht einmal per Strafstoß sollte es klappen: In der 63. Minute scheiterte Fadi Odesh an Münsters Keeper Martin Bächler und setzte den Nachschuss über das Tor.

Auch der zweite Club aus dem Stadtbezirk war am Samstag nicht gerade vom Glück verfolgt. Mit 1:3 verlor der SSV Zuffenhausen beim MTV Stuttgart. „Ein Spiegelbild der Halbserie“, seufzte SSV-Trainer Ingo Ramljak. „Wir fangen ganz gut an und machen uns dann selber das Leben schwer.“ Für den guten Anfang gegen einen MTV, der bis zur 72. Minute kaum einen Zugriff auf das Spiel fand, sorgte Hüseyin Ugur, dessen Direktabnahme nach einem zu kurz abgewehrten Freistoß in der 15. Minute den Weg ins Tor der Gastgeber fand. In der 29. Minute hätte Ugur die Führung ausbauen können, scheiterte aber an Torwart Marc Wulle. Die beste Chance für den MTV vergab Joel Graham. Sein Schuss klatschte in der 38. Minute an den Pfosten. Auch in Hälfte zwei tat sich nicht viel – bis sich Raphael Hahn auf seine Qualitäten besann. Hahn hatte in den vergangenen drei Spielzeiten insgesamt 107 Treffer erzielt. In der aktuellen Runde waren es bis dahin gerade einmal drei gewesen. Eine Zahl, die der Stürmer kurz darauf verdoppelt hatte: Er traf nach Vorlage von Willie Sauerborn zum 1:1, erzielte nach Pass von Björn Lorer in der 86. Minute das 2:1 und besiegelte in der Nachspielzeit nach Vorarbeit von Tom Kursawe die Zuffenhäuser Niederlage. Wobei der SSV in der 89. Minute noch das Pech hatte, dass ein Schuss von Michael Biesinger nur die Latte traf.

Freude herrschte dagegen bei Croatia Stuttgart. Das Team von Trainer Igor Ilicic behauptete sich mit 4:1 gegen die Spvgg Möhringen. „Meine Rumpftruppe hat tolle Moral bewiesen“, lobte der Coach, der zusammen mit Spielleiter Tomislav Babic das Gesamtkontingent an Ersatzkräften bildete. Die Kroaten nutzten vor allem in Hälfte eins ihre Gefährlichkeit bei Standardsituationen aus: Dem 1:0 durch Felix Markovic ging ein Freistoß voraus, dem 2:0 durch Kevin Reinhardt ein Eckstoß, dem 3:0 durch Hasan Isbert erneut ein Freistoß. Damit war der Fall praktisch erledigt, auch weil die Möhringer unmittelbar nach dem Anstoß eine Großchance zur Führung ungenutzt gelassen hatten. Mit dem 4:0 durch Andreas Simic, der einen Alleingang abschloss, beseitigte Croatia endgültig alle Zweifel. Der Spvgg glückte in der 82. Minute nur noch das 1:4. Durch den Sieg rückte Ilicics Team auf Rang sieben vor. „Jetzt sind wir langsam in der Tabellenregion, in die wir gehören“, sagt Ilicic.

Bevor sich Peter Secker, Trainer der Sportvg Feuerbach, freuen konnte, war die Zeit des Leides angesagt. „Gott sei Dank habe ich meine Brille im Auto gelassen“, urteilte der Trainer über die erste Hälfte der Partie gegen das Schlusslicht TSV Mühlhausen. „Das war ein fürchterliches Spiel.“ Aber eines, in dem die Feuerbacher durch Erdinc Bozoglu wenigstens in Front gegangen waren. Und so griff Secker auf eine altbekannte Halbzeitpausenformulierung zurück: „Spielt Fußball.“ Taten die Feuerbacher dann auch – und beantworteten den Ausgleich der Mühlhäuser kurz nach der Pause mit einem Dreifach-Schlag innerhalb von vier Spielminuten. Ein 40-Meter-Hammer von Tunahan Dogan, ein Abstauber von Dario Babic, ein Kopfballtor des nicht gerade hünenhaften Luca Annunziata nach Vorlage von Raffaele di Muccio – schon war die sportliche Welt von Secker wieder in Ordnung. Zwar kassierte die Sportvg noch das 4:2, aber Bozoglu stellte nach Foul an di Muccio per Strafstoß den alten Abstand wieder her.

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