Heilsbringer für eine Begegnung: Jochen Weber, hauptamtlich Trainer der zweiten Mannschaft der Sportvg, übernimmt im Derby gegen den TSV Weilimdorf die sportliche Verantwortung für das Feuerbacher Bezirksligateam. Foto: Tom Bloch

Der Coach der zweiten Mannschaft springt beim Bezirksligateam der Feuerbacher ein.

Stuttgarter Norden - Einen guten Trainer zu finden ist keine einfache Sache – erst recht nicht mitten in einer laufenden Fußballsaison. Doch just diese Aufgabe hat der Bezirksligist Sportvg Feuerbach vor sich, da sein etatmäßiger Coach Peter Secker am vergangenen Wochenende das Handtuch warf. Am Sonntag trägt zunächst Jochen Weber, Trainer der zweiten Mannschaft der Sportvg, die Verantwortung. Und er trägt viel Verantwortung, denn die abstiegsgefährdeten Feuerbacher bekommen es mit dem Lokalrivalen TSV Weilimdorf zu tun, der seinerseits den zweiten Tabellenrang verteidigen will. Noch zwei weitere Derbys stehen am 21. Spieltag an: Der MTV empfängt den TV 89 Zuffenhausen, Croatia Stuttgart muss sich mit dem SSV Zuffenhausen messen. Beim SC Stammheim und dem FC Stuttgart-Cannstatt gilt die Devise, nach dem Rückschlägen vom vergangenen Wochenende wieder in die Spur zu finden.

Wohl dem, der so viel Vorschusslorbeeren bekommt: „Das ist ein sehr guter Trainer. Der wird die Mannschaft so heiß machen, dass der Rasen brennt.“ Dieses Urteil über Jochen Weber, der bei der Sportvg Feuerbach nach dem Abschied von Trainer Peter Secker zum Interims-Coach gemacht wurde, stammt von Michael Bachmann. Bachmann ist Spielleiter beim TSV Weilimdorf und damit dem nächsten Gegner der Sportvg. Der Gelobte gibt sich bescheiden: „Der TSV hat gerade einen richtig guten Lauf“, sagt Weber vor dem Derby. „Wir werden unser Bestes tun, um den Schaden möglichst gering zu halten.“ Denn auch er hat inzwischen die Erfahrung machen müssen, die schon sein Vorgänger gemacht hat: Trainingsfleiß ist in Feuerbach nicht jedem Kicker gegeben. Immerhin dünnt die Ausfallliste der Sportvg langsam aus: Neben Ralph Wieland, Steffen Zeitvogel und Chris Brand ist auch Herolind Fejzulahi wieder einsatzfähig. Die Weilimdorfer müssen dagegen laut Bachmanns Aussage nach wie vor auf Spielgestalter Cesur Sevimli verzichten.

So viel zum Spiel – doch die Hauptarbeit der Sportvg läuft hinter den Kulissen. Wobei für die Trainersuche das gilt, was bei den Feuerbachern seit Jahren gilt: Für Schnellschüsse ist der Club nicht zu haben. „Es haben sich zwar schon ein paar Kandidaten angetragen, aber eine Entscheidung steht noch aus“, sagt Sportvg-Abteilungsleiter Stephan Eichelmann. Ein neuer Mann muss allerdings definitiv her, denn Interims-Coach Weber wird, sobald die Rückrunde in der Kreisliga A beginnt, seine Arbeit bei der zweiten Mannschaft fortsetzen. Das Anforderungsprofil für den neuen Mann formuliert Feuerbachs Spielleiter Michael Niethammer so: „Er muss zur Sportvg passen, denn wir suchen ja eine längerfristige Lösung“, sagt Niethammer. „Anderswo gibt es drei Trainer in einem Jahr, bei uns in drei Jahren einen Trainer.“

Torjäger Mataija fehlt verletzungsbedingt

Es ist mehr als drei Jahre her, dass sich Ingo Ramljak bei Croatia Stuttgart seine ersten Sporen als Coach verdient hat. Inzwischen ist er Übungsleiter des SSV Zuffenhausen und kehrt mit den Zuffenhäusern am Sonntag an seine alte Wirkungsstätte zurück. Das tut er frei von Emotionen: „Ich hatte bei Croatia eine tolle Zeit, aber inzwischen muss sich jeder um seinen eigenen Brei kümmern.“ Besagter Brei ist eigentlich mehr ein Sumpf, genau gesagt: Der Abstiegssumpf, in dem die Zuffenhäuser monatelang fest steckten und dem sie erst am vergangenen Wochenende ein Stückchen entkommen sind. Doch auch die Kroaten richten ihren Blick zurzeit nach hinten: „Wir haben nur fünf Punkte Polster auf den Relegationsplatz“, sagt Croatia-Coach Igor Ilicic. „Diesen Abstand gilt es zu halten.“ Immerhin kann er wieder auf Eduard Reinhardt, Kevin Reinhardt, Stanislav Vrcan und Andreas Simic zählen. „Alle wieder da, wenn auch nicht in der Verfassung, in der sie eigentlich sein sollten“, urteilt Ilicic. Sein Zuffenhäuser Amtskollege muss dagegen einen schmerzhaften Ausfall verkraften: Martin Mataija, am vergangenen Sonntag noch dreifacher Torschütze, hat sich eine Fußprellung zugezogen.

Apropos Torschützen: Zwei davon könnten sich in der Partie des SC Stammheim beim SV Bonlanden II im direkten Duell messen: Der Bonlandener Nils Wüllbier (zwölf Tore) und der Stammheimer Michele Cinque (13 Treffer). Der Haken: beide sind angeschlagen, bei beiden der Einsatz fraglich. Dafür können die Nord-Stuttgarter in der Defensive wieder mit ein paar Rückkehrern rechnen: Der wieder genesene Torwart Milan Jurkovic wird ebenso im Aufgebot stehen wie die zuletzt schmerzlich vermissten Abwehrkräfte Michael Schunger und Thomas Quast. Die dürften allemal helfen können, das Ziel von SC-Coach zu erreichen: „Wir wollen versuchen, unsere Mini-Krise zu beenden. Am besten in Bonlanden.“

Duell der Enttäuschten: MTV gegen TVZ

Womit wir bei einem Derby wären, dass durchaus unter dem Motto „Duell der Enttäuschten“ laufen kann. Denn der MTV Stuttgart, der es durch die 0:2-Niederlage in Weilimdorf am vergangenen Wochenende wieder einmal verpasst hat, zu den Top-Teams im Klassement aufzuschließen, trifft auf den TV 89 Zuffenhausen, der es seit Wochen verpasst, sich aus dem hinteren Tabellenteil in Richtung Mittelfeld des Klassements zu arbeiten. „Ich gehe davon aus, dass mein Team einiges gutzumachen hat“, sagt MTV-Trainer Francesco Mazzella di Bosco, der mit seinen Kickern aber nicht zu hart ins Gericht gehen will. „Ich habe ein junges Team, da darf man nicht ungeduldig sein.“ Sorge bereitet ihm einzig der Gesundheitszustand von Willie Sauerborn. Der torgefährliche Mittelfeldspieler hat sich eine Erkältung zugezogen. Beim TV 89 wird dagegen definitiv der Stammkeeper fehlen. Angelo Ngrantsanlis hat einen Außenbandanriss im Sprunggelenk erlitten und muss mehrere Wochen pausieren. Für ihn rückt Daniel Weyershäuser auf den Posten zwischen Pfosten.

Beim FC Stuttgart-Cannstatt kann sich Gökhan Dogan, der zusammen mit Recep Yildiz das Trainerduo des FC bildet, vor der Partie beim erstarkten SV Sillenbuch über einen Rückkehrer freuen. Routinier Adjmal Hakimzade steht dem FC wieder zur Verfügung. „Er bringt die Erfahrung mit, die uns beim 2:4 gegen Münster gefehlt hat“, sagt Dogan. Was zur Folge hatte, dass die Serie seines Teams nach 13 Spielen ohne Niederlage riss. Doch die Pleite ist abgehakt, das Ziel wieder anvisiert. Wobei es eigentlich zwei Ziele sind: „Erst die Punkte für den Klassenverbleib holen. Und dann können wir schauen, ob wir Platz zwei in Angriff nehmen“, sagt Dogan.

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