Bettina Limperg referierte anlässlich des Weltfrauentags in Fellbach. Foto: Hoff

Die Präsidentin des Bundesgerichtshofs Bettina Limperg hat in Fellbach über Frauen in der Politik gesprochen – und die Herausforderungen, die ihnen noch immer begegnen.

Das Grundgesetz feiert in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag. Ein gutes Stück jünger ist ein Zusatz zu Artikel 3.2 des Gesetzestextes. Da heißt es: „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“ Erst vor 30 Jahren wurde der Passus verabschiedet. Die Präsidentin des Bundesgerichtshofs Bettina Limperg hat anlässlich des Weltfrauentags in Fellbach die Rolle von Frauen in der Politik beleuchtet.

 

Geringer Frauenanteil in der Politik

Dabei zeigte sie den langen Weg zur Gleichberechtigung auf, indem sie deren Anfänge nachzeichnete. Diese begannen mit der Verabschiedung des Artikels 3.2 des Grundgesetzes, die nur auf Drängen der damals vier weiblichen Mitglieder des Parlamentarischen Rats hin geschah.

Doch Bettina Limperg betonte auch, dass die geschlechtliche Gleichberechtigung noch lange nicht Realität sei und machte dafür auch den noch immer geringen Frauenanteil in der Politik verantwortlich. Sie macht sich deshalb für die Einführung einer Quote stark, um sicherzustellen, dass Frauen nicht weiter unterrepräsentiert seien. Fakt sei aber auch, dass weniger Frauen bereit seien, ein politisches Amt zu übernehmen, so Limperg. Das liege unter anderem an der nach wie vor schlechten Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Auch Oberbürgermeisterin Zull sieht Handlungsbedarf

Die Fellbacher Oberbürgermeisterin Gabriele Zull betonte in ihrer Begrüßungsrede ebenfalls einen Handlungsbedarf: „Es gab und gibt noch viel zu tun.“ Und auch Anneliese Roth, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Fellbach, die mit dem Gleichstellungsbeirat zu der Veranstaltung eingeladen hatte, stellte klar, dass die Gesellschaft von einer gleichberechtigten Welt noch weit entfernt sei.

Einen besonderen Moment der Veranstaltung stellte die Begrüßung durch sechs Fellbacherinnen dar, die den Artikel 3.2 in ihren Muttersprachen, darunter türkisch, arabisch und persisch, zitierten. „Frauenrechte sind weltweit ein Thema“, betonte Bettina Limperg die globale Relevanz der Gleichberechtigung von Frauen und Männern. So scheint es, als gebe es auch nach einem Dreivierteljahrhundert Grundgesetz und Artikel 3.2 noch viel Arbeit.