In Zeiten immer neuer Maschen spielt die Prävention eine Schlüsselrolle. Angstmacherei hilft allerdings niemandem weiter.
Die weinende Tochter am Telefon, ein Anruf von einem vermeintlichen Staatsanwalt oder eine alarmierende Whatsapp-Nachricht vom Enkel: Betrüger probieren mit immer neuen Maschen, arglosen Opfern erkleckliche Geldsummen zu entlocken. Damit sind sie noch immer erfolgreich, wie der nicht abreißende Strom an Meldungen über erfolgte Geldübergaben an Gauner beweist. Das zeigt, dass viele Menschen noch immer nicht über deren Tricks aufgeklärt sind. Und, dass die Wichtigkeit der Präventionsarbeit der Polizei nicht zu unterschätzen ist.
Der Aktionstag, den der Kreisseniorenrat in Böblingen gemeinsam mit der Theatergruppe Holzgerlingen, der Polizei und der Kreissparkasse Böblingen in der vergangenen Woche auf die Beine gestellt hat, war daher Gold wert. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn nur durch beharrliche Aufklärung und herausragende Formate wie diesen, kann es gelingen, den Trickbetrügern das Leben immer schwerer zu machen. Gleichwohl muss konstatiert werden, dass all jene, die daran teilgenommen haben oder darüber in der Zeitung gelesen haben, wohl ohnehin eher zum aufgeklärten Teil der Bevölkerung gehören.
Wie aber diejenigen erreichen, die von den Betrugsmaschen noch immer nichts gehört haben und demnach anfällig sind für die Tricks der Betrüger? Wir Medienschaffende können nicht viel mehr tun, als immer wieder über die Maschen zu berichten und die Warnungen der Polizei weiterzutragen. Die Beamten tun das ihre: Neben der Aufklärungsarbeit tourt dieser Tage wieder der Info-Truck der Polizei zum Einbruchsschutz durch den Landkreis. Unter dem Motto „K-Einbruch“ vermitteln die Beamten wichtige Hinweise, wie die eigenen vier Wände in der dunklen Jahreszeit gegen Langfinger geschützt werden können. Gut so.
Wichtigkeit der Prävention an Schulen
Wichtige Arbeit in der Gewaltprävention leistet die Polizei auch bei denen, die besonders schützenswert sind: Schülerinnen und Schüler an Grund- und weiterführenden Schulen. Die Beinahe-Entführung eines Zehnjährigen im Röhrer Weg in Böblingen am 25. Oktober hat die Wichtigkeit dieser Arbeit überdeutlich gemacht. Zur Erinnerung: Ein 51-Jähriger hatte den Jungen in seinen Transporter gezerrt und war schon im Begriff, mit ihm davonzufahren, als ihn beherzte Zeugen in letzter Sekunde aufhielten und den Jungen aus seinen Fängen befreiten.
Was gerade noch glimpflich ausging, ist der Horror aller Eltern. Da ist es aus menschlicher Sicht verständlich, dass dieser Vorfall Ängste schürte und die Gerüchteküche anheizte. Panikmache hilft in so einem Fall sicher nicht weiter. Auch dabei kommt der Polizei eine Schlüsselrolle zu. Im Landkreis tourt der Oberkommissar Carmelo Gibella durch die Schulen. In Rollenspielen bringt er den Schützlingen wichtige Verhaltensregeln bei. Diese gehen damit gestärkt den täglichen Weg zur Schule oder in den Sport.
Elterntaxi ist keine Lösung
Dies sollte der Umgang sein. Denn aus Angst und Fürsorge sein Kind mit dem Auto bis vor die Schultüre zu chauffieren, kann nicht die Lösung sein. Im Gegenteil: Das schafft nur eine neue Abhängigkeit und das Kind lernt erst recht nicht, selbstbewusst aufzutreten und sicher zu reagieren. Das hier ist kein Aufruf zur Sorglosigkeit – gewiss nicht. Kleine und große Gefahren lauern überall, auch wenn Entführungen wie die versuchte in Böblingen sehr selten sind.
Ein wachsamer und mutiger Umgang mit den Unwägbarkeiten des Alltags kann diese aber am ehesten bannen. Sollte es zum äußersten kommen wie vorige Woche im Röhrer Weg, bleibt den Bedrohten noch immer der beherzte Schrei um „ Hilfe“. Dieser war es, der die Zeugen am 25. Oktober in einem beispielhaften Akt der Zivilcourage einschreiten ließ und den Jungen rettete.