An der Türlenstraße hat die Abfallwirtschaft ihren größten Betriebshof. Solange dieser nicht umzieht, kann auch der Pferdestall nicht zum Bürgerhaus werden. Foto: Fritzsche

Der Betriebshof muss umziehen, bevor der Umbau an der Türlenstraße beginnen kann. Eine Machbarkeitsstudie, welche Betriebsbereiche auf das Epple-Gelände verlegt werden können und für welche anderweitig Platz gefunden werden muss, soll den Gremien Anfang 2014 vorgestellt werden.

Heilbronner Straße - Schon lange steht ein Bürgerhaus für den Bezirk Nord auf sämtlichen Wunschlisten, die ein Stadtteil so vorzuweisen hat: auf der des Bezirksbeirats und der Bezirksvorsteherin, der Betreuungsstadträte, im Bürgerhaushalt. Der Wunsch ist, im Zuge der Neubebauung des Bürgerhospital-Areals das Bürgerhaus auf dem Gelände unterzubringen, wo momentan noch die Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) ihren Betriebshof hat. Dort befindet sich ein altes, rot-weißes Klinkergebäude: diesen ehemaligen Pferdestall wünschen sich die Lokalpolitiker als Bürgerhaus. So sehen es auch die Pläne des Amts für Stadtplanung und Stadterneuerung vor.

Nur muss eben zunächst der Bauhof, die größte Betriebsstelle der AWS, umziehen, bevor das Bürgerhaus in Angriff genommen werden kann. Als neuen Standort hatte die Verwaltung das ehemalige Epple-Areal in Bad Cannstatt an der Quellenstraße gefunden. Der dortige Bezirksbeirat hat sich bisher jedoch wiederholt dagegen ausgesprochen: die Fraktionen von SPD und Grünen möchten eine Mischnutzung aus Wohnen und Arbeiten, die CDU ist für eine gewerbliche Nutzung durch kleinere Handwerksbetriebe. Weitere Alternativen gibt es nicht, und so lange die Entscheidung, wohin der Betriebshof kommen soll, nicht gefällt ist, stockt auch die restliche Planung entlang der Türlenstraße.

Rasche Aufklärung der Lärmursache

Darauf haben die Bezirksbeiräte Nord auch in ihrer jüngsten Sitzung nochmals mit Nachdruck hingewiesen. Der Anlass war ursprünglich ein ganz anderer: die Grünen hatten einen Antrag gestellt, in dem sie wissen wollten, warum es in den vergangenen Wochen so oft großen Lärm auf dem Betriebshof gegeben habe. Dazu war Thomas Heß, der Leiter der AWS, eingeladen worden. Der Lärm ließ sich rasch aufklären: Große Müllcontainer, die 1,1 Kubikmeter an Volumen fassen, mussten mit einem „Deckel im Deckel“ nachgerüstet werden, um zu ermöglichen, dass der schwere Deckel auch von innen wieder aufgedrückt werden kann, sollte sich etwa ein Kind darin einsperren. „Es gibt eine EU-Richtlinie, die das besagt“, sagte Heß. Diese Nachrüstungsarbeiten seien aber nun beendet. Die Lärmentwicklung sei ein weiterer Hinweis darauf, dass der Betriebshof dort weg solle, sagte SPD-Bezirksbeirat Sebastian Sage. „Das Gelände an der Quellenstraße ist ein ideales Ausweichquartier“, sagte auch Ralph Wöhrle (Bündnis 90/Die Grünen). Bezirksvorsteherin Andrea Krueger betonte: „Man sollte es vermeiden, für nötige Investitionen auf dem Betriebshof Geld in die Hand zu nehmen, wenn er doch umziehen soll.“ Thomas Heß indes konnte zur Sache nicht viel sagen. „Solange wir keinen Ersatzstandort haben, können wir nicht weichen“, sagte er. 130 Mitarbeiter plus Fahrzeuge und Material seien betroffen. „Das Epple-Areal ist zwar 25 Prozent kleiner als das Gelände Türlenstraße, aber es wäre technisch möglich. Wir harren der Dinge“, schloss der AWS-Chef.

Auf Nachfrage dieser Zeitung ergänzt die AWS-Pressesprecherin Annette Hasselwander: „Der Eigenbetrieb AWS hat mehrere Suchläufe nach einem adäquaten Ersatzstandort in Zentrumsnähe gestartet - ohne Erfolg, mit Ausnahme des Angebots der Verlagerung auf das ehemalige Epple-Gelände. Das Gelände ist bisher das einzige geeignete und verfügbare Grundstück für die Belange der AWS, auch wenn dort nicht alle Betriebsbereiche untergebracht werden können.“

Machbarkeitsstudie Anfang 2014

An der Türlenstraße wird die Müll- und Wertstoffabfuhr für rund 200 000 Einwohner aus Mitte, Nord, Ost, Süd, West und Botnang erledigt, zusätzlich Sperrmüll, Grüngut und der Containerdienst für die ganze Stadt. Eine Machbarkeitsstudie, welche Betriebsbereiche auf das Epple-Gelände verlegt werden können und für welche anderweitig Platz gefunden werden muss, läge vor, so Hasselwander. Sie soll den Gremien Anfang 2014 vorgestellt werden.

Das Bürgerhaus liegt auch Sabine Mezger sehr am Herzen. Die CDU-Gemeinderätin war selbst viele Jahre Mitglied des Bezirksbeirats Nord, ist im Bezirk aufgewachsen, wohnt bis heute dort und kennt deshalb die Problematik nur zu gut. „Das Bürgerhaus ist ja nicht nur lang ersehnt, sondern wir brauchen es auch dringend“, sagt sie. Mit rund 17 000 zusätzlichen Einwohnern in S-Nord werde dank der vielen Bauprojekte in den nächsten Jahren gerechnet: neben dem Staiger-Areal und dem Azenberg-Gebiet ist hier auch das Bürgerhospital-Gelände sowie das neue Rosensteinquartier, das durch Stuttgart 21 entsteht, zu nennen. Es brauche also ein Zentrum für die Menschen: „Der alte Pferdestall liegt gut, weil er nicht auf dem Killesberg und nicht am Nordbahnhof liegt, sondern genau mittendrin“, meint Mezger und fügt an: „Das Thema steht im neuen Jahr ganz oben auf meiner Dringlichkeitsliste.“

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