Mit selbst gemalten Plakaten zeigen Kinder und Eltern, was sie von den Plänen halten. Foto: Torsten Schöll

Der katholische Kindergarten Bruder Klaus in Heslach steht vor dem Aus. Das Gebäude ist alt, eine Sanierung gestaltet sich schwierig, es droht der Abriss.

Der katholische Kindergarten Bruder Klaus in Heslach steht vor der Schließung. Nach Informationen des Stadtdekanats soll die Einrichtung mit 44 Plätzen für Kinder zwischen zwei und sechs Jahren im Sommer 2026 ihren Betrieb einstellen. Eltern und Kinder haben vergangene Woche im Bezirksbeirat Süd gegen die Schließung protestiert.

 

Die Kindergartenkinder streckten im Gremium selbstgemalte Bilder in die Höhe, die die Kita und den drohenden Abriss zeigen. Die Leiterin der Einrichtung, Jeanette Nentwich, betonte, dass mit dem vergleichsweise kleinen, zweigruppigen Kindergarten „eine seit über 50 Jahren im Stadtteil tief verankerte Institution“ schließe. Angesichts der angespannten Betreuungssituation in Stuttgart müsse das Aus der Kita überdacht werden.

Ein Neubau würde gegen geltendes Recht verstoßen

Nentwich kritisierte den weit verbreiteten Trend zu großen Kindergärten. „In solchen großen Einrichtungen geht es häufig nur noch um Aufbewahrung, nicht mehr um Bildung“, so die Kita-Leiterin. Als Grund für die Schließung der Kita Bruder Klaus gibt das katholische Stadtdekanat den baulichen Zustand des in die Jahre gekommenen Gebäudes in der Finkenstraße 39 an.

Wie Dekanats-Sprecherin Nicole Höfle erklärte, sei ursprünglich geplant gewesen, anstelle des bisherigen Gebäudes einen Neubau für vier Gruppen zu errichten. Bereits 2014 sei seitens der Stadtverwaltung mitgeteilt worden, dass „das Bauvorhaben wegen Verstößen gegen bestehendes Planungsrecht und gleichzeitig erhobener Anwohnereinwendungen nicht genehmigungsfähig“ sei.

Weitergehende Planungen hätten gezeigt, dass selbst ein Neubau für zwei Gruppen auf dem engen Grundstück nicht machbar sei, sagte Höfle. Die Sprecherin erklärte darüber hinaus, dass auch bei einer Generalsanierung des Bestandsgebäudes eine „Anpassung an den heutigen Standard erfolgen müsste“. Untersuchungen hätten gezeigt, dass dies mit dem bestehenden Gebäude nicht erreichbar seien.

Stadtdekan Christian Hermes, so das Stadtdekanat, habe nun gleichwohl vergangene Woche bei einem Gespräch mit den Eltern angekündigt, „erneut eingehend“ prüfen zu lassen, ob die Kita doch saniert werden kann. Für den Fall einer endgültigen Schließung zum Ende des Kindergartenjahres 2025/2026 rechnet das Dekanat mit noch 13 verbliebenen Kindern. „Sie haben eine feste Zusage bekommen, dass sie einen Platz in einer anderen Kita des Katholischen Dekanats bekommen“, erklärte Höfle.

Eine Sanierung würde mit 1,5 Millionen Euro zu Buche schlagen

Der Pastoralreferent der katholischen Kirchgemeinde Stuttgart-Süd, Andréas Hofstetter-Straka, hatte in der Bezirksbeiratssitzung die Sanierungskosten auf rund 1,5 Millionen Euro beziffert. Diese Summe müsse die Stadtkirche selbst finanzieren, weil eine Förderung durch die Stadt nur bei einer Angebotserweiterung möglich sei, so Hofstetter-Straka. „Hierfür bekommt die Stadtkirche von der Diözese in Rottenburg aber keine Erlaubnis.“

Grundsätzlich verringert die katholische Kirche auf Grund schwindender Mitgliederzahlen aktuell ihren Immobilienbestand. Das Dekanat betont, dass dieser Prozess im Fall der Kita Bruder Klaus nicht ausschlaggebend sei.

Die Stadtverwaltung teilte mit, dass für den 24. April ein Gespräch mit Vertretern des Dekanats vereinbart sei. „Ob eine Übernahme des Gebäudes durch die Stadt in Betracht kommt, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden“, so ein Sprecher.