Das Stuttgarter Katzencafé muss jetzt ohne Katzen auskommen. Das Veterinäramt hat dem Betrieb die Genehmigung entzogen. Der Betreiber Daniel Di Stefano gibt sich schuldbewusst – und die Gäste sind traurig.
Im Happy Cats Café herrscht jetzt traurige Stimmung: Blue und Spooky dürfen nicht mehr durch den Gastraum im Stuttgarter Westen tigern. Das städtische Veterinäramt hat den Betreibern die Genehmigung dafür entzogen, zwei Katzen in ihrem Lokal zu halten. „Wir müssen uns für schuldig erklären“, räumt Daniel Di Stefano ein. Er und seine Frau Miya hätten eigenmächtig die Anzahl der Katzen auf vier und einmal auf sechs Stück erhöht. Doch dabei hätten sie nur das Wohl der Tiere im Sinn gehabt. Daniel und Miya Di Stefano wollen Einspruch gegen den ordnungsrechtlichen Bescheid einlegen – und sie haben noch einen Plan B.
Überall die Warnung gepostet
„Café weiterhin geöffnet jedoch aufgrund behördlicher Vorgaben leider ohne Katzen“, hat Daniel Di Stefano nun in allen Kanälen gepostet und auf die Fenster seines Lokals an der Ecke zwischen Arndt- und Bebelstraße geschrieben. Er will verhindern, dass jemand einen möglicherweise weiten Weg auf sich nimmt und dann enttäuscht ist. Eine treue Stammkundschaft und ein großes Einzugsgebiet konnte das Ehepaar seit der Eröffnung des Happy Cats Café im November 2021 aufbauen. Pro Monat reservierten sich im Schnitt 1000 Gäste eines der 90-minütigen Zeitfenster, um bei Bubble Tea, Ramensuppe oder Affogato die Tiere zu streicheln oder nur zu beobachten. Zusätzlich schauten zahlreiche Besucher auf gut Glück vorbei. „Es tut weh, nun im Café zu stehen, ohne dass einem die Fellnasen entgegen kommen zum Kuscheln“, sagt Daniel Di Stefano.
Laut dem Stuttgarter Veterinäramt ist „die mangelnde Zuverlässigkeit der verantwortlichen Person, sich an die abgestimmten und erteilten Auflagen zu halten“, maßgeblich für den Entzug der Genehmigung. Die Stadt habe die Inhaber mehrfach darüber aufgeklärt und beraten, wie das Katzencafé zu betreiben sei, und die Auflagen mit ihnen abgestimmt. Die Behörde orientiert sich dabei an den Vorgaben für „eine tierschutz- und hygienerechtlich verantwortbare Katzenhaltung“. Nach der Einschätzung des Amtstierarztes sind die Räume nur für die Haltung „von maximal zwei untereinander verträglichen und ausgeprägt menschenbezogenen Katzen“ geeignet. Diese beiden Betriebskatzen sollten dauerhaft dort wohnen und nicht pendeln müssen, sonst hätten sie sich daheim bei den Di Stefanos wieder in die dort lebende Katzengruppe integrieren müssen.
Bei mehreren Kontrollen mehr Tiere als erlaubt
Bei sechs Kontrollen des Amtes streunten aber mehr als die zwei genehmigten Katzen durch das Café. Die Beamten bemängelten darüber hinaus, dass nicht jedes Tier seinen eigenen Trink- und Futternapf sowie eine eigene Toilette hatte. Auch bei deren täglicher Reinigung gab es wohl Mängel. Verstoßen hatte das Happy Cats Café darüber hinaus gegen folgende Vorschrift: „Es dürfen keine Katzen mit Qualzuchtmerkmalen und keine Wildkatzenhybriden im Katzencafé gehalten werden“, teilt die Stadt mit. Dazu zählen bestimmte Rassen wie Perserkatzen und exotische Kurzhaarkatzen oder weiße Katzen. Vor dem Entzug der Genehmigung wurden die Di Stefanos schriftlich aufgefordert, sich künftig an die Auflagen zu halten – und das taten sie nicht. Für die Stadt alles in allem zu viel Unzuverlässigkeit – was „die Belange der Tiere als auch die hygienerechtlichen Vorgaben, die beim Betrieb eines Café zu berücksichtigen sind“, angeht.
Keine seiner Katzen und keiner seiner Besucher sei seit Bestehen des Happy Cats Cafés verletzt worden, kontert Daniel Di Stefano. Seine Tiere sei vielmehr „sehr entspannt“ und zusammen aufgewachsen. Sie würden sich oft ihr Futter teilen, erzählt er. Und in der Urlaubszeit seien die Betriebskatzen harmonisch vom heimischen Rudel aufgenommen worden, „alle haben sich gefreut, zusammen zu spielen“. Ihm gehe es darum, den Gästen seine Katzen und die verschiedenen Rassen „näher zu bringen und ein Anlaufpunkt zu sein für Menschen, die keine Katzen halten können“. Weil sich bei gutem Besuch aber eine der zwei Betriebskatzen oft zurückgezogen hatte, brachte er Unterstützung von zu Hause mit. Waren vier Katzen im Einsatz, blieben ihm zufolge alle vier im Café, und es war viel ruhiger, weil die Gäste sitzen blieben statt herumzulaufen. „Wir finden es nicht gerecht, zwei Katzen die ganze Arbeit erledigen zu lassen“, sagt er. Immer wieder bemühte er sich deshalb beim Veterinäramt darum, mehr Tiere einsetzen zu dürfen.
Zu strenge Vorschriften in Stuttgart?
Daniel Di Stefano kritisiert, dass die Vorschriften in Stuttgart besonders streng seien. Im Münchner Katzentempel sind beispielsweise sechs „gutmütige Tempeltiger“ im Einsatz. Das 2013 in der bayerischen Hauptstadt gegründete Unternehmen betreibt im Franchisesystem bundesweit elf weitere Filialen. Der Leipziger Katzentempel dürfe vier Mal so viele Tiere laufen lassen – bei nur doppelter Quadratmeterzahl wie sein Betrieb, berichtet Daniel Di Stefano. Das Veterinäramt fordert für eine Aufstockung größere Rückzugsmöglichkeiten und mehr Bewegungsflächen. Die zuständigen Kollegen in den anderen Städten würden „die gleichen Rechtsgrundlagen für ihre Entscheidungen anwenden“, erklärt die Stadt. Rücksprachen hätten ergeben, dass die Katzen in den anderen Betrieben eben mehr Platz hätten.
Die Di Stefanos suchen nun nach einem alternativen Standort. Aber leicht wird es nicht: Vom Tübinger Veterinäramt hat er auf die Anfrage bereits eine Absage erhalten. „Es ist noch so frisch, wir sind noch in der Findungsphase“, sagt Daniel Di Stefano, „und das Happy Cats Café ist jetzt ein normales Café“. Blue und Spooky werden derweil von den Stammkunden vermisst. Es kam schon der Vorschlag, eine Petition zu starten. „Wir waren so gerne bei Euch und haben uns sehr wohl gefühlt“, lautet ein Kommentar auf Facebook, „alles war in Ordnung für Menschen und Katzen.“