Yurii, Lamin, Kemal, Anasstasiya, Mariya und Michael als Ehrenamtlicher (von links) haben sich viel zu erzählen. Foto: Sandra Lesacher

Seit mehr als vier Jahren gibt es den „Sprechtreff Deutsch“ in der Ludwigsburger Stadtbibliothek. Eine Erfolgsgeschichte.

Yurii, Lamin, Kemal, Mariya und Anasstasiya haben sich viel zu erzählen. Sie kommen aus der Ukraine, aus Gambia, der Türkei und Kasachstan. Heute diskutieren sie über das Schulsystem – auf Deutsch. Jeden Mittwoch kommen sie zum „Sprechtreff Deutsch“ in die Ludwigsburger Stadtbücherei, so wie um die 40 andere aus aller Herren Länder von Japan bis Syrien.

 

An den Tischen im Veranstaltungsraum und im Lesegarten finden kleinere Grüppchen zusammen und sprechen Deutsch miteinander. Seit mehr als vier Jahren gibt es das Angebot. Das Ludwigsburger Büro für Integration und Migration und die Stadtbibliothek bieten den „Sprechtreff Deutsch“ gemeinsam an. Es geht darum, sich über Alltägliches zu unterhalten, es wird gelacht, diskutiert, es werden gemeinsam Spiele gespielt, Wimmelbilder beschrieben, Glückskeks-Texte vorgelesen. Ziel ist es, Deutsch besser sprechen und verstehen zu lernen.

Gemeinsam plaudern für besseres Deutsch

Ehrenamtliche begleiten das Projekt. So wie Michael. Er sitzt gemeinsam mit Yurii, Lamin, Kemal, Mariya und Anasstasiya am Tisch. Wie seine Kollegen bringt auch er immer wieder Themen mit, über die die Gruppe sprechen kann. Dann wird geplaudert – und hin und wieder auch verbessert.

Yurii ist 50 Jahre alt und hat in der Ukraine als Schauspieler an einem Theater gearbeitet bis der Krieg kam. „Jetzt bin ich in Deutschland“, sagt er. „Ich muss gut Deutsch sprechen.“ Hier im Sprechtreff könne er effektiv lernen. Lamin, 25 Jahre alt, kommt aus Gambia. Er arbeitet als Altenpfleger. Der 40-Jährige Kemal stammt aus der Türkei und arbeitet als Mathelehrer an einer internationalen Schule. Mariya und Anasstasiya, Mutter und Tochter, kommen aus Kasachstan. Die 14-jährige Anasstasiya möchte Grafikdesignerin werden. In der Schule geht ihr das Deutschlernen zu langsam, deshalb lernt sie viel zuhause – und kommt mit ihrer Mutter zum Sprechtreff.

Das Angebot ist charmant für die Teilnehmer. „Jeder kann die Hürden in der Höhe nehmen, wie es für ihn passt“, sagt Oliver Altmann, der Leiter der Bibliothek. „Es gibt keine Erwartungshaltung.“ Er freut sich, dass es so erfolgreich läuft. „Ein sehr gelungenes Beispiel eines niederschwelligen Angebots, das gerade dadurch großen Anklang findet.“

Anfang 2019 startete der „Sprechtreff Deutsch“ und etablierte sich schnell. Während Corona wurden die Treffen online angeboten. Eine Gruppe, die sich nun immer mittwochs um 17 Uhr virtuell trifft, besteht bis heute. Auch hier leitet ein Ehrenamtlicher die Runde.

Weitere freiwillige Helfer sind freilich stets willkommen

Insgesamt sind es rund 20 Freiwillige, die sich im Wechsel im Sprechtreff einbringen. Fünf bis sechs sind bei den Terminen jeweils vor Ort. Wann das ist, darf jeder für sich entscheiden. „Es gibt eine Liste, da tragen sich die Ehrenamtlichen selbst ein“, erklärt Kristina Sagel-Strittmatter vom städtischen Fachbereich Gesellschaftliche Teilhabe, Soziales und Sport. Weitere freiwillige Helfer sind freilich stets willkommen. Dafür muss man keine pädagogischen Vorkenntnisse haben. Spaß an der Sache und ein paar Ideen reichen vollkommen aus.

Koordiniert wird der Sprechtreff von Iryna Verbivska. Als Dolmetscherin weiß sie, wie wichtig deutsche Sprachkenntnisse sind. Als sie selbst im April vor zwei Jahren aus der Ukraine flüchtete, hatte sie aufgrund ihrer Deutschkenntnisse innerhalb einer Woche eine Stelle bei der Stadt und gleich mehrere Jobangebote. „Alle anderen haben nicht so gute Chancen“, sagt sie.