Für das aktuelle Programm gab’s den baden-württembergischen Kleinkunstpreis. Foto: Jonas Appel

„Gute Musik geht immer“. Das Musik-Comedy-Trio Berta Epple ist mit dem baden-württembergischen Kleinkunstpreis ausgezeichnet worden. Das Publikum gewinnen die Männer aber nicht nur mit Jazz, Swing, Chanson und Weltmusik.

Korntal-Münchingen - Für Gregor Hübner ist es nur ein Katzensprung von Stuttgart nach New York. „Hin und her zu pendeln ist für mich normal“, sagt der Geiger und Komponist, der zusammen mit seiner Familie schon seit über zwei Jahrzehnten im Stadtviertel Harlem lebt. An diesem Abend steht er gemeinsam mit seinem Bruder, dem Kontrabassisten Veit Hübner, wohnhaft in Korntal (Landkreis Ludwigsburg), und dem Schlagzeuger Bobbi Fischer aus Ebersbach an der Fils auf der Bühne der gut besuchten Stuttgarter Sparda-Welt.

Die Hübner-Brüder und Fischer, das ist das Musik-Comedy-Trio Berta Epple. Seit drei Jahrzehnten machen die mehrfach preisgekrönten Musiker miteinander Musik, zunächst als Tango Five. Dann seit 2012, als einer der damaligen Mitspieler eine Professur in Norddeutschland annahm, zu dritt als Berta Epple. Den Band-Namen lieh sich das Trio von dem Neckarschiff gleichen Namens. Der Kahn aus Stuttgart kreuzt mittlerweile auf der Seine in Paris. Und auch die Musiker von Berta Epple schauen weit über den schwäbischen Tellerrand hinaus, natürlich in ihrem aktuellen, mit dem Baden-Württembergischen Kleinkunstpreis ausgezeichneten Programm.

Sinatras „My Way“ funktioniert auch auf Schwäbisch

Ob Jazz, Swing, Tango, Chanson, Klezmer, Weltmusik oder Klassik – Berta Epple kann alles. „Gute Musik geht immer“, sagt Veit Hübner. Dass die verschiedenen Stilrichtungen wunderbar miteinander harmonieren, wenn sie perfekt vorgetragen sind, zeigt die Band an diesem Abend auf unterhaltsame Weise.

Virtuos ist das Violinenspiel Gregor Hübners, der mit seinem New Yorker Sirius-Streichquartett auch international unterwegs ist und in München eine Gast-Professor für Jazz-Komposition innehat. Zurückhaltender sein Bruder Veit Hübner am Kontrabass. In den jazzigen Soli wird freilich schnell klar: Auch hier spielt einer, der sensibel sein Instrument beherrscht. Dass Klassiker wie Frank Sinatras „My Way“ auch auf Schwäbisch funktionieren, beweist Bobbi Fischer mit seiner klaren Stimme. Gefühlvoll singt er vom Kulturkampf um den besten Kartoffelsalat, der zwischen Süd- und Norddeutschland tobt, überzeugt bei den locker-flockigen Percussion-Einlagen am Klavier und an der Ukulele.

Die Zuschauer lachen viel

In den allerbesten Momenten, wenn die Musiker improvisieren und sich der Flow einstellt, ist es, als wäre der Neckar das Tor zur Welt – und die Berta Epple gleite von dort direkt in die Seine, den Rio de la Plata oder den Hudson River. Unterwegs nimmt das Schiff den einen oder anderen illustren Weltbürger mit an Bord, Kurt Tucholsky etwa, Wolfgang Amadeus Mozart oder Astor Piazzolla. Zusammen mit diesem Personal und ihren Instrumenten haben die drei Musiker sichtlich viel Spaß. Die Zuschauer lachen viel, wenn es zur schönen Musik auch mal deftige Texte gibt, etwa wenn das Trio einen gefürchteten Besuch beim Zahnarzt musikalisch verarbeitet oder vermeintlich lebensverlängernde Maßnahmen wie das Treiben von Sport besingt.

Bobbi Fischer, Gregor Hübner und Veit Hübner sind Tausendsassa in ihrem Metier. Allesamt sind sie klassisch ausgebildet, mit Wurzeln an der Musikhochschule Stuttgart. Sie sind oder waren tätig als Solisten, Orchestermusiker, Lehrer, Komponisten, Dirigenten, Chorleiter, künstlerische Leiter im Theater- oder Festivalbetrieb, Vereinsvorsitzende. Sieht man sich die einzelnen Lebensläufe an, stechen immer wieder Namen ins Auge, die lokal oder international etwas gelten: Stuttgarter Theaterhaus oder Residenzschloss Ludwigsburg und Carnegie Hall, Einhalden Festival und Montreux Jazz Festival, Fola Dada und Smokey Robinson, Jazz Preis Baden-Württemberg und Latin-Grammy-Nominierung. „Die kennet was“, heißt das dann auf gut Schwäbisch, wenn sich die Zuschauer in der Sparda-Welt über Berta Epple unterhalten.

„Die Rente ist sicher“

In der Pause stehen die drei Musiker am Verkaufstisch und bieten ihre CDs an. „Es gibt einen Extra-Rabatt für drei – exklusiv in diesem Bundesland“, hatte Veit Hübner noch von der Bühne herunter gefeixt. Mit dem Ohrwurm „Geld verdienen, wir woll’n Geld verdienen“ entlässt die Band nach der zweiten Zugabe ihr Publikum und begibt sich wieder zum CD-Tisch – nicht ohne vorher die Besucher aufzufordern, noch ein paar Brezeln mitzunehmen: „Sonst gibt es wieder wochenlang nur Knödel.“ „Die Rente ist sicher“, heißt Berta Epples absolut sehens- und vor allem hörenswertes Programm.

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