Herbert Grönemeyer und Bands wie „Fettes Brot“ traten am Sonntagabend in München bei einem Benefiz-Konzert für freiwillige Flüchtlingshelfer auf. Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie und sehen Sie, wer außerdem dabei war. Foto: dpa

Ein ganz besonderes Dankeschön ging am Sonntagabend an all jene, die sich seit Wochen in der Flüchtlingshilfe in München beteiligen: Bands wie die „Sportfreunde Stiller“ und „Blumentopf“ und Herbert Grönemeyer traten für sie bei einem Benefiz-Konzert auf.

München - Kummer, Not und Angst - für viele Flüchtlinge seit Monaten Begleiter auf ihrer langen und oft lebensgefährlichen Reise. Umso überwältigender dann ihr Empfang in Deutschland: Tausende ehrenamtliche Helfer hießen sie aufs Herzlichste willkommen. Bilder etwa vom Hauptbahnhof München gingen um die Welt, wo die Freiwilligen unermüdlich rund um die Uhr die Flüchtlinge mit dem Notwendigsten versorgten. Zeit, Danke zu sagen, fanden die Sportfreunde Stiller. Mit der Stadt München und der Initiative Bellevue di Monaco hatten sie tausende Helfer am Sonntagabend zu einem kostenlosen Konzert auf den Königsplatz eingeladen. Mit dabei: Hochkarätige Bands für einen schönen Abend voller Emotionen. Judith Holofernes, Fettes Brot, der Comedian Michael Mittermeier. Auch Herbert Grönemeyer hatte sich angekündigt.

Es war ein Abend der großen Gefühle. Gleich zu Beginn hatte die Band Dreiviertelblut mit Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) an der Gitarre den Takt vorgegeben: Mit dem neuen Song „Mia san ned nur mia“ - wir sind nicht nur wir. Eine Parole, die von den knapp 24.000 Menschen begeistert bejubelt wurde. „Mir san ned nur mia, mia san die Wolken und der Sand und mir san alle mitanand unterwegs“ (Wir sind nicht nur wir, wir sind die Wolken und der Sand und wir sind alle miteinander unterwegs). Keine Stacheldrahtzäune an deutschen Grenzen, keine neuen Mauern, für Dreiviertelblut klare Sache: „I mog koa Mauer vor der Tür.“ Ebenso für die Sportfreunde Stiller: „Die Welt ist groß genug, wir sind nicht allein, zündet die Kerzen an, in New York, Rio, Rosenheim“.

„Ein ganz herzliches Willkommen hier, ich finde es begeisternd, dass ihr alle heute hergekommen seid“, hatte Oberbürgermeister Reiter alle zu dem Open-Air-Konzert „WIR. Stimmen für geflüchtete Menschen“ begrüßt. Seine Bitte: Trotz Drohgebärden so mancher Politiker weiter machen! „Lasst euch nicht irritieren. (..) Bange machen gilt nicht!“. München werde weiter ein freundliches Gesicht zeigen. Und an die Flüchtlinge: „Ich bin glücklich, Euch hier zu sehen, sicher und in Freiheit, willkommen in München.“ Dankesworte auch von Moderator Joko Winterscheidt: „Ihr seid unglaublich!“, gab er den vielen Helfern mit, die trotz der Kälte immer wieder jubelten und sich mit Tanzen und Hüpfen warm hielten, etwa zu den Beats von Fettes Brot oder den Donots. „Die sind einfach hier, weil sie das Herz am rechten Fleck haben“, lobte Winterscheidt die Zuschauer.

Unverhoffter Moment der Stille

Auch der Comedian Michael Mittermeier nahm scharfzüngig Stellung gegen die Politiker, die sich viel zu spät mit diesem Thema beschäftigten. „Beim letzten G7-Gipfel waren Flüchtlinge nicht wirklich ein großes Thema“, erklärte er. Gegen ein Treffen der Mächtigen habe er nichts. „Um beschissene Zustände zu ändern, brauchen wir auch die Ärsche dazu.“

Dann mittendrin: Ein völlig unverhoffter Moment der absoluten Stille. Gänsehautgefühl, als auf dem Platz mit fast 24.000 Menschen absolute Ruhe herrscht bei der „Schweigeminute“ von Raoul Haspel. „Nicht nur als Minute der Trauer, sondern auch der Solidarität“, sagte der Wiener Künstler. Eine „Minute des Herzens“, dazu ein Lichtermeer von Tausenden Handys.

In all dem Trubel Julia aus München. Die 21-Jährige war im September eine Nacht am Hauptbahnhof, um bei der Versorgung der Flüchtlinge zu helfen, die in dieser Zeit in beispiellosen Massen ankamen. „Es war total interessant zu sehen, wie die Leute dort ankamen. Ein älterer Mann mit einem Krückstock aus Syrien, da stockt einem kurz der Atem. Oder eine Familie mit drei oder vier Generationen, das fand ich schon sehr bewegend“, erzählt sie. Für die Ethnologie-Studentin war es keine Frage, zum Hauptbahnhof zu fahren. „Weil ich Zeit hatte. Wenn Leute Hilfe brauchen, muss man helfen.“

Bilder und Momente aus München, auf die viele bis heute stolz sind und die in internationalen Medien mit Hochachtung und Verwunderung aufgenommen wurden. Auch die vielen Musiker erinnerten immer wieder an diese spontane und herzliche Hilfsbereitschaft. Die Sängerin Judith Holofernes hatte für diesen Abend sogar ein Lied geschrieben: „Das Herz der Welt soll dein Herz tragen, bis Hilfe kommt.“ Ihr zur Seite, der Pianist Aeham Ahmad, der in den Ruinen von Damaskus auf der Straße gegen Islamismus Klavier gespielt hatte, mitunter von singenden Kindern begleitet. In einem waren sich alle einig: Keine Zäune gegen Flüchtlinge - oder um es mit der an diesem Abend viel zitierten Bundeskanzlerin Angela Merkel zu sagen: „Wir schaffen das!“.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: