Magdalena Fleischmann und Katharina Port zeigen wie sich an der absenkbaren Vorhangschiene die Vorhänge bequem einfädeln lassen. Foto: Lichtgut/ Oliver Willikonsky

Gymnasiastinnen aus Bad-Cannstatt machen das Aufhängen von Vorhängen sicherer. Auf ihre Geschäftsidee hat sie ihre Großmutter gebracht

Stuttgart - So folgenschwer kann ein Anruf der Oma sein. Ihre Bitte um Hilfe beim Auf- und Abhängen der Gardinen brachte die Gymnasiastinnen Katharina Port und Magdalena Fleischmann eine Reise nach Kalifornien ins Silicon Valley ein. Dort werden sie einerseits Start-up-Unternehmen besuchen, andererseits auch Google.

Vielleicht gehören die beiden Schülerinnen vom Albertus-Magnus-Gymnasium in Bad Cannstatt bald selbst zum Kreis der erfolgreichen Jungunternehmerinnen. „Aber zuerst kommt noch das Abitur“, sagt Lehrerin Gabriele Schwelling. Die Schülerinnen haben beim deutschlandweiten Wettbewerb „Jugend gründet“ im Bundesfinale den ersten Platz erreicht, und die einwöchige Reise in die USA ist ihr Preis für ihre Geschäftsidee Gardifix. Der Slogan auf ihren Firmen-T-Shirts beschreibt das, worum es geht, kurz und knapp: „Gardifx – Gardinen wechseln als wär’ es nix.“

Omas Hilferuf wird Geschäftsmodell

Die beiden 16- und 17-jährigen Mädchen haben einen Gardinenlift erfunden, mit dem sich die Schienen der Gardinenstange mithilfe eines kleinen Motors senken lassen. „So kann sogar ein Rollstuhlfahrer die Vorhänge abnehmen und wieder aufhängen“, erklärt Katharina Port. Der Balanceakt auf der Haushaltsleiter entfällt. So wurde der Hilferuf ihrer Großmutter zum Geschäftsmodell. Mit dem sind die Schülerinnen im März zu den Regionalausscheidungen des Bundeswettbewerbs nach Leipzig gereist und kamen in die Endrunde, bei der sie unter acht Mitbewerbergruppierungen am 21. Juni im Porsche-Ausbildungszentrum den ersten Preis bekamen.

In Leipzig hatten die Schülerinnen nur ihre Idee und ihre Unternehmensstrategie präsentiert. Einen Prototyp ihres Gardinenwechslers gab es damals noch nicht. „Die Technik haben wir dann zu Hause selbst entwickelt“, sagt Magdalena Fleischmann. Ein Sponsor aus Hamburg hat ihnen das Modell kurzfristig gebaut, so dass sie im Porsche-Ausbildungszentrum ein Gardifix in Kleinformat präsentieren konnten. Innerhalb weniger Wochen haben sie das alles umgesetzt. Nebenbei mussten sie in der Phase der Planspiele, die zum Wettbewerb gehört, beweisen, dass sie unternehmerisch denken. „Ich rate den Jugendlichen davon ab, eine App zu kreieren. Das will keiner mehr“, betont sie. „Sie sollen sich etwas ausdenken, was die Leute im Alltag brauchen“, sagt Gabriele Schwelling, die Wirtschaft unterrichtet.

Eine App will keiner mehr

Absicherung gegen Ideenklau

Die Schülerinnen haben eine Firma gefunden, die ihr Gardifix produzieren wird – und einen Raumausstatter in Stuttgart, der ihre Erfindung vertreibt. Die kann ihnen keiner klauen, weil sie patentiert ist.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: