Noch bevor Leonbergs Oberbürgermeister Martin Georg Cohn und Leo-Center-Managerin Nadine Fensterer die Torte anschneiden, will eine kostümierte Stadträtin protestieren – und wird aus dem Einkaufszentrum eskortiert.
Es war dann doch ein Farbtupfer, wenn auch nur kurz. In die Riege der Stadträte und -rätinnen, die am Mittwochvormittag ins Leo-Center zu den Jubiläumsfeierlichkeiten gekommen waren, hatte sich auch die Grünen-Vertreterin Gudrun Sach eingereiht – im Hippie-Outfit mitsamt Protestschild. „1973 – Stop the war in Vietnam“ stand auf der einen Seite, „2023 – Hallo ECE, bezahlbare Mieten im Leo-Center!“ auf der anderen. Gelegenheit, die Forderungen den Amts- und Würdenträgern zu präsentieren, bot sich jedoch nur ganz bedingt. Noch bevor auf der Bühne die erste Rede geschwungen und die Geburtstagstorte angeschnitten war, wurde Sach von einem Center-Mitarbeiter gebeten, die Szenerie zu verlassen. Derweil beschallte „Mister Piano“ das ganze Schauspiel mit seinem fahrenden Klavier. Es erklang unter anderem, fast schon zynisch-passend, „Always look on the bright side of life“.
Die Sprüche habe die Stadträtin eher harmlos gefunden
„Ich wurde abgeführt, das hatte ich auch schon lange nicht mehr“, antwortet Sach auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Sprüche auf ihrem Plakat habe sie als eher harmlos empfunden „und nicht besonders keck“. Fakt sei, dass sie der Mitarbeiter an der Rolltreppe zu Edeka und DM entlassen habe – mit der Ansage, dass sie an diesem Tag das Center nicht mehr betreten dürfe. „Es war nur ein Hauch von Kritik“, so die Stadträtin, „aber ich habe verstanden, dass das Center auch diesen Hauch nicht will.“ Nachgefragt bei Centermanagerin Nadine Fensterer sagt diese: „Davon habe ich nichts mitbekommen.“ Sie sei erst kurz bevor sie ihre Rede gehalten habe zum Bereich an der Bühne gekommen.
Nun ist es nichts Neues, dass es das Leo-Center dieser Tage alles andere als leicht hat. Zahlreiche Geschäfte und Gastronomiebetriebe stehen leer. Dennoch ist man bemüht, in dieser Woche das 50-jährige Bestehen des Einkaufszentrums möglichst stimmungsvoll und fröhlich zu begehen. Am Montag schaute der erste Stargast, Sänger und Entertainer Ross Antony, für eine ausgedehnte Autogrammstunde vorbei. Am Dienstag gab es eine Pole-Dance-Show. Und am Mittwoch gegen 11.30 Uhr war es schließlich an Oberbürgermeister Martin Georg Cohn, gemeinsam mit Nadine Fensterer die Geburtstagstorte anzuschneiden.
OB: „Einzelhandel sieht anders aus als in den 1970ern“
Nachdem Fensterer die Besucher begrüßt hatte – mit dem Hinweis, dass 50 Jahre für ein Shopping Center nicht alltäglich seien –, ergriff der OB das Mikro. Der Verwaltungschef merkte an, dass der Einzelhandel inzwischen anders aussehe als noch in den 1970ern. Dennoch sei das Leo-Center aus Leonberg nicht wegzudenken. Auch die vom Kreis geplante Unterbringung von Geflüchteten im ehemaligen Seniorenheim am Parksee fand den Weg in Cohns Rede. „Die Akzeptanz, was das alte Pflegeheim angeht, ist ambivalent. Deshalb müssen wir schauen, dass das Leo-Center einen starken Stand hat.“
Geschenke gab’s auch noch von der Stadt: Wirtschaftsförderer Benjamin Schweizer und Citymanagerin Nadja Reichert überreichten Nadine Fensterer unter anderem ein Plakat von der Eröffnung: „Einkaufs-Glück auf 20 000 Quadratmetern“ steht darauf. Dann ging’s ans Backwerk. Unfallfrei schnitten Cohn und Fensterer erste Stücke aus dem Kuchen, im Anschluss verteilten Center-Mitarbeitende Muffins ans Publikum. Von der Bäckerei Trölsch hatte man 1000 der kleinen Küchlein geordert.
Ansonsten keine Zwischenfälle, obwohl vorab gemunkelt worden war
Im Vorfeld war gemunkelt worden, dass einige Ladenbetreiber während des OB-Besuchs die Lichter ihrer Geschäfte ausschalten wollen, um gegen die hohen Mieten im Center zu protestieren. Aktionen dieser Art blieben im Umfeld der Bühne jedoch aus.
So gab’s am Vormittag also etwas gegen den kleinen Hunger. Am Nachmittag folgte schon der nächste Star. Lucas Cordalis, Sohn von Schlagerlegende Costa Cordalis und Ehemann von It-Girl Daniela Katzenberger, betrat um 15 Uhr für den ersten von zwei Auftritten die Bühne. Am späteren Nachmittag wird noch eine Autogrammstunde folgen. Bereits um 10 Uhr hatten einige Center-Besucher die überraschende Gelegenheit gehabt, dem Soundcheck beizuwohnen.
„Hier kommt Cordalis“ schallt es den doch zahlreich erschienenen Besuchern zwei Minuten nach 15 Uhr aus den Boxen entgegen. Dann legt der 56-Jährige los. Ausgerüstet mit einer Akustikgitarre gibt’s gleich den größten Hit seines Vaters: „Anita“. Dem Publikum gefällt’s, einige wackeln munter mit den Hüften. OB Cohn schießt kräftig Fotos. Bei „Viva la Noche“ fühlt man sich nicht direkt an den Ballermann teleportiert, für mittags um drei auf einer Kaufhausbühne ist die Stimmung aber okay.
Weiter geht es mit „Jetzt erst recht“ und der Textzeile „Ich bin gerecht und geradeaus“. Das würde wahrscheinlich auch die Grünen-Stadträtin Gudrun Sach über sich selbst sagen.