Der Technology Campus der IBM soll bald keine Baustelle mehr sein Foto: /Stefanie Schlecht/Archiv

Dank eines neuen Finanzierers zieht die Projektgesellschaft ihren Insolvenzantrag zurück, der Neubau soll in diesem Jahr fertig werden.

Gute Nachrichten für die IBM in Ehningen: Der insolvente Bauträger der neuen Deutschlandzentrale, die Projektentwicklung Technologiecampus Großraum Stuttgart GmbH, gibt bekannt, dass die Finanzierung der Projektgesellschaft auf neue Beine gestellt wird. Der amerikanische Großinvestor Oaktree Capital sei als Finanzierer eingestiegen, teilt die Dachgesellschaft Development Partner am Mittwoch mit. Das Insolvenzverfahren der Projektgesellschaft wird vor dem Hintergrund dieser Lösung aufgehoben, so das Unternehmen.

 

„Der Dank gilt vor allem den Finanzierungspartnern, die diese Zukunftslösung möglich gemacht haben.“ sagt der Geschäftsführer der Projektgesellschaft Michael Koschier. Seit der zweiten Jahreshälfte 2020 entsteht nach den Plänen des Architekturbüros Kadawittfeld auf einem rund 6,9 Hektar großen Grundstück ein neuer Technologiecampus mit einer Geschossfläche von insgesamt rund 56 000 Quadratmetern. Der Campus besteht aus vier Gebäudeteilen mit zentralem Foyer.

Vermieter steht auf Sanktionsliste

Das dürfte die Stimmung auf der Chefetage der IBM Deutschland merklich aufhellen. Denn seitdem die Projektgesellschaft des Neubaus in die Insolvenz gerutscht war, bekam der IT-Konzern zunehmend Probleme, seine Mitarbeiter an der richtigen Stelle unterzubringen. Der Grund: Die bisherige Konzernzentrale in der IBM-Allee in Ehningen gehört dem afghanischen Investor Ajmal Rahmani und dessen Firma Ozean Group, die aber seit Dezember 2023 auf einer Sanktionsliste der US-Regierung steht.

Der große Plan der IBM ist, sowohl das Labor auf dem Rauhen Kapf in Böblingen als auch die Konzernzentrale im neu zu bauenden Technology Campus unterzubringen. Dieser geriet vorigen August durch die Insolvenz des Bauträgers ins Stocken. Da aber der Mietvertrag des Labors auf dem Rauhen Kapf auslaufen soll, verkündete die IBM zunächst, die Labormitarbeiter in Ehningen unterzubringen. Danach wurden die Sanktionen der US-Regierung gegen Rahmani bekannt.

Erst kürzlich Rolle rückwärts vollführt

Erst kürzlich vollführte die IBM dann die Rolle rückwärts: Die komplette Konzernzentrale werde sich vom Mietvertrag in Ehningen lösen und zu den Kollegen nach Böblingen ins Labor umziehen. Diese Interimslösung sollte so lange bestehen, bis der Neubau fertig ist. Der Bau des Technologie-Campus soll zum Ende 2024 abgeschlossen werden, heißt es jetzt.

Offen ist, was in der unmittelbaren Nachbarschaft entsteht: In seiner Sitzung am Dienstag legte der Ehninger Gemeinderat den neuen Bebauungsplan für das bestehende IBM-Areal auf Eis. Geht es nach dem sanktionierten Investor Rahmani, sollte dort ein innovativer Wohn-Tech-Campus namens Quantum Gardens aus dem Boden wachsen. Was auf dem bald brachliegenden Gelände dereinst entstehen wird, ist bis dato unklar.

Was wird mit der Gewerbesteuer

In Ehningen macht sich vor allem die Sorge breit, ob der übergangsweise Wegzug der IBM Folgen hat für das für das Aufkommen an Gewerbesteuer. Schließlich gehört die IBM zu einem der größten Nettozahler der Gemeinde. Dies hänge allerdings an der Geschäftsadresse: Ob diese vorübergehend auf das Interim im Böblinger Labor geändert wird, ist Stand heute noch nicht bekannt.