Aktuell werden auf der Schleyerbrücke die Bewehrungen der Fahrbahnplatte eingelegt. Foto: Stadt Esslingen

Autofahrer müssen sich noch zwei Monate länger gedulden, bis die Hanns-Martin-Schleyer-Brücke zwischen Mettingen und Weil beziehungsweise Brühl öffnet. Derweil nimmt die Stadt Esslingen bereits eine weitere Brücke in den Blick.

Besonders für die Anwohnerinnen und Anwohner von Mettingen ist der Nachhauseweg umständlich. Seit Januar 2021 wird die Hanns-Martin-Schleyer-Brücke zwischen ihrem Stadtteil und Weil beziehungsweise Brühl erneuert, der Weg für Autofahrer von der B 10 führt über Umleitungen. Auch Fußgänger und Radfahrer müssen von und nach Weil Umwege in Kauf nehmen. Ende Juni sollte der Steg wieder öffnen. Nun ziehen sich die Arbeiten wohl bis Ende der Sommerferien, also Mitte September hin, wie die Stadt Esslingen mitteilt.

 

Die Bauzeit der Schleyerbrücke verlängert sich damit von 30 auf etwas mehr als 32 Monate – moderat, wenn es auch wehtue, findet der Esslinger Tiefbauamtsleiter Uwe Heinemann. „Wir haben den Zeithorizont vor drei Jahren erarbeitet“, sagt er. Damals seien einige aktuelle Herausforderungen noch nicht ersichtlich gewesen.

Als Gründe für den Verzug nennt Heinemann anhaltende Lieferengpässe insbesondere beim Bewehrungsstahl für Betonfertigteile und der Ortbetonergänzung der Fahrbahn. Auch Personalausfälle habe es gegeben.

Zum anderen kommt es den Angaben zufolge bei der Verkehrsanbindung der Brücke zu Verzögerungen durch Leitungsarbeiten. Besonders die anstehende Erneuerung von Starkstromkabeln, Gas- und Telekommunikationsleitungen gestalte sich aufwendiger, als ursprünglich erwartet.

Kosten sollen sich nicht erhöhen

Es tut sich aber etwas auf der Brückenbaustelle, die Arbeiten kämen voran, betont die Stadt. Im vergangenen Dezember wurden 235 Halbfertigteile für die neue Brücke mittels Spezialkränen auf den Stahlträgern positioniert. Aktuell werde die Bewehrung der Fahrbahnplatte eingelegt. Im Anschluss erfolge dann die Betonage der Fahrbahnplatte und der Aufbau des Geh- und Radwegs sowie des Fahrbahnbelags. „Zeitgleich werden ab Mitte Februar die ersten Leitungen in der Brücke verlegt“, heißt es in einer Pressemitteilung. Neben der eigentlichen Schleyerbrücke über den Neckar war es im Bauverlauf zeitweise auch zu Einschränkungen am Steg über die B 10 zwischen Brühl und Weil sowie an den B-10-Rampen in Fahrtrichtung Stuttgart gekommen. Auch in diesem Frühjahr werde es leichte Einschränkungen für wenige Tage geben, sagt Heinemann.

Bis jetzt sei nicht ersichtlich, dass sich durch die Verzögerungen auch die Kosten erhöhen, sagt Heinemann. Derzeit sind für das Projekt etwa 27,2 Millionen Euro veranschlagt. Die Stadt muss nicht alles alleine tragen, das Land fördert das Bauwerk mit 13 Millionen Euro. Die alte Schleyerbrücke hatte einige Schäden aufgewiesen. Die Standsicherheit war nach Argumentation der Planer nicht mehr gewährleistet. Deswegen entschieden sich die Stadtverwaltung und die Mehrheit im Gemeinderat für einen Ersatzneubau.

Die Adenauerbrücke wird ertüchtigt

Auch nach Abschluss dieser Arbeiten ist der Reigen der Esslinger Brückenbaustellen aber nicht am Ende. In den vergangenen Jahren musste die Stadt eine marode Neckar-Querung nach der anderen sanieren: im Jahr 2015 die Dieter-Roser-Brücke zwischen Sirnau und Oberesslingen sowie Zell, darauf folgte die Vogelsangbrücke zwischen Pliensauvorstadt und Innenstadt, die Ende 2020 wieder befahrbar war. Wenige Wochen später wurde die Hanns-Martin-Schleyer-Brücke gesperrt. Auch kleinere Brücken wurden saniert, etwa die Pulverwiesenbrücke. Nun folgt noch ein Mammutprojekt: die Adenauerbrücke zwischen Berkheim und Oberesslingen. Über das Bauwerk aus den Jahren 1965 bis 1972 rollen täglich 35 000 Fahrzeuge, es ist eine wichtige Verbindung vom Neckartal auf die Filder sowie zur Autobahn. Außerdem kommt ein beachtlicher Teil des Verkehrs von Menschen aus dem Schurwald, die auf die B 10 fahren. Um die 950 Meter lange Querung fit für die Zukunft zu machen, wird nach Einschätzung der Stadtverwaltung ein dreistelliger Millionenbetrag aufgebracht werden müssen. Im vergangenen Jahr hat der Mobilitätsausschuss des Gemeinderats beschlossen, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben. Sie soll unterschiedliche Optionen ausloten, von der Sanierung bis zum Abriss und Neubau. Die Ergebnisse sollen bis 2024 vorliegen.

Da Planung und Bauarbeiten sich noch hinziehen werden, muss die alte Adenauerbrücke noch einige Jahre standhalten. Das Bauwerk, das als stark marode gilt, wird nun ertüchtigt. „Ende Februar beginnen wir, unter der Brücke eine Notabstützung zu errichten“, sagt Uwe Heinemann. Die Stahlkonstruktion soll verhindern, dass die Brücke absackt. Dadurch werde der laufende Verkehr nicht beeinflusst. Allerdings wolle man noch prüfen, ob weitere Arbeiten, wie die Erneuerung der Fahrbahn oder von Geländern, notwendig seien, die dann zeitweise Beeinträchtigungen zur Folge hätten.

Spektakuläre Bauschritte

Die neue Brücke
 Optisch wird sich nicht viel ändern, allerdings führte über den Vorgängerbau eine dreispurige Straße. Mit der neuen Neckarquerung werden die Fahrspuren von drei auf 3,75 Meter verbreitert, weshalb auf der Brücke künftig auf eine Spur verzichtet wird. Zudem wird ein kombinierter Fuß- und Radweg mit einer Breite von drei Metern eingerichtet.

Dokumentation
 Das Vorgehen beim Abriss und Neubau war teils spektakulär, wie die Stadt schon vor Beginn der Arbeiten angekündigt hatte. Beispielsweise wurde beim Abbruch das Mittelstück der alten Brücke zersägt. Die jeweils hundert Tonnen schweren Teile wurden im Sommer 2021 auf Schwimmplattformen abgeseilt und per Schiff abtransportiert. Von Anfang an wurde der Fortschritt der Bauarbeiten von einem Filmteam begleitet. Die Videos sind auf der Webseite zur HMS-Brücke und auf dem städtischen Youtube-Kanal zu sehen.