Bis zu 4000 Autos sollen während der Sperrung pro Tag durch die schmale Esslinger Straße rollen. Foto: Lichtgut//Leif Piechowski

Trotz massiver Kritik hält die Verwaltung am Umweg durch die schmale Esslinger Straße während der Sperrung der Rampe zum Charlottenplatz fest – zu Lasten der Anlieger.

Die geplante Umleitung eines Teils des Verkehrs durch die Leonhardsvorstadt während des Neubaus des Mobility-Hubs und des Hauses für Film und Medien erregt weiter die Gemüter. Hintergrund ist die notwendige Sperrung der B-14-Rampe zum Charlottenplatz. Im Technikausschuss am Dienstag sorgte die ablehnende Haltung der Stadtverwaltung gegenüber Alternativvorschlägen für hitzige Debatten.

 

„Dann gibt es keine Geschäfte mehr“

Täglich 4000 Autos sollen ab Anfang 2024 durch die Esslinger Straße rollen. Die Gemeinderäte sehen dadurch die Geschäftsleute in ihrer Existenz gefährdet. Die seit mehr als zehn Jahren in der Stadtverwaltung diskutierte Aufwertung des Leonhardsviertels mit den Neubauten auf dem Gelände des Breuninger-Parkhauses sowie dem IBA’27-Projekt am Züblin-Parkhaus werde ad absurdum geführt, betonte Lucia Schanbacher (SPD). „Bis dahin gibt es keine Geschäfte mehr, die von der stadtgestalterischen Aufwertung profitieren können.“

Gegen die Umleitung – für mindestens zwei Jahre – formierte sich eine deutliche öko-soziale Mehrheit. „Man muss eine Verkehrsführung generieren, als gäbe es den kleinen Seitenweg nicht“, brachte Luigi Pantisano (Linke) den Wunsch auf den Punkt.

Gebhard-Müller-Platz wird für S21 Ende 2024 gesperrt

Der auf Antrag der Grünen-Fraktion angedachten Umleitung über den U-Turn am Gebhard-Müller-Platz, um zur Planie zu gelangen, erteilte die Stadt eine klare Absage: „Das würde den Verkehr zum Erliegen bringen. Zudem wird die Kreuzung für das Bahnprojekt S 21 ab Ende 2024 gesperrt“.

Besonders missfiel den Gemeinderäten die Aussage von Ordnungsbürgermeister Clemens Maier, dass es sich bei der Umleitung um eine verkehrsrechtliche Anordnung handele, die keiner Zustimmung bedürfe. „Wir werden diese umsetzen. Wir haben für den Baustart keine Zeit mehr zu verlieren.“

Das Verhalten der Stadtverwaltung „ist eine Unverschämtheit“

Diese laut Pantisano „unverschämte Behandlung“ wollen die Stadträte nicht auf sich sitzen lassen. Sie fordern bis Januar von der Verwaltung klare Antworten, warum neben einer möglichst großräumigen Umfahrung nicht auch eine kleinräumigere Umleitung des Verkehrs über die Olgastraße, den Österreichischen Platz und die Wolframstraße denkbar sei. „Die Autofahrer suchen sich ihren Weg. Auch in Bad Cannstatt ist der Verkehr aufgrund der Sperrung der Rosensteinbrücke nicht zusammengebrochen“, so Hannes Rockenbauch (Linke).