Bis die Bahnhofstraße einmal so aussehen wird wie auf diesem Bild, könnte noch eine ganze Weile vergehen. Entwurf:Tchoban Voss Architekten Foto:  

Es ist ein optischer Schandfleck in der Innenstadt. Seit Jahrzehnten gibt es Pläne für die Überbauung des Karstadt-Parkplatzes. Jetzt soll etwas passieren – eigentlich.

Esslingen - Scheitert die Überbauung des Karstadt-Parkplatzes in der Esslinger Innenstadt vielleicht doch noch? Seit Jahrzehnten beschäftigt die hässliche Baulücke in der westlichen Altstadt diverse Investoren, die Verwaltung und die Kommunalpolitik. Zuletzt schien das Projekt tatsächlich auf die Zielgerade einzubiegen. Im November 2017 hat der Esslinger Oberbürgermeister Jürgen Zieger die Baugenehmigung an den Projektentwickler Imallinvest überreicht, der im Auftrag des Luxemburger Investors BPI die Einkaufspassage „Die Via“ errichten will.

Doch nachdem die vorbereitenden Arbeiten dort ins Stocken geraten sind, brodelt die Gerüchteküche. „Wir sind nach wie vor wild entschlossen, ,Die Via’ in Esslingen zu bauen“, betont Klaus Mennickheim von Imallinvest. „Es ist unser großer Wunsch, dass die Arbeiten so schnell wie möglich, also am besten noch in diesem Jahr, beginnen.“

Eine endgültige Zusage, dass „Die Via“ Realität wird, kann aber auch er noch nicht geben. Imallinvest habe, so erklärt er, wie viele andere mit dem steigenden Baukosten zu kämpfen. Soll der Etat – der Neubau soll rund 100 Millionen Euro kosten – gehalten werden, müsse man noch einige „technische Veränderungen“ vornehmen, um im vorgegebenen finanziellen Rahmen zu bleiben.

Erfreut zeigt sich Klaus Mennickheim über die Kooperationsbereitschaft der Esslinger Stadtverwaltung und des Gemeinderats. Seiner Bitte, dem Investor bei der Fassadengestaltung – geplant ist ein Mix aus Klinker und Putzfassade – und bei der Gestaltung des Dachbereichs entgegen zu kommen, habe das Gremium entsprochen. Dennoch seien die Mehrkosten, die durch die Preisexplosion im Baugewerbe entstünden, damit alleine nicht aufzufangen.

Mit 2,5 Generalunternehmen in Verhandlungen

Trotzdem ist Klaus Mennickheim optimistisch, bald einen Generalunternehmer für das Großprojekt präsentieren zu können: „Wir sind mit 2,5 Unternehmen in finalen Verhandlungen. Es geht nur noch um die Stellen hinter dem Komma“, beschreibt er den Verhandlungsstand.

In der Tat, so betont er, seien die Baukosten die allerletzte Hürde, die noch zu nehmen sei. Die archäologischen Untersuchungen des Karstadtparkplatzes seien abgeschlossen, die notwendigen Nachbarschaftsvereinbarungen unterzeichnet. Zudem stehe jetzt endgültig fest, dass der Lebensmitteldiscounter Aldi mit einem modernen Großstadt-Supermarkt im Untergeschoss das Angebot von einem dm-Markt und einem Bio-Supermarkt abrunden wird.

Bauzeit beträgt mindestens zwei Jahre

Klar ist aber schon jetzt, dass sich die Eröffnung der „Via“ weiter verzögern wird. Angesichts einer Bauzeit von mindestens zwei Jahren könnte die Einkaufspassage allerfrühestens zum Weihnachtsgeschäft 2020 eröffnen. Die Wohnungen werden dann noch später fertig gestellt sein. Geplant sind drei Stockwerke mit Läden, darunter zwei Tiefgaragenebenen. In den vier weiteren Etagen sollen insgesamt 62 Mietwohnungen entstehen.

Von Seiten der Stadt sieht man aktuell keinen Handlungsbedarf – und zudem auch keine Handlungsmöglichkeit. Ignazio Ceffalia, der stellvertretende Sprecher der Stadt, sagt, Imallinvest habe laut einer Abmachung ab Unterzeichnung des Bauvertrags 24 Monate Zeit, um mit den Arbeiten zu beginnen: „Bis dahin können wir als Stadt nichts unternehmen.“

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