Der Baum rechts im Bild ist bereits beschnitten worden. Zwei Kolonnen arbeiten an den Linden und Eichen. Foto: /Stefanie Schlecht (2), Julia Theermann (1)

Zwischen Aidlingen und Ehningen ist derzeit für mindestens eine Woche die Kreisstraße gesperrt. Grund sind Arbeiten an den Bäumen entlang der Straße. Die Allee muss jährlich beschnitten werden, damit keine abgestorbenen Äste auf Autos und Radfahrer fallen.

Das Holz des rund zehn Zentimeter dicken Astes splittert, als dieser auf dem Asphalt der K 1001 zwischen Aidlingen und Ehningen aufschlägt. Es klingt hohl. Kein gutes Zeichen, weiß der stellvertretende Dienststellenleiter der zuständigen Straßenmeisterei Leonberg, Julian Kollatschny. „Das ist alles Totholz“, sagt er. Einmal im Jahr lässt die Straßenmeisterei, die sich im Kreis Böblingen unter anderem um Bundes-, Land- und Kreisstraßen kümmert, die Bäume der Linden- und Eichenallee an der schmalen Kreisstraße beschneiden. Dabei geht es zunächst um die Sicherheit: „Wenn die toten Äste auf die Straße fallen, wird das gefährlich“, sagt Kollatschny.

 

In dieser Woche ist es wieder soweit. Seit Montag ist die Kreisstraße gesperrt, auf der sonst täglich mehr als 2000 Autos und Lastwagen unterwegs sind. Planmäßig sollen die Arbeiten am Freitag abgeschlossen sein. Auch Radfahrer nutzen die Strecke gerne – und halten sich offensichtlich nicht alle an die Vollsperrung. Ein riskantes Unterfangen, denn immer wieder fallen tote Äste aus den Bäumen, an denen sich ein Mitarbeiter einer Landschaftspflegefirma aus dem Kreis Waiblingen gerade zu schaffen macht.

Wichtige Arbeit in den Baumkronen

Mit ihrem Steiger nimmt die Kolonne die gesamte Breite der Straße ein – darum muss auch die komplette Sperrung sein. Ein Vorbei gibt es für den Verkehr nicht mehr. Vier hydraulische Füße heben den Lastwagen mit der Arbeitsbühne vom Boden an und stabilisieren ihn, damit der Arbeiter bis zu 30 Meter hoch in die Baumkronen fahren kann. Diese muss er sich genau ansehen.

Im Vorfeld habe ein Gutachten ergeben, wie viel ungefähr an den Bäumen gemacht werden muss. Ganz genau kann man den Aufwand aber erst abschätzen, wenn man den einzelnen Baum tatsächlich vor sich hat. Oben angekommen, kappt der Arbeiter mit einer Motorsäge alle Äste, die entweder schon abgestorben oder sichtlich erkrankt sind. Der geschulte Blick in die Baumkronen verrät, welchen Bäumen es nicht gut geht. Wie lange die Kolonne für einen einzelnen Baum braucht, ist unterschiedlich. Zwischen zehn Minuten und einer Stunde ist alles möglich.

Bäume sollen erhalten werden

„Bei den Bäumen hier liegt es überwiegend am Alter, dass sie so viel Totholz haben“, sagt Kollatschny. Die jüngsten Bäume auf der Strecke sind etwa um die Jahrtausendwende gepflanzt worden. Der älteste Baum stammt aus dem Jahr 1955. Doch auch die Witterung hat einen Anteil daran. „Es ist einfach zu heiß und zu trocken.“ Dagegen könne man nicht mit Gießen ankommen. Erst recht nicht bei ausgewachsenen Bäumen. Das Problem, dass auch schon jüngere Bäume aufgrund der Trockenheit eingehen, ist überall an den Straßenrändern und in den Wäldern zu sehen.

Neben der Verkehrssicherheit geht es bei den Arbeiten an der Allee auch darum, die Bäume möglichst lange zu erhalten. Würden die Bäume nicht beschnitten, wären sie anfälliger für Sturmschäden – obwohl sie zumindest von einer Seite her durch eine Felswand abgeschirmt sind. Fiele einer der unter der Straße wurzelnden Bäume, würde wahrscheinlich auch die Fahrbahn in Mitleidenschaft gezogen.

Arbeiten könnten etwas länger dauern

Nachdem das Totholz an allen Bäumen bis zur Kläranlage entfernt ist, geht eine zweite Truppe ans Werk und stellt das sogenannte Lichtraumprofil wieder her. Sie schneidet also weit unten gelegene Äste und Gestrüpp ab, die vom Stamm aus in die Fahrbahn zu wuchern drohen. Ob die Bäume vom Klär- bis zum Sägewerk auch noch in dieser Woche geschnitten werden, steht noch nicht ganz fest. Eventuell, so ist es von der Straßenmeisterei zu vernehmen, könnte die Sperrung noch ein paar Tage länger anhalten.

Nicht nur die Bäume bekommen in diesen Tagen eine Frischekur, auch die Fahrbahnmarkierung an den Straßenrändern wird erneuert. Mitarbeiter der Straßenmeisterei Herrenberg, die sich mit den Leonbergern die Zuständigkeit im Kreis Böblingen teilt, sind am Dienstag unterwegs, reinigen die alten Markierungen und bringen mit einer speziellen Maschine gleich die neue Farbe und die reflektierenden Perlen auf. Auch ihre Entwässerungseinrichtungen auf der Strecke überprüft die Straßenmeisterei bei der Gelegenheit gleich mit. Wann die Bäume jedes Jahr geschnitten werden, ist unterschiedlich. Wichtig sei, dass es nicht in der Brutzeit der Vögel geschieht, die sich in den Linden und Eichen wohlfühlen. Eine Ausnahme sei, wenn akut eine gefährliche Situation beseitigt werden müsse. „Das machen wir dann sofort“, sagt Kollatschny.

Vorerst geht es bei dem Baumschnitt zwischen Aidlingen und Ehningen allerdings nur um reine Routinearbeiten. Ob zunächst nur die Bäume zwischen Aidlingen und dem Klärwerk beschnitten werden, oder ob gleich die ganze Allee dran kommt, solange das Holzwerk in Ehningen noch Betriebsurlaub hat – was die Vollsperrung unabhängig von Holztransporten vereinfachen würde – das wird sich in den kommenden Tagen zeigen.