Auf einem städtischen Grundstück in Feuerbach sollen Reihenhäuser gebaut werden. Deshalb sollen rund 30 Bäume gefällt werden. Doch es regt sich Widerstand.
Feuerbach - Einst sang Alexandra: „Mein Freund, der Baum, ist tot. Er starb im frühen Morgenrot.“ Mag der Schlager aus den 60er Jahren recht rührselig sein, eines drückt er aus: Die emotionale Beziehung vieler Menschen zu Bäumen. Bäume gelten seit jeher als ihre Freunde. Der Spaziergang im Wald entspannt. Der Blick in die Kronen tut gut. Bäume sind wichtig fürs Klima. Sie produzieren Sauerstoff und binden Kohlenstoffdioxid. Und Bäume bieten Vögeln Nistplätze. Sollen sie gefällt werden, ruft das häufig Protest in der Bevölkerung hervor. So auch in der Rolandstraße in Feuerbach.
Das Flurstück 2312/1 gehört der Stadt und soll bebaut werden. Noch stehen auf dem rund 18 000 Quadratmeter Grundstück, auf dem acht Reihenhäuser für junge Familien entstehen sollen, etwa 30 Bäume: Birken, Trauerbuchen, Eiben, Ahorn. In den nächsten Tagen sollen sie der Axt zum Opfer fallen. „Wir haben zufällig davon erfahren“, sagt Karin Hauptmann. Ihr Grundstück und das ihres Mannes Matthias Mayer grenzt direkt an das städtische Areal. Schaut das Paar bei sich aus dem Fenster, sieht es Spechte, Rotkehlchen und Meisen. Auch Füchse und Dachse kommen dort vor.
Grundstück noch gar nicht verkauft
Was das Ehepaar nicht versteht: Das Gelände soll gerodet werden, obwohl das Grundstück nicht verkauft ist und auch noch kein Baugesuch bewilligt ist. „So sollen vollendete Tatsachen geschaffen werden, obwohl die geplante Bebauung noch gar nicht dingfest ist und der Baustart nicht vor kommendem Jahr erfolgen wird“, sind beide überzeugt.
„Hier haben Fledermäuse, 18 Vogelarten, darunter auch der Eichelhäher, eine Heimat, und die sollen sie jetzt verlieren“, sagt die Naturschützerin Andrea Egger. Sie ist eine von rund zwei Dutzend Nachbarn, die auf das Grundstück gekommen sind, um ihrem Ärger über die Pläne der Stadt Luft zu machen. Ob aber der Protest der Anwohner Erfolg hat, ist fraglich.
Vor zwei Jahren konnten die Rodungen auf einem Grundstück am Killesberg gestoppt werden: Das Gelände lag innerhalb der Baumschutzsatzung (wir berichteten). Das Grundstück an der Rolandstraße liegt jedoch laut Stadtverwaltung außerhalb des Geltungsbereichs der Baumschutzsatzung. Auch wenn die Bäume, gemessen in einem Meter Höhe, einen Umfang von mindestens 80 Zentimeter und mehr haben, dürfen sie umgemacht werden. Allerdings werden nicht alle Bäume sofort gefällt. Pressesprecher Niklas Junkermann: „Zunächst werden die Bäume ohne Artenschutzrelevanz gefällt.“ Da ein Artenschutzgutachten ergeben hat, dass es in einigen Bäumen Eichhörnchenkobel sowie Spechthöhlen gibt, und in sogenannten Mulmhöhlen geschützte Holzkäferarten vorkommen, werden diese Bäume vorerst nicht gefällt. Für sie soll eine gesonderte Genehmigung eingeholt werden.
Bebauung war früher schon einmal geplant
Mit dem geplanten Bau der acht Familienhäuser auf eine andere Fläche auszuweichen, kommt für die Stadt wegen des Mangels an Bauflächen nicht in Frage. „Die Stadt hat in diesem Bereich keine weiteren Baugrundstücke“, stellt der Stadtsprecher fest und weist darauf hin, dass das Grundstück in unmittelbarer Nähe zum Höhenpark Killesberg grenzt. Soll heißen, dass es im Bereich Rolandstraße nicht an Grün fehlt. Darüber hinaus sei das Grundstück bereits vor einigen Jahren für eine Bebauung vorgesehen, musste jedoch zurückgestellt werden, weil sich die Bebauung mit Belangen im Zusammenhang mit dem Projekt Stuttgart 21 überschnitten hätte.
Die Anwohner geben sich aber noch nicht geschlagen: Sie appellieren jetzt an die Stadträte, die Rodung zurückzustellen.