Neues Freibadeingangsgebäude, neue Ortsmitte mit Ludwig-Uhland-Halle und der Ausbau der Deckenpfronner Straße – gleich bei drei Bauvorhaben hakt es aktuell im Bauablauf.
„Heute kommt es knüppeldick“, kommentierte Bürgermeister Thomas Riesch die schlechten Nachrichten, die er und Bauamtsleiter Friedemann Erbele am Ende der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend unter „Bekanntgaben“ mitzuteilen hatten. Insgesamt bei drei Bauvorhaben der Gemeinde gibt es Verzögerungen im Bauablauf, so die Botschaft.
Der laut Riesch „größte Brocken“ betrifft die Neugestaltung der Ortsmitte, zu der auch der Neubau der Ludwig-Uhland-Halle gehört – und zwar bereits, bevor es mit den Bauarbeiten überhaupt losgeht. Denn das Ergebnis für das erste Ausschreibungspaket für die Tiefbau- und Erschließungsarbeiten, das bisher mit Kosten von rund fünf Millionen Euro veranschlagt worden war, ist ernüchternd: Lediglich ein Angebot, für das sich drei große Baufirmen zu einer Bietergemeinschaft zusammengetan hätten, sei eingegangen – und die Angebotssumme liege mehr als 30 Prozent über der Kostenberechnung. Und das, obwohl das Planungsbüro die Kosten auf Basis aktueller Preise laufender Bauvorhaben berechnet habe, wie Riesch betonte.
Muss neue Ausschreibung europaweit erfolgen?
Daher werde die Verwaltung dem Gemeinderat empfehlen, die Ausschreibung aufzuheben. Gleichzeitig werde mit der vorliegenden Angebotssumme der Schwellenwert gerissen, ab dem europaweit ausgeschrieben werden muss. Mit der Niederschlagung und der erneuten europaweiten Ausschreibung wird sich der Gemeinderat in der nächsten Sitzungsrunde befassen. Dann werden die Mitglieder auch erfahren, welche Firmen zu der Bietergemeinschaft gehören.
Am Dienstagabend wollte dies Thomas Riesch noch nicht mitteilen, um nicht durch einen etwaigen Formfehler weitere Verzögerungen zu verursachen. Dies hatte insbesondere Matthias Bock (Freie Wähler) gefordert. Sowohl er als auch Peter Probst (CDU) äußerten klar ihr Unverständnis über das Geschäftsgebaren der Firmen. Auch die Verwaltung sei „überrascht“ gewesen, weil „wir es auch allen Firmen einzeln zugetraut hätten“.
Halle könnte erst Ende 2026 fertig werden
„Das Projekt als solches ist nicht gefährdet“, betonte Riesch ausdrücklich, die Verzögerung sei jedoch „mehr als ärgerlich“. Im Worst-Case-Szenario, je nachdem wie die Bauarbeiten durch die Verschiebung von der Witterung beeinflusst werden, könne es bedeuten, dass die Ludwig-Uhland-Halle nicht Ende 2025, sondern erst ein Jahr später fertig wird.
Nicht ganz so dramatisch ist die zweite Verzögerung. Diese betrifft das neue Freibad-Eingangsgebäude, das den maroden, bereits abgerissenen Vorgängerbau ersetzen soll. Dessen Bau für 1,2 Millionen Euro brutto hatte der Gemeinderat im Oktober 2023 beschlossen. Inzwischen sei klar, dass der schon damals ambitionierte Zeitplan nicht einzuhalten ist, der knapp 50 Meter lange Holzständerbau also nicht zum Saisonstart fertig wird, berichtete Riesch. Der Grund: Ein Vorlieferant von Holzteilen habe seine gegenüber der Zimmerei getroffenen Zusagen nicht eingehalten. Der Liefertermin habe sich auf April verschoben.
Neue Profiküche kostet 125 000 Euro
Dennoch, so die gute Nachricht des Rathauschefs: „Wir können starten in die Saison, allerdings mit einem Provisorium.“ Die Gebäudehülle werde stehen, aber der Innenausbau des Multifunktionsgebäudes, das neben dem Eingang unter anderem auch sanitäre Einrichtungen und Umkleiden beherbergen wird, werde noch nicht abgeschlossen sein, konkretisierte Friedemann Erbele. Wegen dieser Verzögerung hatte die Verwaltung die Beschlussfassung über die Erhöhung der Eintrittspreise bereits zuvor von der Tagesordnung genommen.
Einstimmig zugestimmt haben die Ratsmitglieder dagegen dem Einbau einer komplett neuen Profiküche samt Kühlzellen in den Freibadkiosk für 125 000 Euro. Da inzwischen auch die entsprechenden Kapazitäten bei der Stromversorgung vorhanden sind, müssen Badegäste zukünftig nicht mehr auf die bisher vermissten „Freibadpommes“ verzichten. Sechs Hochleistungsfritteusen sind Teil der Küchenausstattung.
Im Juni soll die Deckenpfronner Straße fertig sein
Für den von Landkreis und Gemeinde gemeinsam getragenen Ausbau der Deckenpfronner Straße am nordwestlichen Ortseingang scheint der Abschluss der Bauarbeiten in Sicht. Eigentlich hätte die im Mai vergangenen Jahres gestartete Sanierung bis Ende 2023 abgeschlossen sein sollen. Unvorhergesehene Zusatzarbeiten sowie der frühe Wintereinbruch hatten dann jedoch zu einem Zeitverzug geführt. Am Sitzungstag habe ihm die Baufirma erstmals konkrete Daten genannt, berichtete Friedemann Erbele. Demnach sollen die Arbeiten innerorts bis Ende Mai 2024 abgeschlossen und der Bereich außerorts bis zum Kreisel Richtung Deckenpfronn dann 14 Tage später fertig sein.