Zwölf Frauen und Männer beobachten für uns das Stuttgart-21-Gelände. Wie haben unsere Bau-Wächter das S-Bahn-Chaos am Hauptbahnhof erlebt? Klicken Sie sich durch die Bildergalerie. Foto: Kraufmann

Nicht nur der Pendler unter unseren Bau-Wächtern ärgert sich über das S-Bahn-Chaos. 

Stuttgart - Zwölf Frauen und Männer beobachten für unsere Redaktion seit Baubeginn am 2. Februar das Stuttgart-21-Gelände. Sie wohnen oder arbeiten mit Blick auf den Bahnhof. Sie sollen neugierig sein. Wir haben sie Bau-Wache 21 genannt.

Im fünften Monat nach dem Baustart sind die S-Bahn-Pendler abrupt mit den Auswirkungen der Gleisverlegungen vor dem Hauptbahnhof konfrontiert. Der Abbau eines einzigen Signals, das den Zugführern seit 1978 durch Fahren auf Sicht kurze Abstände erlaubte, hat den gesamten Takt ins Stocken gebracht. Die Bahn-Planer um ihren Chef Hany Azer hat das genauso überrascht wie die Fahrgäste, weil die Praxis nicht den theoretischen Zugläufen im Computer gefolgt ist.

Parkschützer verbuchen Erfolg

Der Kollaps des Systems ist abgewendet, weil die S1 zur Hauptverkehrszeit zur Minute 23 und 53 ab Plochingen nach Vaihingen nun die Gäubahn nutzt und den Tunnel entlastet - und das auf unabsehbare Zeit. Den Verkehr wie vor dem Signalumbau zu takten, wird länger als vier Wochen dauern. Bahn-Chef Rüdiger Grube entschuldigt sich für die "Fehleinschätzung" der Planer.

Entlastung gibt es für die Bahn bei einem anderen Tunnelstück. Verkehrsminister Peter Ramsauer, CSU, hat kurzerhand die Nutzung der schmalen S-Bahn-Tunnel unter Echterdingen und dem Flughafen für den Fernverkehr erlaubt. Damit kann die Planfeststellung zwischen Rohr und Flughafen starten, die Anwohnern werden Details erfahren, können ihre Betroffenheit abschätzen und ihr Vorgehen abwägen. Die Schutzgemeinschaft Filder hat bereits Klage angekündigt, weil schnelle schwere Züge durch die schon vom Flughafen geplagte Stadt voraussichtlich mehr Lärm bringen werden.

Einen Erfolg verbuchen die Parkschützer für sich. 10.000, die per Internet-Anmeldung beigetreten sind, wollen am kommenden Samstag, 10. Juli, den Schlossgarten mit dem Hauptbahnhof verbinden.

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