Die Deutsche Bahn lädt am Donnerstag auf die Filder ein. Unter dem Flughafenareal wird der letzte Tunnel für Stuttgart 21 durchgeschlagen. Allerdings gilt das nur, wenn man die nach wie vor offene Frage zur Gäubahn ausklammert.
Nach fast zehn Jahren endet am Donnerstag der Tunnelvortrieb für Stuttgart 21 – vorerst. In den Röhren, die die neue Station am Flughafen mit der an der A 8 gelegenen Neubaustrecke Richtung Ulm verbindet, werden die letzten Zentimeter trennendes Gestein entfernt. Damit sind mehr als 56,2 Kilometer Tunnel unter dem Stuttgarter Stadtgebiet und auf den Fildern entstanden. Die Bahn begeht das mit einem feierlichen Durchbruch, die Rednerliste ist lang.
Viel Prominenz im Tunnel
Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) wird ebenso erwartet wie Bahninfrastrukturvorstand Berthold Huber. Herald Ruijerts, Direktor Investitionen, Innovativer und nachhaltiger Verkehr, vertritt die EU-Kommission. Stuttgarts OB Frank Nopper (CDU) steht ebenso auf der Rednerliste wie Flughafen-Geschäftsführer Carsten Poralla und Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne). Nicht fehlen darf Arina Freitag, ehemals Chefin am Airport und Tunnelpatin.
Den Beginn der Tunnelbauarbeiten markierte die sogenannte Anschlagsfeier auf der Tunnelbaustelle im Stuttgarter Stadtteil Wangen. Im Dezember 2013 war das noch Anlass zu vehementen Protesten. Die Gäste der Veranstaltung mussten durch ein Spalier von Stuttgart-21-Gegnern. Fast genau zehn Jahre lang haben sich die Bautrupps durch den Stuttgarter Untergrund gewühlt. Der gilt unter Fachleuten als nicht ganz einfach, da sich stellenweise sogenannter Anhydrit befindet, ein Gestein, das bei Berührung mit Wasser aufzuquellen beginnt – mit unkalkulierbaren Risiken für die Bebauung an der Oberfläche. Immer wieder gab es Beschwerden von Grundstückseigentümern, die Angst um ihr Haus hatten. Ein weiteres Problem: in Bereichen, in denen der Abstand zwischen der Tunneldecke und den Fundamenten der Häuser gering war, mussten besondere Bauverfahren angewendet werden, um Schäden an der Oberfläche zu minimieren. Insbesondere die Anwohner des Kernerviertels meldeten immer wieder Schäden an Bauwerken.
Gäubahnanbindung lässt auf sich warten
Auch wenn nach Lesart der Bahn damit der Tunnelvortrieb für Stuttgart 21 beendet ist, so bleibt noch eine Lücke im neuen Stuttgarter Bahnknoten. Denn die Gäubahn, die Bahnstrecke von Stuttgart an den Bodensee, in den Schwarzwald und in die Schweiz, muss laut Stuttgart-21-Finanzierungsvertrag an den Flughafen angeschlossen werden. Über das Wie herrschte lange Zeit Uneinigkeit. Nun soll dies durch den gut elf Kilometer langen Pfaffensteigtunnel passieren, der sich aber erst in der Planungsphase befindet. Da der offiziell als Projekt des Bundes und nicht als Teil von Stuttgart 21 gilt, sieht die Deutsche Bahn die Tunnelarbeiten für S 21 mit dem Durchschlag am Donnerstag als beendet. Der Pfaffensteigtunnel könnte laut Bahn 2032 in Betrieb gehen, Kritiker halten diese Prognose für zu optimistisch.