Eine echte Legende: Der ehemalige US-Basketballer Michael Jordan Foto: dpa/Jeff Haynes

Die grandiose TV-Dokumentation „The last Dance“ beleuchtet die letzte Saison des US-Basketballers Michael Jordan in Chicago.

Stuttgart - Nervenkitzel, Gänsehaut, Jubel und Trauer. Egal, welcher Mannschaft man zujubelt oder bei welcher Sportart auf dem Sofa oder der Tribüne mitgefiebert wird – eines eint die Sportfans dieser Welt: Der Livesport, er fehlt. Gerade im April und Mai, wenn es normalerweise um Meisterschaften, Auf- und Abstiege, Play-offs und die entsprechenden Heldengeschichten geht und die Fans nicht selten emotionale Achterbahnfahrten miterleben, fällt das besonders auf.

Wer keine Lust mehr hat, sich mit alten „Sportstudio“-Folgen, Aufzeichnungen irgendwelcher historischen Partien oder der Diskussion um Geisterspiele über Wasser zu halten, für den hat der Streaming-Dienst Netflix jetzt ein besonderes Schmankerl. „The last Dance“ – die neue ESPN-Dokumentation über die letzte Saison von Basketball-Legende Michael Jordan bei den Chicago Bulls. Großartiger Sport, Gänsehautmomente und eine gehörige Portion Drama. Mit nie zuvor gezeigten Szenen und anhand schonungsloser Interviews von damals und heute beleuchtet die zehnteilige Dokumentation den Weg von Jordans Bulls zu ihrem sechsten und letzten Titel in der Saison 1997/98.

Der Blick hinter die Kulissen

Was die Dokumentation so besonders macht? ESPN plante bereits vor der damals von Streitigkeiten, Neiddebatten und Wechselgerüchten dominierten Saison eine Dokumentation über die vielleicht größte Basketball-Dynastie der Geschichte, ehe Jordan und die Bulls im Anschluss an die NBA-Finals die Veröffentlichung untersagten. Zu intim waren die Aufnahmen des Film-Teams, das die gesamte Saison bei Training, Spielen, Besprechungen und Flügen dabei war. Verbale Scharmützel, handfeste Beleidigungen – ein Blick hinter die Kulissen eines Teams, das weltweit verehrt wurde und dessen Beteiligten wussten: Das ist die letzte gemeinsame Saison, die letzte Chance auf einen weiteren Titel. Der letzte Tanz eben.

Die damalige Stimmung im Team wird für den Zuschauer greifbar. Schonungslose O-Töne von Jordans Mitspielern wie Scottie Pippen, Dennis Rodman oder Steve Kerr zeigen, wie tief die Wunden noch heute sitzen. Natürlich kommen auch Trainerlegende Phil Jackson und Bulls-Besitzer Jerry Reinsdorf zu Wort und geben Einblicke in einen Sport, der längst ein Milliarden-Business geworden war und in dem es um viel mehr ging, als „nur“ Titel und Spiele zu gewinnen.

Nervenkitzel pur

Und Jordan? Acht Stunden saß die Basketball-Ikone mit den Filmemachern um Regisseur Jason Hehir zusammen und schilderte seinen Blick auf die damaligen Verhältnisse. Manchmal zuckt der Zuschauer zusammen, wenn noch heute der fast krankhafte Ehrgeiz des 57-Jährigen aus seinen Augen blitzt. Wenn er auch 22 Jahre später nicht vergeben kann, dass Pippen nicht alles dem sechsten Titel unterordnete, sondern ein seiner Leistung angemessenes Gehalt erzwingen wollte.

Zehn Teile hat die einzigartige Dokumentation, jeden Montag sind zwei neue Folgen zu sehen. Sportfans, denen der Livesport fehlt, sei versprochen: Nervenkitzel, Spannung und Gänsehaut – all das garantiert „The last Dance“. Obwohl nicht nur Basketball-Experten wissen dürften, wie die Saison im Mai 1998 endete.

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