Oscar da Silva scheint plötzlich Berlin im Visier zu haben. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Zoff im Basketball: Oscar da Silva gibt den Ludwigsburgern einen Korb – und setzt sich ins Auto nach Berlin. Der Fahrplan eines kuriosen Samstags.

Ludwigsburg - Da haben die MHP Riesen Ludwigsburg den Saison-Auftakt der Basketball-Bundesliga in eigener Halle gegen die Hamburg Towers hauchdünn mit 88:87 gewonnen – doch parallel dazu gibt es einen Wermutstropfen. Denn die Mannschaft feierte diesen Sieg ohne den Jungstar Oscar da Silva. Der war zu diesem Zeitpunkt am Samstagabend weder im Kader noch in der Halle – sondern auf dem Weg nach Berlin, genauer zum Ligarivalen Alba. Der deutsche Meister hatte sich zuletzt schon den Ludwigsburger MVP Jaleen Smith geangelt, völlig konform allerdings.

 

Bei dem 22-jährigen Deutsch-Brasilianer sieht das etwas anders aus. Jedenfalls ist noch am Spieltag eine Diskussion über die Rechtmäßigkeit eines mögliche Wechsels entbrannt. Während die Berliner – offenbar in Abstimmung mit dem Spieler beziehungsweise dessen Management – davon ausgehen, dass da Silva den Verein verlassen kann, sehen die Ludwigsburger dies ganz anders. Deren Vorsitzender Alexander Reil, immerhin auch Präsident der Basketball-Bundesliga BBL und somit durchaus als kompetent zu betrachten, jedenfalls widersprach umgehend dieser Darstellung, und betonte gegenüber unserer Zeitung: „Unsere Rechtsauffassung ist: Der Spieler hat einen Vertrag bei uns und besitzt keine Ausstiegsklausel.“ Die hätte es bis zum Ende der vergangenen Saison für einen Wechsel (bevorzugt in die NBA) gegeben, aber ein solcher kam nicht zustande. „Darüber war ich zunächst schon enttäuscht“, sagte da Silva vor kurzem noch in einem Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten. Sein Vertrag bei den Riesen galt somit bis 2023, über die BBL wollte er sich für höhere Aufgaben empfehlen.

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Wie es zu diesem Sinneswandel kam, ist zumindest irritierend. Noch am Samstagmittag nahm da Silva am Abschlusstraining der Riesen unter Coach John Patrick teil. Während der Verein gegen 16.30 Uhr dann offiziell die Verpflichtung des US-Amerikaners Jaylen Hands (neun Punkte gegen Hamburg) bekanntgab, erhielt der Coach vom Spieler völlig überraschend die Nachricht, dass der auf dem Weg nach Berlin wäre. Offensichtlich hatte er sich von einigen seiner Teamkollegen da bereits verabschiedet. Guter Stil sieht anders aus, dabei ist Oscar da Silva ein kluges Bürschchen (Abiturnote 1,8), der sechs Sprachen beherrscht. Aber auch als sehr ehrgeizig gilt und nie einen Hehl daraus gemacht hat, dass die BBL nur eine Durchlaufstation in seiner Karriere sein soll. „Ich denke, es liegt weniger an ihm“, sagt Reil – als am Management, will er wohl sagen.

Bei Alba könnte der Center in der lukrativen Euroleague auflaufen, während die Riesen lediglich an der drittklassigen Champions Legaue teilnehmen. Das letzte Wort scheinen hier möglicherweise die Anwälte zu haben. „Wir werden die Freigabe zunächst einmal verweigern“, betont Reil gegenüber unserer Zeitung. Mit welchem Ergebnis auch immer. Für Gesprächsstoff ist jedenfalls gesorgt vor dem nächsten Bundesliga-Heimspiel der Riesen am 10. Oktober – gegen Alba. Nachtigall, ick hör dir trapsen!