Im Ludwigsburger Schloss sind alle Bereiche gut mit dem Rollstuhl zu erreichen. Das ist längst nicht bei allen Anlagen im Land der Fall. Foto: dpa/Bernd Weissbrod

Ob Heidelberg, Ludwigsburg oder Schwetzingen: An Schlössern, deren Besichtigung lohnt, mangelt es in Baden-Württemberg nicht. Trotzdem ist es nicht immer so einfach möglich, denn mancherorts gibt es zu viele Barrieren.

Heidelberg - Wer als Tourist nach Heidelberg kommt, für den geht am Besuch des weltberühmten Schlosses fast kein Weg vorbei. Doch wer schlecht zu Fuß ist, nicht gut sieht oder gar im Rollstuhl sitzt, sollte sich vorsehen: Der Schlosshof, das originelle Große Fass und die Plattform mit der wunderbaren Aussicht auf Altstadt und Neckar sind für Menschen mit Behinderungen ohne Helfer unerreichbar. Seit drei Jahren gibt es immerhin einen provisorischen Asphaltstreifen von der Station der Bergbahn bis zum Eingangstor der Anlage, so dass man auch mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen in den weiträumigen Garten kommt. „Dort sind die Wege gut und eben“, sagt Martina Laurenz vom Büro für Inklusion in Heidelberg. „Doch der Schlosshof selbst ist für einen Rolli allein nicht zu schaffen: Das Pflaster ist uneben, die Fugen sind groß, es gibt Steigungen und Neigungen in alle Richtungen – da stolpert man schon als Fußgänger.“

 

Das Heidelberger Schloss ist schlecht erreichbar

„Es ist eine Zielgruppe, die es in Heidelberg nicht einfach hat; das Schloss dort ist eines unserer am schlechtesten erreichbaren Monumente“, räumt auch Michael Hörrmann, der Geschäftsführer der Verwaltung Schlösser- und Gärten des Landes, unumwunden ein. „Doch anderswo sind wir sehr viel weiter“, versichert er. Dies gilt zumindest für die bedeutendsten Anlagen im Land.

So gibt es in Schloss Ludwigsburg seit der umfassenden Sanierung im Jahr 2004 einen Aufzug in die Beletage, so dass dort alle Bereiche gut mit dem Rollstuhl erreichbar sind. Ergänzt wird das Streben nach Barrierefreiheit von Dienstag an durch einen weiteren Baustein: Ein Ludwigsburger Sanitätshaus stiftet zwei eigens für den Schlossbesuch angepasste Rollstühle, womit den Gästen dann insgesamt drei Rollstühle zur Verfügung stehen.

Auch anderswo ist man weiter als in Heidelberg: Das Schloss in Rastatt ist laut der Pressestelle der Schlösserverwaltung seit fast 20 Jahren behindertengerecht, das Meersburger Schloss seit dem Jahr 2012. Im Kloster Bebenhausen wurde vor einiger Zeit das historische Kopfsteinpflaster abgeschliffen, um die Zugänglichkeit zu verbessern. Auch im Schloss und im Kloster Salem sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten erreichbar.

Im Kloster Maulbronn gibt es überall Schwellen

Nicht ganz so einfach ist es im Kloster Maulbronn, dem Weltkulturerbe. „Die Kirche ist aus dem zwölften Jahrhundert, da hat es in allen Richtungen Schwellen – aber die Kollegen dort sind darauf eingestellt, zu helfen“, sagt der Pressesprecher der Staatlichen Schlösser und Gärten. In den Schlössern in Schwetzingen und Weikersheim sind die baulichen Barrieren nach wie vor nicht überwunden: enge Treppen, schmale Türen oder Stufen zwischen verschiedenen Gebäudeteilen verwehren Behinderten den Zugang.

Der Abbau von Schwellen, der Bau von Rampen, die Einrichtung von Aufzügen: Das scheint in Deutschland schwieriger zu sein als anderswo, das stellen Behinderte auf Auslandsreisen immer wieder fest. „Ich war vor zwei Jahren in Paris, da war alles ebenerdig erreichbar“, berichtet die Behindertenbeauftragte des Landes, Stephanie Aeffner. „Wir haben zwar grundsätzliche Vorschriften zum Abbau von Barrieren, doch es fehlt der Druck, sie umzusetzen. Was wir bräuchten, wären gesetzliche Fristen und politische Festlegungen, bis wann die Vorgaben umgesetzt werden müssen“, sagt sie. „Bei uns schützt der Denkmalschutz die Bauwerke mehr als die Besucher“, bedauert Martina Laurenz vom Heidelberger Inklusionsbüro.

Die Verantwortlichen nehmen das Thema ernst

„Es stimmt, dass wir beim Thema Barrierefreiheit schlechter sind als das europäische Ausland“, bestätigt der oberste Schlösserverwalter Hörrmann. „Wir nehmen das Thema ernst, stehen aber erst am Anfang“, sagte er vor Kurzem bei einer Pressekonferenz in Heidelberg. „Vor vier Jahren haben wir damit angefangen, Defizite zu ermitteln – das arbeiten wir jetzt ab.“ Und: „Unser Ziel ist es, möglichst viele der Kulturdenkmäler für alle Menschen erreichbar zu machen. Doch auch wenn Barrierefreiheit eine zentrale Aufgabe der Staatlichen Schlösser und Gärten ist, ist ihre Realisierung ein Arbeiten am Detail und individuellen Lösungen – dafür sind noch viele Schritte notwendig.“

UN-Konvention regelt die Inklusion

Monumente
Die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg hat insgesamt 62 historische Monumente in ihrer Obhut – von Burgen und Festungsbauten bis hin zu den großen Schlössern in Heidelberg, Ludwigsburg oder Schwetzingen. Sie ziehen jedes Jahr durchschnittlich vier Millionen Besucher an.

Barrierefreiheit
Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenkonvention hat sich Deutschland verpflichtet, dafür zu sorgen, dass behinderte Menschen gleichberechtigt am kulturellen Leben teilnehmen können. Dazu gehört – nach Artikel 30 – „so weit wie möglich“ auch der Zugang zu Denkmälern und Stätten kultureller Bedeutung.

Führungen
In etlichen der berühmten historischen Anlagen des Landes gibt es schon seit Längerem organisierte Rundgänge und Führungen für Menschen mit Handicaps. Darunter sind Angebote für Geh- und Sehbehinderte oder in Gebärdensprache.