Mit feiner Nase gegen Kriminelle. In Baden-Württemberg sollen vom nächsten Jahr an Banknotenspürhunde alle Polizeipräsidien unterstützen. In Ludwigsburg gibt es bereits eine erfolgreiche Ermittlerin auf vier Pfoten.
Ganz offiziell ist es ein „neues Einsatzmittel“, das da aufmerksam auf dem Hof des Ludwigsburger Polizeipräsidiums hockt. Wenn Hauptkommissar Wolfgang L. davon spricht, klingt das wesentlich liebevoller. „Kleines Frollein, komm“, sagt er und: „Auf geht’s, Ninchen.“ Gemeint mit dem Kosenamen ist die Belgische Schäferhündin Nikita. „So nennt sie hier aber eigentlich niemand. Meist wird sie Nini gerufen“, sagt der Hundeführer und lacht.
Die schlanke und flinke Nini hat ganz besondere Fähigkeiten. Als einziger der 14 Rauschgift- und Sprengstoffspürhunde in der Ludwigsburger Staffel kann sie nicht nur Drogen erschnüffeln, sondern auch Bargeld. Neben ihr haben nur fünf weitere Polizeihunde in Baden-Württemberg vor einigen Monaten den zweiwöchigen Lehrgang zum Banknotenspürhund absolviert. Seither ist sie im Einsatz in der Region Stuttgart und weit darüber hinaus.
Wie das funktioniert, zeigt die sieben Jahre alte Hündin auf dem Hof. Wolfgang L. baut eine sogenannte Suchstraße zum Training auf. Unter Kästen werden mehrere Gläser versteckt. Spülmaschinentabs befinden sich darin, Alufolie oder andere Materialien – und Geldscheine. „Zeig’s mir“, sagt der Hauptkommissar nur – und Nini schnüffelt los. Binnen weniger Sekunden hat sie die richtige Stelle gefunden. Sie legt ihre Schnauze ab. „Früher haben die Diensthunde auch durch Scharren angezeigt, da kann aber einiges kaputtgehen“, sagt der Hundeführer und schmunzelt.
Wie genau Nini und ihre Hundekollegen die Geldscheine, also den Zielgeruch, erschnüffeln, ist nicht klar. „Wir vermuten, dass es eine Mischung aus Druckfarbe und dem speziellen Papier ist“, sagt das Herrchen. Dementsprechend kann Nini nicht nur druckfrische Banknoten, sondern auch gebrauchte Scheine und sogar hochwertig hergestelltes Falschgeld erkennen.
Bargeld spielt bei manchen Delikten große Rolle
Das sind gefragte Fähigkeiten. Auch in Zeiten, in denen Bargeld generell an Bedeutung verliert. Denn in manchen Kriminalitätszweigen spielt es nach wie vor eine große Rolle. Das ist besonders der Fall, wenn es um Rauschgift-, Eigentums-, Wirtschafts- oder organisierte Kriminalität geht. „Wir müssen immer wieder erleben, dass die Fantasie krimineller Personen keine Grenzen kennt. Dies erfordert eine intelligente und innovative Verbrechensbekämpfung sowie in vielen Fällen eine ganz besondere Spürnase“, sagt Innenminister Thomas Strobl. Seit Jahresbeginn sind deshalb an sechs Standorten im Land Banknotenspürhunde ausgebildet und im Einsatz getestet worden. Neben Ludwigsburg lief der Versuch auch in Freiburg, Mannheim, Offenburg, Ravensburg und Ulm. Offenbar erfolgreich, denn das Innenministerium hat nun beschlossen, Banknotenspürhunde im nächsten Jahr in allen regionalen Polizeipräsidien anzusiedeln.
Im Land 390 Polizeihunde im Einsatz
„Die positiven Ergebnisse im Rahmen des Pilotbetriebs haben uns von der flächendeckenden Einführung bei der Polizei Baden-Württemberg überzeugt. Die Banknotenspürhunde unterstützen künftig kräftig als neue Ermittler auf vier Pfoten die kriminalpolizeilichen Ermittlungsarbeiten“, sagt Innenminister Strobl. Bereits heute sind im Land 390 Polizeihunde im Einsatz. Nach einer Grundausbildung, dem Schutzhundelehrgang, spezialisieren sie sich zu Rauschgift-, Sprengstoff-, Leichen-, Brandmittel- oder Personenspürhunden.
In der Praxis haben die neuen Spezialermittler bereits einige Erfolge vorzuweisen. So auch Nini. Neben ihrem Haupteinsatzgebiet, der Suche nach Rauschgift, hat sie inzwischen auch rund 20 Einsätze als Banknotenspürhund absolviert. Und dabei etwa bei einer Durchsuchung in Karlsruhe in einer völlig vermüllten Speisekammer eine Plastiktüte mit 30 000 Euro gefunden. Und danach noch 180 000 Euro unter einer Treppe. Wenn sie etwas anzeigt, kann es sich immer um Drogen oder Geldscheine handeln. „Man weiß nie, was davon sie anzeigt. Die Hunde differenzieren nicht“, sagt Wolfgang L.
Er und Nini sind schon ein Team, seit die Hündin als Welpe zu ihm gekommen ist. „Sie ist hochsozial, fast schon zu gut für die Polizei“, sagt er und schmunzelt. Dementsprechend lebt sie auch bei ihm und seiner Familie zu Hause. Das ist nicht bei allen Diensthunden so. Manche haben ein komplizierteres Wesen und leben deshalb auf dem Gelände des Präsidiums. Die Polizei bekommt sie aus unterschiedlichen Quellen vom Züchter bis hin zu überforderten Familien. Nini wird ihren Dienst absolvieren, bis sie zehn oder elf Jahre alt ist und die Suche zu anstrengend wird. Danach wird sie bei ihrem Hundeführer bleiben und die Rente genießen.
Ein eingespieltes Team seit Jahren
Nini hat ihr Training inzwischen beendet. Fröhlich wedelt sie mit dem Schwanz. Sie weiß, dass jetzt die Belohnung kommt. In ihrem Fall ist das kein Leckerli oder etwas anderes zu fressen, sondern ein Ball. „Sie darf jetzt spielen. Die Hunde verknüpfen den Geruch immer mit etwas. Nini sucht eigentlich schlicht ihr Spielzeug“, sagt Wolfgang L. Das Herumtollen hat sie sich redlich verdient.