Angela Wiedemer ist voll des Lobes für die gewonnene Anlage. Foto: Caroline Holowiecki

Anfang dieses Jahres hat die Stadt Filderstadt zwei Balkonkraftwerke verlost. Seit Ende Mai sind die Geräte in Haushalten in Bernhausen installiert. Wie klappt das?

Der Juli beginnt so, wie man es eigentlich nicht erwartet: kühl, regnerisch, trüb. In Rudolf Lienemanns kleinem Garten hinterm Reihenhaus ist alles nass, der Boden ist aufgeweicht. Und noch einen Effekt hat der unerwartete Guss. Er drückt das Ergebnis bei der Stromerzeugung. Gerade mal acht Watt zeigt das Minikraftwerk an diesem Morgen an, das über zwei Photovoltaik-Module, die am Balkongeländer über Rudolf Lienemanns Kopf hängen, Strom produziert.

 

Anfang des Jahres hat die Stadt Filderstadt zwei Balkonkraftwerke verlost. Bewerben konnten sich Miet-Haushalte aus dem Ort. Die Interessenten mussten einige Kriterien erfüllen. Zum einen mussten sie sich bereit erklären, dem Umweltschutzreferat über ihre Erfahrungen zu berichten. Auch die Lage war wichtig. „Ein reiner Nordbalkon geht nicht“, erklärte Claudia Arold, eine der Leiterinnen des Referats, seinerzeit. Ebenso müsse der Vermieter mit der Installation der Photovoltaik-Module einverstanden sei. Der Gedanke hinter dem Ganzen: Lust machen auf eine alternative Energiegewinnung, Berührungsängste abbauen und Balkonkraftwerke bekannter machen.

Es gab Lieferprobleme

Rudolf Lienemann aus Bernhausen ist einer der Gewinner. Seit Ende Mai ist das Gerät installiert – mit deutlicher Verspätung. Es gab Lieferprobleme. „Am Wandler hat das wohl gelegen“, sagt er. Eingebaut war alles mit fachmännischer Unterstützung nach drei, vier Stunden, sagt er. „Ich habe mitgearbeitet, weil es heißt, es ist zur Selbstmontage geeignet“, erzählt der 76-Jährige. Allerdings: So ganz ohne sei das nicht gewesen. „Wer keinerlei elektrische Kenntnisse hat, wird sich schwertun“, sagt er. Auch etwas handwerkliches Geschick sei durchaus notwendig, um die Module am Geländer einzuhängen, zusätzlich zu verschrauben und mit dem Wandler – ein weißes Gerät in Schuhkartongröße, das aus Gleich- Wechselstrom macht – zu verkabeln.

Ebenso wird auf dem Balkon eine sogenannte Wieland-Steckdose verlangt. „Die muss geerdet sein“, sagt Angela Wiedemer, der Stromkreis sollte ebenfalls überprüft werden. Auch sie wohnt gemeinsam mit ihrem Mann in Bernhausen, und das Ehepaar hat das zweite Balkonkraftwerke gewonnen. Die 47-Jährige ist voll des Lobes. „Bis auf die Tatsache, dass der Elektriker zweimal da war, hatten wir keinerlei Scherereien.“ Die Mitwirkung eines Fachmanns bei der Installation empfiehlt auch sie. Ebenfalls wichtig: Die Betreiber des Minikraftwerks müssen das auch anmelden, nämlich beim Netzbetreiber und über die Bundesnetzagentur beim Markenstammdatenregister. Rudolf Lienemann sagt: „Das ist kein Hexenwerk.“

Zufrieden mit dem Ertrag des PV-Balkonmodule

Mit dem Ergebnis sind die Gewinner zufrieden. Den Lienemanns sind gar keine Kosten entstanden, weil sie einen Zwei-Wege-Zähler bereits hatten, die Wiedemers mussten sich einen installieren lassen. Kosten: etwa 150 Euro. Auf den neuen Zähler mussten die Wiedemers lang warten. Angela Wiedemer vermutet, dass das daran lag, dass aktuell viel gebaut wird. Die vom Hersteller angegebene Nennleistungen von bis zu 600 Watt erreichen beide Haushalte allerdings nicht, obwohl ihre Balkon nach Süden zeigen. Sie kommen auf maximal 340 und 430 Watt. Grund: die Ausrichtung der Module.

An beiden Häusern hängen sie senkrecht, für ein besseres Ergebnis wäre aber eine gewisse Neigung notwendig, erklärt Rudolf Lienemann, „die Sonne schafft an den Modulen vorbei“. Dennoch: Trotz verminderter Leistung habe er seit Mai 19 Kilowattstunden ins allgemeine Stromnetz einspeisen können. „Wenn 1000 das machen, könnte man damit sechs Haushalte versorgen.“

Um den Effekt geht es auch Angela Wiedemer. „Ich habe das Gefühl, dass wir mehr einspeisen als gedacht“, sagt sie. Sie und ihr Mann seien sehr sparsam und kämen mit dem erzeugten Strom schon recht weit. Das Paar versucht, nachhaltig zu leben, hat etwa kein eigenes Auto. „Am liebsten würde ich in einem Passivhaus leben, wo alles von der Sonne produziert wird“, sagt Angela Wiedemer. Der Klimaschutz ist sowohl für sie als auch für Rudolf Lienemann zentral. Sie hofft, dass sich noch mehr Leute für die alternative Energiegewinnung entscheiden, „das wäre super“.

Zuschuss für Balkon-Solaranlagen

Förderung
Die Stadt Filderstadt fördert die Anschaffung von Balkonkraftwerken mit 150 Euro. Für dieses und fürs nächste Jahr stehen jeweils 5000 Euro zur Verfügung. „Die Förderung ist noch nicht ausgeschöpft“, sagt Renate Kostrewa, die kommunale Klimaschutzmanagerin.

Kontakt
Infos zu den Richtlinien und Förderanträge können auf der Homepage der Stadt unter dem Suchbegriff Balkonkraftwerke abgerufen werden. car