Tatwaffe des Heilbronner Polizistenmordes ist identifiziert - Kritik an Bundeskriminalamt.

Stuttgart - Die Ermittlungen in der Mordserie durch die Thüringer Neonazi-Gruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) stehen möglicherweise vor dem Durchbruch. Die Hauptverdächtige will am Mittwoch ihr Schweigen brechen.

Die Rätsel um die blutigen Aktivitäten der Thüringer Neonazi-Gruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" könnten bald gelöst sein. Nach Informationen unserer Zeitung will die Hauptverdächtige Beate Z. an diesem Mittwoch ihr Schweigen brechen. "Sie will auspacken und berät sich deshalb mit ihrem Anwalt", sagte ein leitender Beamter der Ermittlungsbehörden am Dienstag. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hatte am Wochenende Haftbefehl gegen die 36-Jährige wegen dringenden Verdachts der Gründung der Terror-Organisation eingeleitet. Die Frau soll mit ihren ehemaligen und mittlerweile getöteten Mitstreitern Uwe B. und Uwe M. für die bundesweite Terrorserie mit mindestens zehn Morden verantwortlich sein.

Zu den Taten gehört auch der Mord an der Polizistin Michele Kiesewetter im April 2007 in Heilbronn. Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft bestätigte am Dienstag, die Waffe, mit der die Böblinger Polizistin damals erschossen wurde, sei nun eindeutig identifiziert. Die Ermittler hätten die Waffe im Schutt der ausgebrannten Wohnung in Zwickau gefunden, in der Beate Z. und die beiden Männer lebten. Warum auf Kiesewetter und ihren Kollegen damals geschossen wurde, ist aber weiterhin unklar.

Im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen die Terror-Gruppe gerät nun auch das Bundeskriminalamt (BKA) unter Druck. Der Hamburger Verfassungsschutz-Chef Manfred Murck warf dem BKA am Dienstag vor, nicht erkannt zu haben, dass der Mord an neun Ausländern einen rechtsextremen Hintergrund haben könnte. BKA-Chef Jörg Ziercke sagte am Mittwoch unserer Zeitung, die Ermittlungen seien Ländersache, "wir haben damit höchstens beratend etwas zu tun" Wie diese Beratung konkret aussah, "davon weiß ich nichts".

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