Von Ende 2022 an sollen hier Züge fahren: Noch ist aber unklar, welche das sein werden. Foto: Horst Rudel

Auch anderthalb Jahre vor Inbetriebnahme der neuen Strecke nach Ulm ist unklar, welche Züge dort rollen sollen. Das Land verweist auf komplexe Verhandlungen mit der Bahn, diese auf rechtliche Vorgaben.

Stuttgart - In weniger als 550 Tagen werden die ersten Bahnreisenden über die neue Strecke zwischen Wendlingen und Ulm fahren. Doch der Zeitplan des Landes, das für den Regionalverkehr auf der Strecke zuständig ist, hat sich als zu ambitioniert erwiesen. Frühestens im Herbst dieses Jahres soll feststehen, welche Züge von Ende 2022 an im Stundenrhythmus zwischen Wendlingen und Ulm pendeln und dabei einen Zwischenstopp im neu gebauten Bahnhof „Merklingen – Schwäbische Alb“ einlegen werden. Von der ursprünglichen Idee, diesen Zug nur alle zwei Stunden fahren zu lassen und in den dazwischenliegenden Stunden lediglich zwischen Merklingen und Ulm zu pendeln, hat sich das Land zwischenzeitlich verabschiedet.

 

Verkehrsministerium hofft auf den Herbst

Der Zeitplan für die Zugbestellungen sah ursprünglich anders aus. Auf Anfrage des Ulmer SPD-Landtagsabgeordneten Martin Rivoir gab die Landesregierung noch im Juli 2020 an, die Vergabe werde „voraussichtlich im 1. Quartal 2021 abgeschlossen“, also spätestens bis März 2021. Das hat nicht geklappt, wie das Landesverkehrsministerium auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt. „Des Verfahren läuft noch“, erklärt eine Sprecherin des Ministeriums und wagt eine neuerliche Prognose: „Der Zuschlag wird voraussichtlich im Herbst 2021 erfolgen.“ Grund für die Verzögerungen sei, dass „die Abstimmung des Fahrplanes mit der DB Netz und den weiteren Zugangsberechtigten mehr Zeit als ursprünglich vorgesehen in Anspruch genommen“ habe. Hinter diesen „Zugangsberechtigten“ verbirgt sich die Fernverkehrstochter der Deutschen Bahn, deren Züge neben denen des Nahverkehrs über die Strecke fahren. Die Fahrplanvorstellungen des Regionalverkehrs müssen in diesen Gesprächen in Einklang mit denen des Fernverkehrs gebracht werden.

Bei der Bahn verweist man unterdessen auf die Vorgaben des Eisenbahnregulierungsgesetzes, das unter anderem auch „die zeitlichen Abfolgen der Vergabe“ regle. „Diesen Regelungen folgend, wird im Sommer 2022 die Belegung der Strecke vertraglich abgeschlossen sein“, sagt ein Bahn-Sprecher in Stuttgart. In den Gesprächen mit dem Land und den anderen Beteiligten sei es um die Umsetzbarkeit der Fahrplankonzepte gegangen „und die zu erwartende Betriebsqualität“.

Es wird eng auf den Gleisen

Bei der Inbetriebnahme der Neubaustrecke, die man wegen Verzögerungen in Stuttgart von der Eröffnung von Stuttgart 21 abgekoppelt hat, stehen die Planer vor der schwierigen Aufgabe, zusätzliche Züge auf der ohnehin schon dicht befahrenen Strecke zwischen Plochingen und Tübingen unterzubekommen, die diese dann an einem neuen Abzweig bei Wendlingen verlassen. Von dort steht aber aus baulichen Gründen auf einer Länge von mehr als acht Kilometern nur ein Gleis zur Verfügung, das sich die Züge beider Fahrtrichtungen teilen müssen. „Im Fall der Neubaustrecke musste insbesondere die Einfädelung in Wendlingen mit den derzeit bestehenden Verkehren in Einklang gebracht werden“, sagt der Bahn-Sprecher.

Im Verkehrsministerium ist man trotz dieser komplexen Gemengelage und des revidierten Terminplans zuversichtlich, dass es keine Verzögerung bei der Aufnahme des Regionalverkehrs über die Neubaustrecke geben wird.