Die Geduld der Bahnreisenden wird wieder auf die Probe gestellt. Was Betroffene in Stuttgart und der Region jetzt wissen müssen.
Der Warnstreik der Lokführergewerkschaft GDL ab dem späten Mittwochabend trifft Bahnreisende in Stuttgart und der Region mit voller Wucht. Der Ausstand soll am Mittwoch um 22 Uhr beginnen und bis 18 Uhr des Folgetages dauern. Aufgerufen sind Lokführer, Zugbegleiter, Werkstattbeschäftigte und Fahrdienstleiter. Das hat große Auswirkungen auf den Zugverkehr – worauf sich Reisende einstellen müssen:
Fahren während des Warnstreiks überhaupt noch Züge?
Im Fernverkehr rechnet die Bahn mit einem Ausfall von mehr als 80 Prozent aller Fahrten. Es sei allerdings gelungen, einen Notfahrplan aufzustellen, sagte ein Bahnsprecher in Stuttgart. Es würden vor allem lange Züge eingesetzt, um möglichst viele Plätze anbieten zu können. Dennoch könne keine Mitfahrt garantiert werden, so die Bahn. Welche Züge fahren, kann in der Bahn-Navigator-App und oder unter Bahn.de/aktuell nachgesehen werden.
„Erfahrungsgemäß wird es auch im Regionalverkehr massive Einschränkungen geben“, sagte der Bahnsprecher weiter. „Wir rechnen auch damit, dass in einzelnen Regionen gar keine Züge mehr fahren können.“ Grundsätzlich gelte der Appell an die Fahrgäste, sich vor Fahrtantritt online zu informieren und auf nicht unbedingt notwendige Reisen zu verzichten.
Diese Verbindungen sind vom Streik betroffen
– RE5 (Friedrichshafen – Stuttgart)
– IRE6 (Aulendorf – Tübingen – Stuttgart)
– RE14 (Rottweil/Freudenstadt – Stuttgart)
– MEX19/90 (Schwäbisch Hall-Hessental – Stuttgart)
– IRE200 (Ulm – Wendlingen)
– RB64 (Oberlenningen – Kirchheim (T))
– RB 11 (Kornwestheim – Stuttgart-Untertürkheim)
– RB63 (Herrenberg – Tübingen – Bad Urach)
Fernbustickets des Quasi-Monopolisten Flixbus waren am Mittwoch für Donnerstag zunächst noch zu bekommen. Auf längeren Strecken wie Stuttgart – Berlin gab es teilweise aber nur noch Restplätze.
Fahren Bahnen von SWEG und Go-Ahead?
Trotz des Streiks gibt es die Chance mit dem Zug von A nach B zu kommen: Die beiden Verkehrsunternehmen SWEG und Go-Ahead, die Verbindungen in Baden-Württemberg anbieten, sind zwar nicht direkt vom Ausstand betroffen. „Es kann aber theoretisch zu Störungen kommen, falls sich DB-Fahrdienstleiter dem Streik anschließen“, teilt die SWEG mit. In einem solchen Fall könnten auf den betroffenen Streckenabschnitten keine Züge fahren, auch die anderer Eisenbahnverkehrsunternehmen nicht. Auch bei Go-Ahead kann es „zu einzelnen Ausfällen und Verspätungen kommen“, warnte ein Sprecher.
Diese Züge fahren rund um Stuttgart
Während des Streiks schrumpft das Angebot also auf die Nahverkehrszüge privater Anbieter. Von Stuttgart aus sind das die Linien von Go-Ahead wie der Metropolexpress MEX 13 auf der Remsbahn und MEX 16 auf der Filsbahn sowie regionale Linien nach Karlsruhe, Aalen, Ansbach und Würzburg. Dazu kommt das Angebot der SWEG beim MEX 12 Tübingen-Stuttgart-Heilbronn, MEX 17 Stuttgart-Karlsruhe/Bad Wildbad/Bruchsal, der MEX 18 Tübingen-Stuttgart-Osterburken sowie der Interregio-Express 6 Tübingen-Stuttgart.
Go-Ahead bietet folgende Verbindungen an:
– RE 8: Stuttgart Hbf – Würzburg Hbf
– RE 90: Stuttgart Hbf – Nürnberg Hbf
– MEX 13: Stuttgart Hbf – Crailsheim
– MEX 16: Stuttgart Hbf – Ulm Hbf
– IRE 1: Karlsruhe Hbf – Aalen (über Stuttgart)
Von der SWEG Bahn Stuttgart verkehren folgende Bahnen:
– RE 10a: Heilbronn – Mosbach - Neckarelz - Heidelberg - Mannheim
– RE 10b: Heilbronn - Sinsheim - Heidelberg - Mannheim
– MEX 12: Tübingen - Stuttgart Hbf - Heilbronn
– MEX 17a: Stuttgart Hbf – Mühlacker – Pforzheim – Karlsruhe – Bad Wildbad
– MEX 17b: Mühlacker – Bretten – Bruchsal
– MEX 17c: Stuttgart Hbf – Mühlacker – Bretten – Bruchsal
– MEX 18: Tübingen – Stuttgart – Heilbronn – Osterburken
– IRE 6: Stuttgart Hbf – Tübingen
Fahren S-Bahnen in Stuttgart?
In Stuttgart und der Region gibt sich die Bahn bemüht, zumindest die nachgefragteste S-Bahn-Linie in Betrieb zu halten: So soll die S1 trotz des Streiks zwischen Herrenberg und Kirchheim/Teck am Donnerstag in beide Richtungen verkehren. Die Bahn fährt nur einmal pro Stunde, immer um fünf Minuten nach der vollen Stunde. Auf allen anderen Linien der S-Bahn sollten Bahnkunden allerdings keine Fahrten einplanen, berichtet der Bahnsprecher weiter.
Wichtig für Reisende in der Region: Bereits am Mittwochabend ab etwa 18 Uhr werden bei der S-Bahn Verbindungen ausgedünnt. Einzelne Züge müssten bereits vor Beginn des Warnstreiks um 22 Uhr aus dem Verkehr genommen werden, hieß es. Nur so könne sichergestellt werden, dass die Bahnen nach Streikende dort seien, wo sie gebraucht würden. Ebenso sei auch am Donnerstagabend nach dem Streik-Zeitraum mit Ausfällen und Verspätungen zu rechnen. „Die Zugausfälle werden kurzfristig vor Start des Zuges kommuniziert und die Fahrpläne laufend aktualisiert“, heißt es weiter.
Weitere Angebote für Bahnreisende
Regulär in Betrieb sind auch die Stadtbahnen und Busse in der Landeshauptstadt und in den Landkreisen. Der Verkehrsverbund Stuttgart weist darauf hin, dass im Streikfall auch Fahrrad, Carsharing, Miet-Roller, E-Bikes zum Leihen oder die private Mitfahrgelegenheit Alternativen sein können. Die Radroute kann man sich mit dem VVS-Radroutenplaner ausgeben lassen.