Das Kepler-Dreieck am Bahnhof ist seit 2013 im Besitz der Stadt Ludwigsburg, aber zurzeit ungenutzt. Links im Bild zu sehen ist der Büroturm der Versicherung MH-Plus. Die Brücke über die Gleise ist der Franck-Steg für Fußgänger. Foto: Simon Granville

Die Firma Pflugfelder will auf dem seit Langem brachliegenden Kepler-Dreieck seine Standorte zentralisieren. Es wäre eine der spektakulärsten Grundstücksübernahmen in Ludwigsburg seit Langem.

Dass es ganz in der Nähe des Ludwigsburger Bahnhofs noch Bauland gibt, fällt vielen mittlerweile gar nicht mehr auf. Zu lange schon liegt das Kepler-Dreieck neben dem Büroturm der Versicherung MH-Plus schon brach, zu lange ist nichts passiert. Nun kommt endlich Bewegung in die Sache. Gipfeln könnte dies in einer der spektakulärsten Grundstücksübernahmen in der Barockstadt seit Langem.

 

Der Immobilienunternehmer Pflugfelder möchte auf der Fläche eine neue Firmenzentrale bauen, um seine Büros – derzeit gibt es zwei in der Ludwigsburger Solitudestraße und eins an der B 27 in der Nähe des Stuttgarter Bahnhofs – zu bündeln. Die Stadt ist bereit, Teile des Areals an Pflugfelder zu verkaufen. Wie viel das Grundstück wert ist, wird ein Experte ermitteln. Vor dem Deal wird allerdings ein städtebaulicher Wettbewerb stattfinden, an dem vier Büros teilnehmen. Diesen hat der Bauausschuss (BA) in seiner jüngsten Sitzung auf den Weg gebracht. Es schließt sich ein Architekturwettbewerb an, der die Bebauung konkretisiert.

Ein Hochhaus ist machbar, vielleicht auch zwei?

Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass die Architekten am Ende ein Hochhaus – möglicherweise sogar zwei – auf die relativ kleine Fläche zwischen Franck-Areal, Bahnlinie und Keplerstraße planen werden. Dass dies realistisch ist, wurde bereits in einer Studie eruiert.

Auch bei der Stadt und den Stadträten wachsen die Erwartungen fast in den Himmel. „Wir brauchen eine entsprechende architektonische Qualität“, sagt der oberste Stadtplaner Martin Kurt. Er und seine Mitstreiter wünschen sich einmal ein „lebendiges, zukunftsfähiges, ökologisch wertiges Quartier“. Da Pflugfelder zwar Platz braucht, aber sicherlich kein ganzes Hochhaus, sind neben Büros auch andere Nutzungen angedacht. Wohnungen beispielsweise, weitere Büros und auch Räume für Dienstleister sowie die Gastronomie. Soziale Einrichtungen könnten ebenfalls berücksichtigt werden.

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Dass das Kepler-Dreieck, das Oberbürgermeister Matthias Knecht „ein Filetstück“ nennt, kein einfach zu planendes Gebiet ist, zeigten die Versuche eines Investors, der bis 2013 versuchte, dort etwas auf die Beine zu stellen. Letztlich scheiterte er krachend und verkaufte das Gebiet an die Stadt weiter. Die überließ es erst einmal einem Gebrauchtwagenhändler und seinen Autos.

2020 wurde Asbest an der Stelle gefunden

An der Stelle ein Hochhaus zu bauen, brachte im übrigen schon Knechts Vorgänger Werner Spec ins Gespräch. Ihm schwebte im Jahr 2015 ein sogenannter Green Tower vor – ein Hochhaus, das keine Energie benötigt, sondern selbst welche produziert. Unter anderem wollte Spec, dass in dem Gebäude Solarenergie für künftige Mobilitätssysteme erzeugt und gespeichert werde. Ein Umzug des Staatsarchivs vom Arsenalplatz in den Tower war auch schon diskutiert worden. Weiter verfolgt wurde die Idee aber nicht.

Vor zwei Jahren dann machte das Kepler-Areal eher negative Schlagzeilen, es wurde Asbest gefunden, das aufwendig für eine halbe Million Euro entsorgt werden musste. Gutachter hatten es vor dem Kauf auf alles Mögliche, aber nicht auf Asbest untersucht.

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Julian Pflugfelder ist indes sicher, dass das Projekt nun zum Erfolg führen wird. Zumal sich die Zeiten geändert hätten und Lagen in Bahnhofsnähe längst kein Schmuddelimage mehr genießen, sondern wegen ihrer guten Anbindung geschätzt würden. Pflugfelder spricht von einer „tollen Chance“ und „riesen Potenzial“, am Tor zur Innenstadt ein kleines Quartier zu errichten. Gleichwohl sei die Verknüpfung mit dem Bahnhof keine einfache Aufgabe. Dass die Achse von der Weststadt kommend belebt und „kein totes Eck“ wird, darauf müssten die Planer besonders achten.

Ein Turm „mindestens so hoch wie W&W“

Das forderten auch einige Stadträte. Ulrich Bauer (Grüne) erneuerte in diesem Zuge die Forderung nach einer zweiten Bahnunterführung an der Stelle des jetzigen Franck-Stegs. Jochen Zeltwanger (Freie Wähler) befürwortete einen „öffentlichen Weg“ zu reservieren, auf dem Fußgänger und Radler gleichermaßen gut zum Bus oder zur Bahn kommen. Ansonsten haben die Stadträte auch schon relativ konkrete Vorstellungen: Bauer schlug eine Aussichtsplattform für das Hochhaus vor, Jochen Eisele (FDP), dass richtig hoch gebaut wird – „mindestens so hoch wie der W&W-Turm jetzt“.

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Er und Margit Liepins (SPD) lobten die Stadt dafür, ein wichtiges Unternehmen und damit Gewerbesteuern in der Stadt zu halten. Pflugfelder übernimmt sogar 40 Prozent der Kosten für das Plangutachten, um die 50 000 Euro. Der Rest der 120 000 Euro kommt aus Fördermitteln von Bund und Land. „Wir freuen uns über die Wertschätzung“, sagt Julian Pflugfelder. Einen Zeitplan gebe es für das Projekt noch nicht. „Aber wir wollen das zügig angehen“, sagt er.