Bezirksvorsteher Saliou Gueye hilft dabei, mit der neuen Technik zurechtzukommen. Foto: /Bernd Zeyer

Seit dem 26. April ist das umstrittene Video-Reisezentrum am Bahnhof Zuffenhausen in Betrieb. Bezirksvorsteher Saliou Gueye hat es zusammen mit Bürgern und Mitarbeitern der Bahn ausprobiert.

Zuffenhausen - Seit 26. April ist das neue Video-Reisezentrum am Zuffenhäuser Bahnhof in Betrieb. Das bisherige Zentrum, in dem Personal vor Ort Fahrkarten verkaufte und Kunden beriet, wurde geschlossen. Diese Aktion der Bahn war seit Bekanntwerden der Pläne sehr umstritten. Es gab sogar eine Demonstration sowie eine „Trauerfeier“ zum Abschied des alten Zentrums (wir berichteten). Nach wie vor haben nicht wenige Bahnkunden Vorbehalte gegen die digitale Lösung. Vor diesem Hintergrund hat Bezirksvorsteher Saliou Gueye zusammen mit Bürgern vor Ort ausprobiert, wie die neue Technik funktioniert. Vertreter der Bahn waren auch mit dabei.

„Eigentlich müssen Sie nur die Tür aufmachen und den Knopf drücken“, sagt Manfred Bandel. Der Leiter des Vertriebsservices Baden-Württemberg der DB Vertrieb GmbH blickt in die Runde und dann auf die eher unscheinbare blau-weiße Box, deren Innenleben modernste Digitaltechnik beherbergt. Ruth Gönner, Olga Gronbach und Christoph Haas sind der Einladung von Gueye gefolgt, um sich persönlich einen Eindruck zu verschaffen. Oder eben auch nicht: „Ich habe grundsätzlich mit der Digitalisierung kein Problem“, sagt Haas. Wohl aber damit, dass es am Zuffenhäuser Bahnhof kein menschliches Personal mehr gebe. Und ein persönliches Gespräch sei nicht durch Bildschirme zu ersetzen. Gerade in Zuffenhausen habe es immer eine sehr gute Beratung gegeben, die jetzt fehle. Haas winkt ab, als ihm angeboten wird, die Technik doch einfach mal auszuprobieren.

„Im Prinzip ist das eine gute Sache“

Ruth Gönner und Olga Gronbach hingegen nehmen das Angebot gerne an. Die beiden Seniorinnen schauen sich in der Kabine um und kommen auch problemlos mit einer Bahn-Mitarbeiterin in der Zentrale in Ludwigsburg ins Gespräch. Allerdings gibt es Tonprobleme, die Verbindung wird unterbrochen. „Im Prinzip ist das eine gute Sache“, sagt Gronbach trotzdem und meint, dass sie das Gerät auch künftig nutzen wolle. Besonders positiv findet sie, dass man mit Bargeld bezahlen könne und nicht zwingend EC- oder Kreditkarte brauche. Auch Gönner ist zufrieden: „Das kann man schon machen.“

Bezirksvorsteher Gueye sieht das ähnlich. Er hatte sich bereits vor einigen Wochen in Ludwigsburg mit einem Video-Reisezentrum vertraut gemacht: „Als Pragmatiker möchte ich die Bürger von Zuffenhausen ermutigen, sich mit dieser praktischen Einrichtung anzufreunden und ein Gefühl dafür zu bekommen.“ Bereits in seinen ersten Tagen im Amt habe er sich mit der Bahn in Verbindung gesetzt und gebeten, die Entscheidung rückgängig zu machen – ohne Erfolg. Deshalb wäre es nun wichtig, sich mit der Realität abzufinden und so gut wie möglich damit umzugehen. Das Video-Reisezentrum sei einladend gestaltet und biete den Kunden Diskretion. Die Bedienung sei sehr einfach und für Nutzer jeden Alters machbar.

Die ersten Video-Reisezentren der Bahn gingen vor acht Jahren im Schwarzwald in Betrieb, seitdem gibt es bundesweit mehr als 100 Stationen. Für die Region Stuttgart sind 19 geplant. An einigen Standorten bildet das Video-Reisezentrum eine Ergänzung zum bestehenden Angebot vor Ort, in anderen Fällen (wie in Zuffenhausen) werden die bisherigen Zentren geschlossen. Der Verband Region Stuttgart hatte die Einführung 2019 beschlossen. Laut Manfred Bandel ist diese Technik vor allem für kleinere Standorte die einzige Überlebenschance. Hinzu komme, dass immer weniger Leute ihr Ticket vor Ort, sondern übers Internet oder das Smartphone kaufen. Es gibt Vorgaben, die die Bahn einhalten muss. Diese betreffen vor allem die Kundenzufriedenheit und die Zuverlässigkeit der Technik. Laut DB-Produktmanagerin Anja Carola Stiebeling sei das bislang kein Problem gewesen: Mit einer 93-prozentigen Zufriedenheit und einer Verfügbarkeit von 97 Prozent seien die Vorgaben klar übertroffen worden. Doch nicht nur das: „In acht Jahren gab es noch nie Kundenbeschwerden.“ Vandalismus sei bislang ebenfalls kein Problem gewesen.

Die Bahn muss Vorgaben einhalten

Ein großer Vorteil des neuen Systems liegt laut der Bahn in den erweiterten Öffnungszeiten. War das normale Reisezentrum in Zuffenhausen 40 bis 45 Stunden pro Woche geöffnet (und bei Krankheit geschlossen, da es kein Ersatzpersonal gab), sollen es nun rund doppelt so viele Stunden sein – Montag bis Freitag 6 bis 19.30 Uhr; Samstag, Sonntag, Feiertag 8 bis 18 Uhr. Für die Zukunft plant die Bahn, den Service sieben Tage pro Woche 24 Stunden zur Verfügung zu stellen.

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